Der Heimkinoraum von Aries

  • Zum Einstieg ein paar Bilder ...

    :)







    Aries M Lautsprecher (hier: linker Back-Surround Lautsprecher, integriert in der Eingangstür)




    Eingang und Geräte Rack im Vorraum (Wohnraum):




    Ich nutze den Raum sowohl um Filme und Serien zu schauen als auch um Stereo & Mehrkanal Musik zu hören.


    Der wichtigste Teil des Konzepts besteht in der Auslegung der Lautsprecher und der Raumakustik mit dem Ziel, dass klangnützliche Anteile des indirekten Schalls mit reflektierenden Flächen bewahrt oder mit Diffusoren verbessert werden während klangschädliche Anteile mit Absorbern minimiert oder eliminiert werden.



    Für den ersten Überblick hier eine Liste mit den wesentlichen Punkten:


    • Raummaße L 580 cm, B 504 cm, H 258 cm
    • Podest H 35 cm im hinteren Bereich
    • Projektornische und Geräterack im Kinovorraum


    • Leinwand Stewart Balon Borderless 385 x 182 cm, Studiotek 100 Folie (nicht perforiert / akustisch nicht transparent)
    • Projektor JVC NZ9
    • Primärer Zuspieler HTPC, madVR, Grafikkarte nVidia RTX2080ti
    • Weitere Zuspieler: Panasonic UHD BD Player, Apple TV


    • Konfiguration 9.1.7 (der Center ist als Doppelcenter ausgeführt, den oberen Center zähle ich daher als 7. Lautsprecher der Höhenebene)
    • Seitliches Surround Array (damit sind keine Front-Wides erforderlich)
    • Optimierte Raumakustik unter Verwendung von
      - ca. 25 qm Absorberfläche (Basotect, Isobond)
      - 3,6 qm 1D Diffusorfläche in Hörebene
      - Zusätzliche 2D und 1D Diffusoren für Stereomusik


    • Vorstufe Trinnov Altitude 32, 20 Kanäle
      - Remapping: für die Doppelcenter
      - Optimizer: Korrektur der Raumakustik und individuelle Zielkurve für den Amplitudengang
      - Digitale Ausgänge: Für die 10 aktiv angesteuerten 4 Wege Hauptlautsprecher
    • DSPs 10 x miniDSP Flex (als aktive Frequenzweichen für Aries Lautsprecher)


    • Endstufen für Haupt- und Deckenlautsprecher 4 x Apollon 12 Kanal Endstufen mit Purifi Modulen
    • Endstufen für Subwoofer / DBA 4 x Yamaha P7000S, Gehäuse umlackiert


    • Hauptlautsprecher 8 x Aries M, 2 x Aries C (Doppelcenter)
      - Individuell entwickeltes 4-Wege Lautsprechersystem
      - Optimiertes Schallabstrahlverhalten (horizontal gleichmäßig breit, vertikal gleichmäßig eng)
      - Vertikal symmetrische Anordnung der Lautsprecherpaare TT, TMT, MT um den zentral angeordneten senkrechten linienförmigen HT zur Erzielung des vertikal engen Abstrahlverhaltens
      - Vergleichmäßigung des horizontalen Abstrahlverhaltens durch BEM berechnete Schallführung
      - Digitale Frequenzweiche und Freifeldentzerrung mit miniDSPs, Phasenkorrektur und Zeitrichtigkeit durch Anwendung von FIR Filtern
    • Deckenlautsprecher 4 x KEF Q350 mit Gehäuseumbau zur Ausrichtung auf den Referenzplatz, 2 x KEF als Front High
    • Subwoofer Double Bass Array mit 20 x Peerless XXLS 12‘‘ in 70 l Gehäuse,
      davon 12 an der Frontwand (4 x 2 + 2 x 2 Array) und 8 an der Rückwand (4 x 2 Array)


    • Steuerung Crestron System
    • Kinosofas von usit.cn, 1. Reihe 3-Sitzer Recliner, elektrisch verstellbar, 2. Reihe 2-Sitzer,
      optional 2 zusätzliche Stühle in der zweiten Reihe bei Bedarf


    In den folgenden Beiträgen gehe ich detaillierter auf die einzelnen Aspekte ein:


    #2 Herangehensweise und Infos zum Raum

    #3 Überlegungen zum Aries Lautsprecherkonzept und Raumakustik

    #4 Weitere Lautsprecher

    #5 Bildwiedergabe

    #6 Weitere Fotos

  • Zielsetzung


    Der Raum sollte für Kinobetrieb (Mehrkanal mit Bild) und Musikhören (Mehrkanal und Stereo ohne Bild) gleichermaßen geeignet sein.

    Bei Filmbetrieb liegt meine Priorität allerdings eher auf Bild als auf Ton, Ausnahmen sind Konzerte und Musikfilme.

    Bei Musikhören zählt natürlich nur der Ton.


    Die Optik des Kinoraums ist mir auch nicht unwichtig, sie ordnet sich jedoch der Funktion unter weshalb nur schwarz und anthrazitfarbene Oberflächen vorkommen.

    Auf Gimmicks wie z.B. Filmfiguren habe ich verzichtet, ich bin da eher puristisch veranlagt.

    Ebenfalls habe ich auf einen Namen für den Kinoraum verzichtet, deshalb heißt dieser Thread auch einfach „Der Heimkinoraum von Aries“.


    Meine Herangehensweise


    Das Planen hat mir viel Freude bereitet, das Bauen hingegen sehr viel weniger.

    Handwerkliche Arbeiten sind leider nicht mein Ding, außerdem fehlt mir da auch das Talent.

    Mir Gedanken über physikalische Zusammenhänge, z.B. zur Akustik, und technische Konzepte zu machen ist hingegen genau meine Welt.

    Das mag dem ein oder anderen zu theoretisch erscheinen, dann bitte die entsprechenden Abschnitte überspringen.

    Ich weise auch darauf hin, dass einige Überlegungen von mir in gewissem Maße spekulativ sind.


    Eine Eigenart von mir ist auch, dass ich einen Hang zum Individualismus habe und des Öfteren Dinge „anders“ mache (siehe z.B. die NAT Leinwand mit Doppelcenter).

    Ein konstruktiver Austausch dazu ist mir hochwillkommen!


    Wenn ich dann schließlich eine Entscheidung getroffen und umgesetzt habe soll es aber auch so bleiben.


    Vorgeschichte


    Seit 2006 hatte ich eine kleine Heimkinoinstallation in meinem Wohnzimmer bestehend aus einer 220 cm Leinwand, einem Projektor (Sony VW 50) und einer Stereoanlage.

    Leider stand in der damaligen Eigentumswohnung kein separater Raum für ein Kino zur Verfügung so dass ich mit den Einschränkungen in meinem Wohnzimmer leben musste – weder war eine größere Leinwand möglich noch Surroundton (wäre zumindest sehr schwierig geworden) und die Abdunkelung war auch nur rudimentär.


    Als ich dann 2013 ein Grundstück erworben hatte und ein Hausneubau anstand war klar:

    Nun wird es endlich einen dedizierten, einen richtigen Heimkinoraum geben.


    Da das Haus keinen Keller bekommen würde war dafür der Raum im Erdgeschoß direkt neben dem Wohnraum vorgesehen - was ich übrigens sehr praktisch finde, der Kinoraum ist „gefühlt“ eine Ergänzung zum Wohnraum.


    Der Raum



    Zur Zeit der Hausplanung hatte ich leider die einschlägigen Foren noch nicht entdeckt, daher habe ich ein paar Dinge nicht so gemacht wie ich es mit meiner gewachsenen Erfahrung heute machen würde.


    Mit 580 cm Länge ist der Raum etwas kurz geraten so dass sich die zweite Reihe unmittelbar vor der Rückwand befindet, das lässt sich leider nicht ändern.


    Die Breite von 504 cm ist immerhin passend (da hatte ich schon an das Stereodreieck gedacht!), bei der Raumhöhe von 258 cm würde ich heute wegen des 35 cm hohen Podests auch noch etwas drauflegen.


    Des Weiteren:

    Der Raumeingang (E) befindet sich an der Rückseite, was für die Realisierung des DBAs einige Probleme mit sich brachte.


    Damit die DBA Rückwand trotz des Eingangs / Durchgangs eine geschlossene Fläche bekommt habe ich eine zweite Tür einbauen lassen.


    Und da ansonsten im Bereich der Rückwand kein Platz mehr für den linken Back-Surround-Lautsprecher vorhanden war ist dieser in die „Tür“ integriert, die damit insgesamt über 100 kg schwer ist.

    Es ist nicht die einfachste Lösung, aber es funktioniert.


    Projektornische


    Immerhin hatte ich bei der Planung des Raums schon daran gedacht, an der Rückwand mittig einen Durchbruch in den benachbarten Raum und dort eine Nische (P) für den Projektor vorzusehen.


    Damit habe ich einen ausreichend großen Projektionsabstand zur Leinwand so dass es mit den üblichen JVC und Sony Projektoren keine Probleme gibt.

    Und da sich der Projektor außerhalb des Kinoraums befindet wirkt sich das günstig auf das Geräusch- und Temperaturniveau aus.

    Zur Geräuschisolation verwende ich einen Lichtkanal, der bündig mit der Vorderseite des Projektors abschließt.

    Das ist zur Geräuschisolation zwar nicht ganz so effektiv wie eine vollständige Kapselung mit einer Glasscheibe, dafür kann ich auf eine zusätzliche Glasscheibe im Lichtweg verzichten.


    In der Nische habe ich einen Ventilator integriert, der die Warmluft vom Projektor ableitet.

    Der Ventilator wird über eine Master-Slave Verteilerleiste mit dem Projektor geschaltet.

    Zur Sicherheit habe ich noch einen Temperaturfühler im vorderen Bereich des Projektors angebracht (siehe die rote Digitalanzeige im Foto).


    Besonders groß ist die Nische allerdings nicht:

    Länge 70 cm, Breite 60 cm (nach rechts ist zusätzlicher Platz), Höhe 30,5 cm

    Aufgrund der Gegebenheiten in meinem Wohnraum lässt sich die Nische auch nicht vergrößern (außer ein wenig in der Länge).

    Die maximal möglichen Abmessungen des Projektors entsprechen ungefähr der aktuellen NZ-Serie von JVC.

    Größere Projektoren aus dem Profibereich passen nicht in die Nische.


    So sieht die Nische mit den zusätzlichen Sichtschutzelementen aus ... man sieht nicht viel:



    Hier ein Bild ohne Sichtschutz und ohne die vordere Platte des Luftkanals so dass man auch den Ventilator sehen kann:



    Im ersten Bild ist der NZ9 zu sehen, im zweiten Bild der vorherige X7000.



    Geräterack (Bild siehe Beitrag #1)


    Das Geräterack (G) befindet sich im Kinovorraum, der auch gleichzeitig als Wohnraum dient.

    Insofern war es mir wichtig, dass sich das Rack unauffällig in den Wohnraum integriert.

    Um dies zu erreichen hat das Rack eine passende Optik (Lack weiß, Glas) und die Geräteansicht lässt sich mit einer weiß satinierten Schiebetür kaschieren.

    Um auch an die Rückseiten der Geräte zu kommen steht das Rack auf Rollen, d.h. es kann nach vorne gezogen werden.

  • Hauptlautsprecher und Raumakustik


    Da ich den Kinoraum für Musikhören und Filmwiedergabe nutzen wollte war die Anforderung an die Lautsprecher - und dabei insbesondere die stereo Lautsprecher FL & FR - dass sie nicht nur eine Kino-typische Dynamik und Pegelfestigkeit sondern auch musikalische Talente mitbringen sollten.


    Aber was macht eigentlich die musikalischen Talente eines Lautsprechers aus?

    Ist es der Frequenzgang?

    - Sicher sehr wichtig. Aber wohl doch nicht alles, sonst ließen sich mit einem DSP alle Lautsprecher auf den gleichen Level bringen.

    Ist es die Zeitrichtigkeit, das Impulsverhalten, die Abwesenheit von Klirr und anderen Verzerrungen oder …?


    Bei der Suche nach „meinem“ Lautsprecher brachte mich ein mittlerweile schon länger zurückliegendes Erlebnis weiter:

    Vor ca. 15 Jahren wurde auf einer World of Hifi Veranstaltung in Hamburg die Dynaudio Evidence vorgeführt.



    Die Evidence bot für mich die beste klangliche Performance die ich bis dato gehört hatte.

    Das Klangbild war extrem transparent, hoch aufgelöst und präzise, am meisten beeindruckt hatte mich die schiere „Größe“ der Abbildung.

    Das Klangbild baute sich vor mir wie eine richtige Bühne auf.


    Damals hatte ich mir keine weiteren Gedanken gemacht, welche technischen Eigenschaften der Evidence für diesen Höreindruck maßgeblich sein könnten, das kam erst viel später.


    Im Zuge meiner weiteren Hörerfahrungen wurde mir irgendwann bewusst, dass mir Lautsprecher mit Bändchenhochtönern meist gut gefielen, z.B. hatte ich früher ein Paar Dali Helicon 400, die ich sehr mochte.


    Springen wir nun ins Jahr 2015, mittlerweile hatte ich Nils (FoLLgoTT) und … nennen wir ihn „#1“ (da er anonym bleiben möchte), beide sehr erfahrene Lautsprecherexperten, kennen- und schätzen gelernt.

    Ich lernte von den beiden eine Menge über die technischen Hintergründe von Lautsprechern.

    U.a. wurde mir bewusst, dass es nicht die Art des Lautsprecherchassis (Konus/Kalotte/Bändchen…) ist, die hier maßgeblich ist, sondern die Membrangeometrie und die sich physikalisch daraus ergebende Schallabstrahlcharakteristik.

    Es gibt übrigens eine sehr gute Abhandlung von Nils zu diesem Thema („Richtwirkung erzeugen“, Link siehe seine Signatur).

    Wobei die Abstrahlcharakteristik immer in Wechselwirkung mit dem Abhörraum zu sehen ist, dazu später mehr.


    Als ich mich nun wieder an die Dynaudio Evidence erinnerte erkannte ich, dass die Art der Lautsprecherbestückung ein horizontal breites und vertikal enges Abstrahlverhalten über einen großen Frequenzbereich bewirkt.

    Und ebenso tun dies schmale (Höhe > Breite) Bändchenhochtöner, dann natürlich nur im jeweilig abgedeckten Frequenzbereich.


    Mit dieser Erkenntnis hatte ich einen entscheidenden Schlüssel für „meinen“ Lautsprecher gefunden:

    Die Kombination aus einem horizontal breiten und einem vertikal engen Abstrahlverhalten ist für meine klanglichen Vorlieben dienlich.

    Meine weiteren Erfahrungen haben dies bestätigt.


    Was bewirkt die Schallabstrahlcharakteristik des Lautsprechers, warum ist sie überhaupt relevant?

    Der Punkt ist der indirekte Schall, der beim Hörer ankommt.

    Etwas simpel ausgedrückt gibt es sowohl guten als auch schlechten indirekten Schall und diese Anteile werden durch die Abstrahlcharakteristik des Lautsprechers im Zusammenspiel mit der Raumakustik bestimmt.


    Eine breitere horizontale und engere vertikale Schallabstrahlung lässt sich bei einem Lautsprecher mit folgenden Maßnahmen erreichen:

    a) Chassisabmessung in vertikaler Richtung größer als in horizontaler Richtung (oft bei AMT oder Bändchen HT)

    b) Vertikale Anordnung mehrerer parallel arbeitender Chassis (die mehreren Chassis wirken wie ein großes Chassis mit entsprechender Geometrie)

    c) Vertikal enge und horizontal breite Schallführung

    Bei einem freistehenden Lautsprecher kommt noch der Effekt durch die Geometrie des Lautsprechergehäuses hinzu - was bei Wandeinbau wie bei mir jedoch keine Rolle spielt.


    Da Nils und #1 ähnliche Ideen hinsichtlich „Ziel-Schall-Abstrahl-Charakteristik“ hatten kamen wir gemeinsam auf die Idee, dass die beiden für mich einen passenden Lautsprecher mit der angestrebten Schallabstrahlcharakteristik entwickeln könnten.


    Im „Aries“ Lautsprecherkonzept kommen a) für den HT und b) für die 2 x MT, 2 x TMT, 2 x TT zur Anwendung sowie c) um analog wie bei einem Studiomonitor die horizontale Schallabstrahlung möglichst gleichmäßig einzustellen.


    Da die Überlegungen zum Lautsprecherkonzept, die Schritte der Entwicklung sowie die Messergebnisse von Nils in diesem Dokument:

    http://hannover-hardcore.de/in…s%20M%20Dokumentation.pdf

    ausführlich beschrieben wurden fasse ich hier das Wichtigste zur Aries M (M steht für Main) in Stichpunkten zusammen:


    4 Wegesystem mit symmetrischer Chassisanordnung und BEM optimierter Schallführung zur Erzielung eines möglichst gleichmäßigen Schallabstrahlverhaltens (horizontal breit, vertikal eng)

    Lautsprecherbestückung: HT 1 x AMT; MT 2 x 2‘‘ Kalotte; TMT 2 x 4‘‘ Konus; TT 2 x 8‘‘ Konus

    Aktive Trennung der Wege, Freifeldentzerrung sowie Phasen- und Laufzeitkorrektur mit miniDSPs (je eines pro Aries Lautsprecher)



    Meine Wünsche waren:

    (1) Die Pegelfestigkeit eines Kinolautsprechers,

    (2) die Präzision eines Studiomonitors und

    (3) am wichtigsten, die Musikalität eines High End Lautsprechers.


    Erfreulicherweise kann ich sagen, dass die o.g. Ziele für meine Ansprüche letztlich erreicht wurden.

    Allerdings genügte es dafür nicht, die Aries Lautsprecher in den Kinoraum zu stellen, auch noch nicht mit der zusätzlichen Raum-Einmessung der Altitude, der volle Erfolg stellte sich erst mit zusätzlichen Raumakustikmaßnahmen ein.


    Raumakustik – guter und schlechter indirekter Schall


    Aufgrund meiner Zielsetzung „Musik hören“ habe ich das Raumakustikkonzept auf die Wiedergabe von Stereoton von den Lautsprechern FL und FR hin ausgelegt.

    Auch für typischen frontlastigen Mehrkanalton bringt es nach meiner Auffassung gewisse Vorteile mit sich.


    Das Ziel war es durch geeignete Anordnung von absorbierenden und reflektierenden/streuenden Oberflächen den Zielkonflikt aus

    - Abbildungsschärfe, Präzision, Dynamik

    Vs.

    - Räumlichkeit, Umhüllung

    für Stereophonie zu optimieren.


    F.E. Toole führt dazu in Sound Reproduction aus:


    Klangförderliche Reflexionen (insbesondere für Räumlichkeit)

    a) Reflexionen aus seitlicher Richtung

    b) Richtung des Direktschalls und der Reflexion auf unterschiedlichen Seiten links / rechts

    c) Winkel* zwischen Direktschall und Reflexion 30 … 120°, optimal 60° (*in meridionaler Ebene)

    d) Zeitverzögerung zwischen Direktschall und Reflexion mindestens 2 bis 3 ms, besser 10 ms

    (entspricht Laufstreckendifferenz von mindestens ca. 1 m, besser 3,5 m)


    Klangschädliche Reflexionen (insbesondere für Ortungsschärfe)

    x) Reflexionen aus ähnlicher Richtung wie Direktschall

    y) Reflexionen von hinten für Direktschall von vorne (und umgekehrt)

    z) Reflexionen innerhalb max. 5 bis 10 ms aus ähnlicher Richtung schädlich für Ortbarkeit

    (entspricht Laufstreckendifferenz von max. 2 bis 3,5 m)


    Das Ziel ist also, die nützlichen Anteile indirekten Schalls am Referenzplatz so weit wie möglich zu fördern und die schädlichen Anteile so weit wie möglich zu eliminieren.


    Betrachten wir zunächst die ersten Boden- und Deckenreflexionen.

    Beide treffen am Hörplatz aus der gleichen meridionalen Richtung wie der Direktschall ein und aufgrund der geringen Laufstreckendifferenz erreichen sie den Hörplatz mit geringem zeitlichen Abstand.

    Insofern sind beide Reflexionen als nachteilig für die Abbildungsschärfe zu bewerten.


    Damit leuchtet ein, warum ein vertikal enges Abstrahlverhalten der Lautsprecher günstig ist:

    Die schädlichen Erstreflexionen an Boden und Decke werden reduziert.


    Obwohl die Aries M Lautsprecher eine starke vertikale Bündelung des Schallabstrahlung aufweisen, also Boden und Deckenreflexionen per se stark reduziert sind, haben - wie ich in meinen Hörversuche feststellen konnte - ergänzende Raumakustikmaßnahmen den positiven Einfluss auf die Abbildungsschärfe noch einmal verstärkt.

    Insbesondere das Anbringen von Absorber am Erstreflexionspunkt an der Decke (7 cm Basotect + 7 cm Luftspalt) hat eine Verbesserung erbracht, weiterhin habe ich auch am Erstreflexionspunkt am Boden Absorber angebracht (7 cm Basotect + 7 cm Luftspalt), dies hat zu einer weiteren geringeren Verbesserung geführt.


    Betrachten wir nun den Schall in der Hörebene, als Beispiel hier für den linken Frontlautsprecher:



    Nach den Ausführungen von Toole gilt:

    Förderlich ist die Reflexion von der rechten Seitenwand (grün), eher weniger förderlich ist die Reflexion von der Rückwand (orange), schädlich ist die Reflexion von der direkt anliegenden linken Seitenwand (rot).


    Um die schädliche Reflexion von der direkt anliegenden Seitenwand möglichst effektiv zu unterdrücken verwende ich in diesem Bereich der Seitenwand einen speziellen Aufbau (von der Raumwand aus gesehen):

    8 cm Luftspalt – 10 cm dichtes Isobond (Flußwiderstand 10 k) – 2 cm fluffiges Isobond (3 k) – Bespannung mit Akustikstoff


    Der Effekt, dass ein stärker dämpfendes Material zur Bedämpfung tiefer Frequenzen weniger geeignet ist weil der Schall weniger tief in das Material eindringt, ist weitgehend bekannt.


    Weniger bekannt ist der Effekt, dass der Schall zum Teil bereits an der Oberfläche des Materials reflektiert wird.

    Die Reflexion ist umso stärker, je höher der Impedanzsprung zwischen Luft und Absorber ist.

    Der Impedanzsprung ist proportional dem Wellenwiderstand des Absorbermaterials, d.h. je stärker dämpfend der Absorber wirkt.


    Zur Physik der Reflexion an Grenzflächen siehe z.B. wikipedia:

    Reflexion

    Wellenwiderstand # Reflexion an Grenzflächen


    Den Effekt kann man sich so ähnlich vorstellen wie bei einem Fenster, das bei senkrechter Betrachtung durchsichtig ist, bei schräger Betrachtung jedoch teilweise wie ein Spiegel wirkt.


    Von zwei fachkundigen Heimkinofreunden weiß ich, dass sie diesen Effekt der Reflexion an Absorberoberflächen gemessen haben.


    Die erste Lage mit fluffigem Isobond dient also dazu, die Reflexion an der Absorberoberfläche zu minimieren, dies wird weiterhin durch den akustisch transparenten Akustikstoff unterstützt (TBV zum Vergleich hat eine stärkere Reflexion).


    Diese Maßnahme erachte ich als umso sinnvoller da die Aries Lautsprecher ein horizontal breites Abstrahlverhalten aufweisen.


    Wie wäre es wenn man statt Absorbern im vorderen Bereich der Seitenwände Diffusoren einsetzen würde, wäre das nicht ebenfalls eine geeignete Lösung um die Reflexion um Spiegelpunkt zu unterdrücken?


    Cox, der zusammen mit d’Antonio das Standardwerk zum Thema Diffusoren verfasst hat, schreibt in http://www.prosoundnetwork.com…cover-story-part-2/16339:


    “I've seen people recommend diffusors at reflection points. I've tried that and it always sounds worse to me than absorption. … Using diffusion at reflection points is a misguided audiophile thing.”


    Nach meiner Überlegung kann bei Positionierung von Diffusoren an Erstreflexionspunkten folgender mutmaßlich nachteiliger Effekt auftreten:


    Frequenzen oberhalb des wirksamen Frequenzbereichs des Diffusors: Reflexion

    Frequenzen im wirksamen Frequenzbereichs des Diffusors: Streuung/Diffusion

    Frequenzen unterhalb des wirksamen Frequenzbereichs des Diffusors: Reflexion


    Cox erwähnt auch, dass bei Positionierung von Diffusoren im Seitenwandbereich eine Rückstreuung zur Frontwand auftritt, die die Ortungsschärfe verschlechtert.

    Wenn man der Empfehlung von Cox folgt sollte man die vorderen Bereiche (bis ca. 2 m) der Seitenwände und der Decke nicht mit Diffusoren zu versehen, da aufgrund der geringen Laufzeitunterschiede keine separate Wahrnehmung zum Direktschall möglich ist.

    Desweiteren ist der Winkel zwischen Direktschall von den Frontlautsprechern und indirektem Schall im vorderen Raumbereich gering und daher der nützliche Beitrag für die Räumlichkeit des Klangbilds gering.


    Nach obiger Betrachtung ist im vorderen Bereich der Seitenwand also eine absorbierende Oberfläche vorteilhaft, im mittleren und hinteren Bereich hingegen finden die nützlichen Reflexionen statt.

    Hier gilt es nun also, den indirekten Schall zuzulassen und zu fördern.

    Ein horizontal breites Abstrahlverhalten der Lautsprecher bringt nichts, wenn die Seitenwände komplett mit Absorbern zugepflastert sind.


    Im mittleren und hinteren Bereich der Seitenwände habe ich abwechselnd Diffusoren und reflektierende Flächen angebracht, am rechten Spiegelpunkt des linken Frontlautsprecher befindet sich dabei ein Diffusor (und entsprechend symmetrisch gilt das auch für FR).


    Dabei sehe ich folgenden Vorteil:

    Unser Gehirn zieht aus Reflexionsmustern Rückschlüsse auf den uns umgebenden Raum, z.B. bei einer frühen Reflexion von rechts, jedoch nicht von links, leten wir ab, dass rechts eine Begrenzung ist, nicht jedoch links.

    Ich halte es für wünschenswert, den Raum so zu gestalten, dass solche spezifischen Muster gering sind - d.h. der Raum sollte ein räumliches Klangbild erzeugen ohne jedoch dem Tonsignal eine bestimmte „deutliche“ Rauminformation von z.B. Raumbegrenzungen aufzuprägen.

    Dies gelingt in idealer Weise durch streuende Oberflächen (Diffusoren).

    Den so erzeugten, räumlich, zeitlich und frequenzmäßig „zerwürfelten“ indirekten Schall könnte man als unspezifischen Diffusschall bezeichnen.


    Ich hatte viel zur Frage „Einfluss von Diffusoren auf das Klangbild“ nachgelesen und im BS Forum einiges dazu geschrieben, ich fasse hier einmal kurz die verschiedenen Beschreibungen des klanglichen Einflusses zusammen:


    > Räumlich einhüllende Akustik, dabei

    > Unspezifische, diffuse Raumwirkung („Wirkung eines größeren Raums“, „Wände verschwinden“, „wie im Wald“)

    > Höhere Frequenzen wirken präsenter ohne jedoch überrepräsentiert zu wirken

    > Natürliche Akustik / keine synthetische Wahrnehmung wie in hochbedämpften Räumen

    > Bereits bei geringerer Lautstärke bessere und eindrücklichere akustische Wahrnehmung


    In der Hörebene kommen insgesamt 8 Stück 1D Diffusoren mit QRD N23 Folge zum Einsatz (früher waren es 10 Stück, 2 Diffusoren mussten für die Erweiterung von 7 auf 9 Surroundlautsprecher weichen).



    Mit einer Schachtbreite von 2,2 cm und einer akustisch wirksamen maximalen Schachttiefe 33 cm, die durch eine Faltung der tieferen Schächte erreicht wird, ergibt sich ein großer wirksamer Frequenzbereich.


    Für die Positionierung der Diffusoren sind noch weitere Aspekte relevant, u.a. der Einfallswinkel des auftreffenden Schalls.

    Je flacher dieser Einfallswinkel ist desto geringer ist der wirksame Frequenzbereich.

    Idealerweise sollte der Schall also nicht zu flach auf den Diffusor treffen.


    Übrigens bin ich kein Fan von Skyline Diffusoren an der Decke.

    Ich hatte in meinem Raum eine Zeit lang zwei Felder (180 x 120 cm) links und rechts vom Referenzplatz.

    Im Unterschied zu den 1D Diffusoren in der Hörebene, die im Klangbild eine Verbesserung der Räumlichkeit bewirkt haben, konnte ich bei den Skylines an der Decke keinen Fortschritt feststellen.

    Ganz am Anfang war es für mich sogar eher ein nachteiliger Effekt einer nach oben verschobenen Lokalisation – dieser Effekt ist jedoch glücklicherweise innerhalb weniger Tage verschwunden.


    Kurz gesagt, nach meiner Erfahrung ist an der Decke Absorption besser als Diffusion.


    Neben den bisher behandelten Aspekten „Vermeiden des schädlichen indirekten Schalls“ und „Fördern und Optimieren des nützlichen indirekten Schalls“ habe ich noch ein drittes Prinzip angewandt.


    Leif hatte im beisammen Forum in einer Diskussion zum Thema „klingen Hornlautsprecher dynamischer“ geschrieben:


    „Durch den Hornvorsatz strahlt der Lautsprecher gerichtet und regt so den Raum weniger an, als die breit strahlende Kalotte. Dadurch klingt der Ton des Horns schneller wieder ab (wegen der geringeren Raumanregung) und wirkt so dynamischer als die Kalotte.

    Ist der Raum stark bedämpft, oder besitzt die Kalotte einen Waveguide werden die Unterschiede immer geringer.“


    Für einen dynamischen Klangeindruck ist also ein schnelles Abklingen der Raumantwort günstig.

    Auf den ersten Blick ist das ein Widerspruch zur Anforderung „nützlichen indirekten Schall zulassen“, daher hatte ich dies oben auch als Zielkonflikt bezeichnet.


    Auf den zweiten Blick ist es jedoch so, dass für den dynamischen Klang eher die tieferen und für den räumlichen Klang eher die höheren Frequenzen wichtig sind.

    Daher habe ich einmal folgendes Diagramm für den mMn optimalen RT60 Verlauf gezeichnet:



    Blau = Aus Überlegungen abgeleitete ideale RT60 Kurve (qualitativ)

    Grün = Typische Abklingkurve in realen Räumen

    Orange = Obere und untere Grenzkurven der THX Norm für einen ca. 60 m³ großen Raum

    (Genau genommen ist eine RT60 Kurve unter 200 Hz etwas fragwürdig da der Schall nicht mehr diffus vorliegt)


    Also schnelles Abklingen bei tiefen Frequenzen und mittleres Abklingen bei höheren Frequenzen.

    Leider ist die Realität meist genau umgekehrt:

    Die hohen Frequenzen werden durch Teppiche und dünne poröse Absorber stark gedämpft, die tiefen Frequenzen hingegen sind zu wenig bedämpft.


    Ich habe mit folgenden Maßnahmen versucht, die RT60 Kurve möglichst nahe an das skizzierte Optimum zu bringen:


    Fußbodenbelag Parkett statt Teppichboden

    Absorber in ausreichender Dicke

    Reflektierende Flächen mit kleinen Öffnungen und tieferen Absorberkanälen*

    Zusätzliche Flächen mit Absorbern versehen

    Sitzmöbel mit Lederbezug


    *Die großen Wellenlängen / tiefen Frequenzen beugen sich in die Öffnung und werden absorbiert, die kleinen Wellenlängen werden an der Fläche reflektiert.


    Dazu ist natürlich ein DBA sehr günstig für einen dynamischen Bassbereich, da es die Raummoden reduziert/eliminiert und für ein kurzes Abklingen sorgt.


    Soweit zur Theorie.


    Basierend auf den vorgestellten Überlegungen habe ich die raumakustischen Elemente wie in den folgenden Graphiken dargestellt angeordnet:


    Ansicht von oben



    Lila: Leinwand

    Orange: Lautsprecher

    Grau / rot umrandet: Subwoofer

    Hellgrün: Poröser Absorber

    Hellblau: Diffusor

    Schwarz durchgezogene Linie: Feste Oberfläche (z.B. Baffle-Wall)

    Schwarz gestrichelte Linie: Stoffabdeckung


    Frontwand



    Weiß: Schallharte Baffle-Wall


    Seitenwand



    Grau-weiß gestreift: 1D Diffusoren


    Rückwand




    Ergänzungen



    Ansteuerung der Aries Lautsprecher - warum wird nicht die Frequenzweichenfunktion der Altitude genutzt und stattdessen zusätzliche miniDSPs verwendet?


    1) Mit den miniDSPs werden die 4 Wege mittels FIR Filterung einzeln phasen- und laufzeitkorrigiert getrennt.

    Das ist mit der Altitude nicht möglich, dort wäre "nur" eine Phasen- und Laufzeitkorrektur des Gesamtsignals möglich, nicht jedoch für die einzelnen Wege.

    Dies ist insbesondere für das 4 Wege Konzept der Aries Lautsprecher relevant, Nils (FoLLgoTT) hat das in dieser Abhandlung beschrieben:

    http://hannover-hardcore.de/in…en%20bei%20Mehrwegern.pdf


    2) Mit der gewählten Konfiguration haben wir eine saubere Trennung:

    Alle Lautsprecher bezogenen Prozesse / Korrekturen finden in den miniDSPs statt:

    - Aktive Frequenzweiche

    - Freifeldentzerrung des Amplitudengangs

    - Phasengang und Gruppenlaufzeit

    Alle Raumakustik bezogenen Prozesse / Korrekturen finden in der Altitude statt:

    - raumakustische Korrektur (Optimizer)

    - 3D Remapping (Doppelcenter)


    Da das Signal digital per AES-EBU - SPDIF von der Altitude an die miniDSPs geleitet wird ist keine zusätzliche DA / AD Wandlung erforderlich.



    Zielkurve / Absenkung des Präsenzbereichs


    Eine Frage, die die meisten irgendwann beschäftigt, ist die individuelle Zielkurve (Lautstärkeanpassung über Frequenz).

    Ich bin im Laufe der Zeit zu folgender Zielkurve gelangt:




    Orange ist die Zielkurve für alle Kanäle außer LFE, hellblau entsprechend für den LFE.


    Detaillierter eingehen will ich auf die Absenkung im Präsenzbereich (1500 – 3000 Hz).


    Anfangs – damals noch ohne die Absenkung des Präsenzbereichs – hatte ich bei meinem Setup bei einigen Musikstücken und höherer Lautstärke das Empfinden, dass der Klang zu hart und scharf war, stellenweise empfand ich den Klang sogar als unangenehm.


    Zwei Beispiele

    Pink Floyd – Another brick in the wall: Höhere und lautere Passagen des Kinderchors

    Livingston Taylor – Isn’t she lovely: Die höheren und lauteren Pfeiftöne am Anfang


    Gefühlt hörte sich bei diesen Passagen die mittleren/hohen Frequenzen einfach zu laut an, so als läge hier eine deutliche Überhöhung des entsprechenden Frequenzbereichs vor.

    In den Meßschrieben von Altitude und REW fand ich jedoch keine entsprechenden Überhöhungen und ich fragte mich worin die Ursache für den Höreindruck liegen könnte.


    Da sich das Phänomen nur hören, aber nicht messen ließ, bin ich das Thema im Folgenden mit Hörversuchen angegangen.

    So wie sonst REW mit einem Frequenzsweep den Amplitudengang ermittelt habe ich Hörversuche mit einem Gleitsinus von 500 bis 5000 Hz jeweils über 60 Sekunden durchgeführt um den problematischen Frequenzbereich zu identifizieren.


    Da dieser unangenehme Klangcharakter nur bei hohen Lautstärken so hervortrat habe ich den Hörversuch bei einer höheren Lautstärke durchgeführt.


    Mein subjektiver Höreindruck bei diesem Versuch war wie folgt:


    500 Hz ... 600 Hz ... 800 Hz ...

    Hört sich okay an, gleichmäßige Lautstärke ohne nennenswerte wahrnehmbare Schwankungen


    1000 Hz ... 1200 Hz ...

    Weiterhin gleicher Eindruck wie zuvor


    1400 Hz ... 1600 Hz ... 1800 Hz ... 2000 Hz

    Der Eindruck ändert sich, die gefühlte Lautstärke nimmt zu, nimmt deutlich zu, es hört sich nun auch unangenehm an


    2200 Hz ... 2500 Hz

    Noch lauter, Lautstärkemaximum bei um die 2500 Hz, es wird sehr unangenehm, das tut schon in den Ohren weh!


    3000 Hz

    Wieder etwas leiser, aber immer noch gefühlt sehr laut und ziemlich unangenehm


    3500 Hz

    Wieder etwas lauter und unangenehmer, wenn auch nicht ganz so schlimm wie bei 2500 Hz


    4000 Hz ... 4500 Hz ... 5000 Hz

    Die gefühlte Lautstärke geht wieder deutlich zurück, es ist auch nicht mehr unangenehm


    Ich war damals sehr überrascht:

    Der objektiv gemessene Amplitudengang war linear - mein subjektives Lautstärkeempfinden war jedoch alles andere als linear.

    Die beschriebenen Frequenzen hörten sich V I E L lauter an und unangenehme Empfinden war bei dem Gleitsinus noch um eine ganze Größenordnung schlimmer als im Höreindruck mit den kritischen Musikstücken.


    Im nächsten Schritt habe ich mit verschiedenen Eingriffen in den Amplitudengang experimentiert bis ich schließlich über den ganzen Frequenzsweep ein konstantes Lautstärkeempfinden erreicht habe.

    Mit dem reduzierten und nun gleichmäßigen Lautstärkeempfinden war auch der unangenehme Charakter bei dem Gleitsinus sehr deutlich reduziert.


    Zunächst hatte ich im Bereich von 1,5 bis 4 kHz eine breite Absenkung mit bis zu 4 … 5 dB vorgenommen.

    Mit dieser Einstellung war der harte Klangcharakter auch bei hoher Lautstärke und den kritischen Passagen der Musikstücke komplett verschwunden.

    Der klangliche Unterschied zu einem linearen Frequenzgang war geringer als ich es erwartet hatte.


    Bei hinsichtlich des „Nervfaktors“ unkritischen Titeln würde ich den Unterschied so beschreiben, dass es sich im direkten A-B Hörvergleich mit der Absenkung in diesem Bereich etwas „dünner“ anhörte.

    Interessanterweise waren es genau die Musikpassagen, die vorher bei hoher Lautstärke ohne Absenkung zu nervig / scharf / hart rüber kamen, die mir nun aber doch zu weichgespült vorkamen.

    Z.B. habe ich eine Live Aufnahme mit Saxophon, das ohne Absenkung insbesondere bei hohen Lautstärken einen anstrengenden Sound hat.

    Mit der 4 … 5 dB Absenkung wirkte das Saxophon nun jedoch brav und gezähmt.

    Da fehlte ein Stück weit der ungestüme Live Charakter und die Authentizität von einem echten Saxophon, der anstrengende Sound gehört da dazu.

    Ebenso stellte ich fest, dass Filmton-Ereignisse wie z.B. Schüsse etwas zu gezähmt klangen.


    Im nächsten Schritt habe ich die Absenkung auf ca. 3 dB reduziert und daher insbesondere die kritischen Passagen noch einmal damit angehört.
    Der nervige / harte / scharfe Hochton war bei -3 dB zwar nicht komplett weg aber doch so weit reduziert, dass es für mich nicht mehr störend war, auch nicht bei sehr hoher Lautstärke.


    Mit der geringeren Absenkung passte es auch wieder besser mit dem Live Charakter der Saxophon Aufnahme und der entsprechenden Filmtonsequenzen.

    Es war zwar etwas zahmer als die lineare Wiedergabe, aber in einem Maße welches für mich eine gute Balance zwischen live/dynamisch und angenehm/ausgewogen darstellt.


    Am Ende bin ich dann bei einer Absenkung des Präsenzbereichs von 2,5 dB angekommen und damit fahre ich mein Setup nun seit mehreren Jahren zu meiner vollen Zufriedenheit.


    Im übrigen habe ich später gelernt, dass eine Absenkung des Präsenzbereichs durchaus häufiger bei Lautsprechern vorgenommen wird und dass es auch im PA Bereich üblich ist, bei hohen Schallpegeln einen breiteren Bereich um 3 kHz um bis zu 3 dB abzusenken (ebenfalls vor dem Hintergrund, dass dieser Frequenzbereich bei hoher Lautstärke von vielen als unangenehm empfunden wird).


    Wer sich schon mal mit dem Thema beschäftigt hat weiß natürlich, dass es diverse Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen objektivem Schallpegel und subjektiv wahrgenommener Lautheit gibt, hier ein paar Links:

    de.wikipedia.org/wiki/Gehörrichtige_Lautstärke

    sengpielaudio.com/Acoustics226-2003.pdf

    sengpielaudio.com/Fletcher-MunsonIstNichtRobinson-Dadson.pdf


    Man sieht, dass die Kurven gleicher Lautheit je nach Untersuchung ziemlich deutlich variieren - und dabei sind die Kurven bereits jeweils eine Mittelung über eine Anzahl von Testpersonen.

    Die individuellen Kurven je nach Person unterscheiden sich also noch einmal mehr.


    Die neueste Kurve lt. ISO226:2003 passt dabei am wenigsten zu meinem Empfinden, die älteren Kurven von Fletcher-Munson und Robinson-Dadson passen hingegen ziemlich gut.


    Das bedeutet allerdings auch, dass es nicht die eine perfekte Zielkurve gibt, die für alle Menschen gleichermaßen passt.

    Sowohl die Frequenzen als auch die Pegelreduzierungen unterscheiden sich von Person zu Person.


    Übrigens hatte der Bericht über meine Erfahrungen seinerzeit im beisammen Forum zu einer lebhaften Diskussion geführt. Eine Frage war ob man eine solche Anpassung vornehmen darf (erlaubt ist was gefällt) oder vornehmen soll (Ausgleich einer individuellen Wahrnehmungsabweichung, analog wie bei einer Brille).

    Einen Konsens haben wir natürlich nicht erzielt …

    :)

  • Weitere Lautsprecher: Center, Surround, Decke, Subwoofer


    Vorbemerkungen zu Phantomschallquellen


    Wenn Tonsignale auf mehrere Kanäle abgemischt werden und entsprechend von mehreren Lautsprechern wiedergegeben werden bildet sich eine Phantomschallquelle aus, die sich scheinbar zwischen den entsprechenden Lautsprechern befindet.

    Fährt zum Beispiel ein Auto von links nach rechts durch das Bild und wandert das Tonsignal entsprechend vom FL über den C zum FR Lautsprecher so liegt für alle Zwischenpunkte zwischen den Lautsprechern eine Phantomschallquelle vor.

    Phantomschallquellen füllen also die Lücken zwischen den einzelnen Kanälen auf.


    Damit eine Phantomschallquelle bzgl. Lokalisation, Abbildungsschärfe und Amplitudengang „richtig“ funktioniert müssen Amplitude, Laufzeit und Phase der sich am Hörplatz überlagernden Direktschallbeiträge „passen“.

    Die Reihenfolge Amplitude, Laufzeit und Phase entspricht nach meiner Hörerfahrung der Priorität nach absteigender Wichtigkeit.


    Das bedeutet, dass bei einer Lautsprecherkonfiguration genaugenommen nur an einem Platz eine korrekte Bildung aller Phantomschallquellen möglich ist weil die vorgenannte Bedingungen nur an einer Position für alle Lautsprecher erfüllt werden kann.

    Bei den anderen Plätzen sind mehr oder minder große Einbußen unvermeidlich.


    Besonders ausgeprägt ist dies bei Stereoton, der bekanntermaßen nur bei einer mittigen Sitzposition richtig funktioniert.


    Nachteilig auf die Bildung von Phantomschallquellen wirken sich aus:

    - Unsymmetrische Bedingungen im Raum, z.B. eine Wand links, nach rechts offen

    - Unterschiedliche Lautsprecher, auch wenn sie aus einer Serie stammen, siehe z.B. ein liegender Center mit einem stehenden FL/FR Lautsprecher

    - Unterschiedliche Anordnung der Lautsprecher (z.B. Höhe)


    Ein weiterer relevanter Aspekt bei Phantomschallquellen ist die Winkeldifferenz zwischen den Lautsprechern.

    Das bekannte gleichseitige Stereodreieck mit 60° funktioniert gut, größere Winkel zwischen den Lautsprechern funktionieren zunehmend schlechter.


    Nils (FoLLgoTT) und ich haben in seinem Kinoraum mehrere A-B Vergleiche Phantomcenter FL+FR vs dedizierter Center hinter der Leinwand gemacht.

    D.h. eine Szene einmal mit aktivem Center Lautsprecher geschaut, dann mit deaktiviertem Center und Abmischung des Tons auf FL und FR.

    Als Testszene haben wir im wesentlichen die Anfangsszene vom Hobbit verwendet bei der die Zwerge in der Höhle des Hobbits um den Tisch herum sitzen.


    Beschreibung meiner Höreindrücke Phantomcenter FL + FR ipo dedizierter Center


    1) Abbildungsgröße und -schärfe

    > Der Ton kommt etwas flächiger aus dem mittleren Bereich der Leinwand statt lokal exakt vom Centerspeaker aus der Mitte der Leinwand.

    > Die wahrgenommene Schallquelle hat eine größere Ausdehnung in der Breite.

    > Mit Phantomcenter ist die Schallquelle in ihrer horizontalen Ausdehnung weniger deutlich umrissen.


    2) Natürlichkeit

    Eine Phantomschallquelle hat etwas minimal künstliches, sie klingt ein wenig anders als eine „echte“ Schallquelle.

    Im Vergleich dazu klingt ein dedizierter Centerspeaker etwas mehr wie eine „echte“ Schallquelle.


    3) Leichte tonale Veränderung

    Im direkten A-B Vergleich ist eine geringe tonale Veränderung für mich wahrnehmbar.


    Meine Bewertung dieser Höreindrücke


    Zu 1) Abbildungsgröße und -schärfe

    Im direkten Vergleich - ohne Berücksichtigung des Filmcontents - bewerte ich beide Optionen vergleichbar "gut".


    Mit Berücksichtigung von Filmcontent fällt mein Urteil anders aus:

    Sobald in einer Szene das Tonereignis, z.B. eine sprechende Person, nicht mittig auf der Leinwand stattfindet, finde ich die genauere Center Ortung schlechter, da eine Inkonsistenz zwischen Bild und Ton wahrnehmbar ist.

    Da Sprache i.d.R. komplett auf den Center gemischt wird - auch wenn sich die sprechende Person nicht in der Bildmitte befindet - ist das v.a. bei einem kleinen Verhältnis Sitzabstand / Leinwandbreite ein relevanter Aspekt.

    Für den realen Filmbetrieb gefällt mir daher die unschärfere und flächigere Lokalisation des Phantomcenters etwas besser.


    Zu 2) Natürlichkeit

    Visuell finde ich die Wirkung eines Films unabhängig von der Qualität der Abbildung in mehrfacher Hinsicht anders als im echten Leben (flaches Bild, im realen Leben nicht vorkommende Perspektiven, u.v.m.).

    Ein Film hat also per se einige Aspekte einer „unnatürlichen“ Wahrnehmung.

    Was ich jedoch zum überwiegenden Teil nicht störend finde.

    (Wichtige Ausnahme: 24p Ruckeln, das stört mich.)

    Es ist nun mal ein Film und das ist ein spezielles Erlebnis.

    Im Vergleich zum „künstlichen“ visuellen Eindruck ist die geringe Einbuße an akustischer Natürlichkeit für mich vernachlässigbar.


    Zu 3) Leichte tonale Veränderung

    Aufgrund der unterschiedlichen Richtung der Schallquellen und der HRTF sowie des unterschiedlichen Reflexionsmusters im Raum liegt ein leichter tonaler Unterschied zwischen Phantomcenter und dediziertem Centerspeaker vor.

    Auch dieser Unterschied ist so gering dass er für mich nicht bewertungsrelevant ist.


    Mein Fazit für den Referenzplatz


    Die Unterschiede im Höreindruck zwischen Phantomcenter FL+FR und dedizierten Centerspeaker sind gering.

    Im direkten A-B Vergleich und wenn ich explizit darauf achte nehme ich diese Unterschiede wahr.

    Im normalen Filmbetrieb nehme ich die geringen Unterschiede nicht wahr.

    In Summe bewerte ich für den Referenzplatz beide Optionen als gleichwertig.


    Ich hatte in meinem Kinoraum längere Zeit keine dedizierten Center Lautsprecher, d.h. der virtuelle Center wurde über FL / FR erzeugt (so wie bei stereo).

    Auf dem mittigen Referenzplatz hat das für mich hervorragend funktioniert, ich habe da nichts vermisst.


    Auf den nicht mittigen Plätzen stimmt natürlich die mittige Lokalisation nicht mehr, dort ist der dedizierte Center überlegen.

    Letztlich habe ich mich deshalb auch dafür entschieden, dass ich einen (genaugenommen zwei) Center Lautsprecher in meinem Kinoraum installiere.


    Doppelcenter


    Da ich mich aufgrund der Vorteile für die Bildqualität für eine akustisch nicht transparente Folienleinwand entschieden habe kann ich keinen Centerlautsprecher hinter der Leinwand positionieren.

    Daher ist es bei mir ein Doppelcenter (also je einer oberhalb und unterhalb der Leinwand) geworden.

    Die Idee eines Doppelcenters besteht darin, eine Phantomschallquelle zwischen dem unteren und dem oberen Center zu erzeugen und damit die vertikale Lokalisation des Center Tons passend zu den restlichen Lautsprechern einzustellen.

    Der Doppelcenter hat im Vergleich zum Phantomcenter FL, FR den Vorteil, dass er für alle 3 Plätze in der ersten Reihe hinsichtlich Amplitude, Laufzeit und Phase korrekt funktioniert.


    Da die Aries M mit einer Höhe von 158 cm naturgemäß hier nicht in Frage kommt hat #1 für mich als Center einen kleineren Aries C entwickelt, bei dem wir die Prinzipien der großen Aries M so weit wie möglich übernommen haben:


    3,5 Wegesystem mit symmetrischer HT – MT D’Appolitto Chassisanordnung und BEM optimierter Schallführung zur Erzielung eines möglichst gleichmäßigen Schallabstrahlverhaltens im Mitttonbereich (horizontal breit, vertikal eng)

    Neigung der Schallwand um 14° zum Referenzplatz auf Ohrhöhe hin

    Lautsprecherbestückung: HT 1 x AMT; MT 2 x 2‘‘ Kalotte; TMT + TT 1 x 8‘‘ Konus; TT 1 x 8‘‘ Konus

    Aktive Trennung der Wege, Freifeldentzerrung sowie Phasen- und Laufzeitkorrektur mit miniDSPs (je eines pro Aries Lautsprecher)



    Wie funktioniert die Ansteuerung des Doppel-Centers?


    In der Altitude werden die beiden Center Lautsprecher als separate Ausgabekanäle gehandhabt, sie werden also einzeln laufzeitkorrigiert und eingemessen.

    Damit wird eine zeitrichtige Addition der beiden Centerlautsprecher erreicht und es werden tonale Unterschiede ausgeglichen, die z.B. infolge einer unterschiedlichen Einbausituation resultieren können.

    Über die 3D Remapping Funktion wird das Centersignal auf die beiden Lautsprecher aufgeteilt.


    Die korrekte Ansteuerung der beiden Lautsprecher war jedoch nicht ausreichend um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen.

    Es gab es einige Szenen, bei denen sich die Phantomschallquelle nicht richtig bilden wollte und ich deutlich den unteren Centerlautsprecher heraushören konnte.

    Diesen Effekt finde ich sehr störend da er für mich die Immersion unterbricht.

    Wenn ich das nicht hätte abstellen können wäre es ein ernstes Problem für mich gewesen.


    Die entscheidende Verbesserung habe ich durch die Installation eines Absorbers am Boden-Erstreflexionspunkt vor dem unteren Center erreicht.



    (Damit man etwas erkennen kann ist das Foto aufgehellt)


    Wie Ihr seht ist die mit TBV bezogene Basotectplatte zur Leinwand hin angewinkelt.


    Die Bildung der Phantomschallquelle zwischen den beiden Centerlautsprechern wurde bereits durch eine plan auf dem Boden liegende Absorberplatte verbessert.

    Die schräge Anordnung der Absorberplatte hat eine weitere Verbesserung gebracht.

    Der unerwünschte Effekt „unteren Center heraushören“ tritt damit nicht mehr auf.


    Hintergrund zur angewinkelten Anordnung des Absorbers:


    Da der Schall von dem tief unten befindlichen Lautsprecher in einem sehr flachen Winkel auf den Boden und ggf. einen dort waagerecht befindlichen Absorber auftrifft (bei mir: ca. 15°) verschiebt sich das Verhältnis von Transmission zu Reflexion an der Oberfläche des Absorbers deutlich in Richtung Reflexion.

    Dass der Reflexionsanteil mit flachem Winkel größer wird kann man analog bei jeder Fensterscheibe beobachten.

    Da die Messungen bei TBV schon bei senkrecht auftreffendem Schall eine gewisse Reflexion aufgezeigt haben ist dieser Effekt einer größeren Reflexion bei flachem Einfallswinkel noch stärker ausgeprägt.

    Da die Reflexion zum Hörplatz unerwünscht ist sollte dieser Effekt so weit wie möglich vermieden werden.


    Mit der angewinkelten Basotectplatte wird der reflektierte Schall nicht in Richtung Referenzplatz sondern zur Decke gelenkt und dort absorbiert.

    Das Reflexionsproblem ist damit gelöst.


    Den zentralen Deckenabsorber habe ich so gestaltet, dass er die Ersteflexion des oberen Centers an der Decke bedämpft.

    Dort war keine Änderung erforderlich.


    Als abschließende Feintuning-Maßnahme habe ich noch eine manuelle Pegelanpassung zwischen den beiden Centerlautsprechern vorgenommen um das akustische Zentrum in die gewünschte Höhe analog wie FL und FR zu schieben.


    Mit den beschriebenen Maßnahmen

    - Unterdrückung der Erstreflexionen an Boden und Decke

    - Zeitrichtige Ansteuerung

    - Korrektes Pegelverhältnis von unterem und oberem Center

    „funktioniert“ der Doppelcenter im Filmbetrieb und fällt nicht störend auf so dass ich das Ergebnis als sehr zufriedenstellend und fast auf Augenhöhe mit dem Phantomcenter FL/FR oder einem Center hinter der Leinwand bewerte (die beiden bewerte ich persönlich für den Referenzplatz als äquivalent).


    Warum nur fast?


    Die „Abbildung“, d.h. die Ausdehnung der Schallquelle, ist so wie ich es auch erwartet habe:


    > Bei dediziertem Center punktuell in der Mitte



    > Bei Phantomcenter FL+FR etwas in die Breite gestreckt



    > Bei Doppelcenter etwas in die Höhe gestreckt



    Die vertikale Ausdehnung der Schallquelle beim Doppelcenter kommt mir ein wenig widernatürlich vor, es passt nicht 100%ig.

    Diesen Unterschied nehme ich allerdings nur wahr wenn ich bewusst darauf achte und auch dann ist der Effekt gering, so dass ich ihn nicht als störend empfinde.


    Eine weitere Frage war, ob eine Störung durch Kammfiltereffekte bei einer Änderung der vertikalen Position des Kopfs auftreten wird.

    Beim Film schauen ist mir der Effekt nicht begegnet.

    Zum Versuch habe ich daher meinen Kopf bewusst nach oben und unten bewegt.

    Damit ich den Effekt wahrnehme muss ich den Kopf schon ein gutes Stück bewegen, deutlich mehr als ich das normalerweise mache.

    Aber auch dann ist der Effekt gering und nicht störend.

    Von daher:

    Kammfiltereffekte sind kein Problem.


    Mit den beschriebenen Maßnahmen sehe, oder besser höre ich in meinem Heimkino also nur geringe Einbußen durch den Doppelcenter.


    Wenn ich mir im Vergleich dazu die Vorteile durch die NAT Leinwand anschaue dann messe ich diesen Vorteilen mehr Gewicht bei.


    Somit ist mein Fazit, dass der Doppelcenter in meiner Installation so gut funktioniert, dass die visuellen Vorteile der akustisch nicht transparenten Leinwand die geringen akustischen Nachteile des Doppelcenters überwiegen.


    Auch in der zweiten Reihe habe ich nichts zu meckern.

    Eigentlich passen die Laufzeiten in der zweiten Reihe nicht perfekt so dass ich vorher ein schlechteres Ergebnis erwartet hatte.

    Tatsächlich funktioniert der Doppelcenter aber auch in der zweiten Reihe und wenn man eine „punktuellere“ Abbildung bevorzugt ist es sogar etwas besser da die Soundbühne inklusive der leichten vertikalen Aufspreizung des Doppelcenters mit der größeren Entfernung insgesamt enger zusammenrückt.


    Ich habe auch getestet ob „nur Center unten“ oder „nur Center oben“ eine Alternative für mich ist.

    Das ist nicht der Fall, damit passt die Lokalisation für mich nicht und das empfinde ich als störend.


    Surroundlautsprecher


    In der Basisebene kommen 9 Lautsprecher zum Einsatz:

    3 an der Frontwand

    je 2 an den Seitenwänden

    2 an der Rückwand



    Da der Winkel zwischen den Front- und den vorderen seitlichen Surround nur 45° beträgt sind Front-Wide Lautsprecher nicht erforderlich.

    Mit der dargestellten Anordnung erreiche ich insgesamt eine relativ gleichmäßige Verteilung der Lautsprecher über die Winkel und es ergibt sich eine geschlossene Surroundkulisse, auch umlaufende Effekte werden mit den 9 Lautsprechern sehr gut abgebildet.


    Für die 4 seitlichen und 2 rückwärtigen Positionen setze ich die Aries M ein.

    Vielleicht hätte da auch ein kleineres Modell gereicht, aber es schadet ja nicht.


    Übrigens ist hier auch zu erkennen, dass FL, FR bei 30° angeordnet sind (also im idealen Stereodreieck).

    Damit befinden sich die Lautsprecher außerhalb der Leinwand – was bei einer NAT Leinwand natürlich auch nicht anders geht.

    Ein zusätzlicher kleiner Vorteil dieser Anordnung ist, dass sich vor den Lautsprechern nur ein dünner Akustikstoff befindet und kein AT Leinwandgewebe, was doch mehr schluckt als ein Akustikstoff.

    Im übrigen finde ich auch gut, dass mit der breiteren Aufstellung von FL, FR die Soundkulisse entsprechend größer wird.

    Den Effekt, dass Tonereignisse außerhalb des Bildes stattfinden, habe ich noch nie störend wahrgenommen.


    Deckenlautsprecher


    Für die Lautsprecher habe ich geschrieben:

    - Gute/nützliche Anteile des indirekten Schalls fördern, schlechte/schädliche Anteile vermeiden.

    - Daraus folgt das Raumakustikonzept und für das Abstrahlverhalten der Lautsprecher horizontal breit, vertikal eng, dabei jeweils möglichst gleichmäßig.


    Für die Deckenlautsprecher, die mMn auf den Referenzplatz ausgerichtet sein sollten, ist die Bedingung komplett verschieden

    - auch wenn man nur den Referenzplatz optimal beschallen will!


    Warum?

    Durch die diagonale Abstrahlrichtung gibt es keine solche Differenzierung horizontal breit / vertikal eng wie bei den Frontlautsprechern.

    Zwar wird auch auch hier wieder der grundlegende hörphysiologische Zusammenhang zwischen guten und schlechten Anteilen des indirekten Schalls gelten (niedriger IACC vorteilhaft), aber:

    Es gibt keine klare Zuordnung der guten und schlechten Anteile des indirekten Schalls zum Abstrahlverhalten (und zur Raumakustik).


    Kann man daraus ableiten "dann ist das Abstrahlverhalten egal"?


    Das natürlich auch nicht.

    Es treten andere Bedingungen in den Vordergrund, die insbesondere aus dem geringeren Abstand der Lautsprecher zu den Hörplätzen resultieren.


    Dadurch nimmt der Anteil des Direktschalls generell zu und insbesondere bei stark bündelnden Lautsprechern besteht die Gefahr dass einzelne Lautsprecher lokalisiert werden.

    Das ist für mich einer der störendsten Punkte überhaupt weil damit für mich die Immersion verloren geht (ich habe das auch bereits bei entsprechenden Installationen erlebt).

    Um diesen Effekt zu vermeiden ist ein breiteres Abstrahlverhalten hilfreich.

    D.h. damit wird nicht nur eine gleichmäßigere Beschallung über die verschiedenen Plätze erreicht, auch für den Referenzplatz ergibt sich damit ein Vorteil.

    Für die anderen Plätze, die dem jeweiligen Lautsprecher noch näher sind, ist der Vorteil natürlich noch größer.


    Der deutlich geringere Abstand hat noch einen weiteren Aspekt, damit kommen Unzulänglichkeiten durch die Treiberanordnung und die Addition der Wege stärker zur Geltung.

    Für einen Deckenlautsprecher ist damit noch mehr als für die anderen Lautsprecher das Ideal einer Punktschallquelle vorteilhaft.


    Der deutlich geringere Abstand hat aber auch einen wichtigen Vorteil:

    Die Deckenlautsprecher brauchen weniger Nennschalldruck um am Hörplatz die gleiche Lautstärke zu erzeugen, bei mir beträgt der Unterschied ca. 5 dB.

    Damit können die Deckenlautsprecher kleiner ausfallen.

    (Dazu habe ich die Deckenlautsprecher bei 120 Hz getrennt um sie noch etwas zu entlasten.)


    Zusammengefasst die Anforderungen an den optimalen Deckenlautsprecher:

    - Gleichmäßiges, breites Abstrahlverhalten

    - Punktschallquelle

    - Pegelanforderung reduziert im Vergleich zu den Hauptlautsprechern


    Wenn ich diese Punkte zusammenfasse sehe ich die KEF UniQ Lautsprecher als das beste Konzept für Deckenlautsprecher.

    Kein anderer Lautsprecher vereint die Anforderungen an einen Deckenlautsprecher so wie die Uni-Q.

    Ich habe mich für das KEF Q350 2 Wege Koaxialchassis entschieden.

    Die Chassis wurden inklusive Schallwand (da das Chassis mit der Schallwand verklebt ist lässt es sich nicht herausschrauben) so in passende Gehäuse umgebaut dass eine korrekte Anwinkelung zum Referenzplatz erreicht wird.



    Im übrigen, einige Deckenlautsprecher haben das Konzept Hochtöner auf einem Steg vor dem Tieftöner.

    Das kommt dem KEF Konzept zwar nahe, führt aber zu Interferenzen des Hochtons am rückwärtigen Konuslautsprecher.

    Daher, wenn dieses Konzept, dann sollte der Hochtöner leicht außermittig angebracht sein um diese Interferenzen zu reduzieren.


    Subwoofer


    Es kommt ein DBA mit Peerless XXLS (12‘‘) Chassis, davon 12 Stück an der Frontwand und 8 Stück an der Rückwand, zum Einsatz.

    Beide Gitter laufen mit vollem Pegel was einer Pegeldifferenz von 3,6 dB entspricht.

  • Nun kommen wir zu dem Punkt, der mir beim Filmerlebnis am wichtigsten ist:


    Das Bild


    Interessanterweise schreiben viele Heimkino-Enthusiasten, nach meinem Eindruck sogar die Mehrheit, dass ihnen der Ton wichtiger ist als das Bild.

    Bei mir ist das normalerweise nicht so.

    Normalerweise deshalb, weil mir bei Konzertaufnahmen und Musikfilmen doch der Ton wichtiger ist.

    Da ich jedoch mehr „gewöhnliche“ Filme schaue ist es also in der Mehrheit das Bild.


    Wichtig sind mir beim Bild (Zahl = Priorität):

    1 Bildgröße (relativ und absolut)

    2a Helligkeit

    2b Kontrast und Schwarzwert

    3 Schärfe und Auflösung

    4a Farben (erweiterter Farbraum, Genauigkeit)

    4b Bildruhe


    Ich habe diesen Beitrag nach den Prioritäten strukturiert, die Punkte Projektor, Leinwand und Raumgestaltung flechte ich an den passenden Stellen ein.


    Meine Prio 1: Bildgröße


    Ein großes Bild ist das was für mich im eigentlichen Sinne das Heimkinoerlebnis ausmacht.

    Daher ist es für mich auch die erste Priorität.


    Die Leinwand habe ich sowohl in Breite als auch Höhe so groß wie möglich gemacht:

    385 x 182 cm


    Für 2,35:1 beträgt die Bildgröße damit 385 x 164 cm, für 1,78:1 sind es 324 x 182 cm.

    Die begrenzenden Faktoren für die Leinwandgröße sind: links und rechts die außerhalb der Leinwand befindlichen Frontlautsprecher, oben und unten die beiden Centerlautsprecher

    Der Augenabstand zur Leinwand beträgt in der ersten Reihe ca. 360 cm.


    Mit der relativen Größe ist das Verhältnis Bildgröße geteilt durch den Augenabstand zur Leinwand gemeint, mit der absoluten Größe die Bildgröße unabhängig vom Augenabstand.

    Bei der relativen Bildgröße bin ich mit diesen Werten in meinem persönlichen Optimalbereich.

    Theoretisch würde mir bei der absoluten Größe (noch) größer noch etwas besser gefallen, dann mit entsprechend größerem Augenabstand zur Leinwand um die relative Größe beizubehalten.

    Das gibt der Raum jedoch nicht her.

    Außerdem wäre es bei den in Frage kommenden Projektoren auch problematisch mit den Prios #2 und #3 so dass ich in der Gesamtbetrachtung mit 385 cm Bildbreite sehr zufrieden bin.


    Meine Prio 2a: Helligkeit


    Dazu zunächst einige Vorbemerkungen.


    Visuelle Wahrnehmung – Der Einfluss der Helligkeit auf die Wahrnehmung von Kontrast, Farbe und Schärfe


    Kurzüberblick der Grundlagen zum Verständnis

    > Rezeptortypen K, M, L Zapfen -> Farbwahrnehmung, aktiv bei größeren Helligkeiten

    > Rezeptortyp Stäbchen -> Helligkeitswahrnehmung, aktiv bei geringeren Helligkeiten

    > Sehgrube (fovea centralis) -> Bereich der Netzhaut mit der höchsten Auflösung, nur Zapfen


    Zusammenfassende graphische Darstellung



    Fazit

    Die Auflösung von Helligkeitsdifferenzen, die Anzahl unterscheidbarer Tonwerte (Helligkeitswerte), die Farbwahrnehmung sowie die Sehschärfe nehmen mit der Helligkeit zu bis sie bei Tageslichtbedingungen ab einer Größenordnung von ca. 100 FL (foot lambert) ihr Optimum erreichen.

    Die Farbwahrnehmung beginnt ab einer Helligkeit von ca. 0,1 FL, im Bereich des photopischen Sehens ab 1 bis 10 FL sind ausschließlich die farbempfindlichen Zapfen aktiv und es wird die vollständige Farbwahrnehmung erreicht.


    Folgerungen für die visuelle Wahrnehmung

    Mit zunehmender Unterscheidbarkeit von Helligkeitsdifferenzen können wir mehr Tonwerte wahrnehmen, bei größerer Helligkeit erscheint uns unsere Wahrnehmung daher kontrastreicher.

    Mit zunehmender Unterscheidbarkeit von Farbunterschieden können wir mehr Farben wahrnehmen, bei größerer Helligkeit erscheint uns unsere Wahrnehmung daher farbiger.

    Mit zunehmender Sehschärfe können wir mehr Details wahrnehmen, bei größerer Helligkeit erscheint uns unsere Wahrnehmung daher schärfer und detailreicher.


    Mit zunehmender Helligkeit erscheint uns das wahrgenommene Bild also kontrastreicher, farbiger, detailreicher und schärfer und eine höhere (Maximal-) Helligkeit ist demzufolge vorteilhaft für den wahrgenommenen Bildeindruck.


    Quelle

    Die Angaben sind dem Buch „Visuelle Wahrnehmung – Eine Einführung in die Konzepte Bildentstehung, Helligkeit + Farbe, Raumtiefe, Größe, Kontrast und Schärfe“ von Jörg Sczepek, Ausgabe von 2011, entnommen.

    Einige Seiten dieses Buches sind online über google books abrufbar.

    Sczepek gibt einen Überblick über Aufbau und Funktion des Auges, die Verarbeitung der Sehreize und die daraus resultierenden Charakteristiken unserer visuellen Wahrnehmung.

    Für diejenigen, die sich näher mit dem Thema befassen möchten kann ich das Buch weiter empfehlen.


    Der Einwand, das Auge würde doch an unterschiedliche Helligkeiten adaptieren und deshalb sei die absolute Helligkeit nicht von Bedeutung, ist übrigens nicht zutreffend.

    Richtig ist, dass das Auge an unterschiedliche Helligkeiten adaptiert und unser Sehvermögen deshalb über einen großen Helligkeitsbereich „funktioniert“ – aber je nach Helligkeitsbereich unterschiedlich gut.


    Ein Beispiel: Die Öffnung der Pupille

    Bei niedrigeren Helligkeiten fällt mit einer größeren Öffnung der Pupille mehr Licht in das Auge und damit werden die Zapfen besser "ausgesteuert".

    Zugleich nimmt jedoch die Tiefenschärfe und die Schärfe des Seheindrucks insgesamt ab.

    Das wird z.B. als eine Erklärung angeführt, warum wir im Hellen schärfer sehen:

    Die Pupille ist weniger weit geöffnet.


    Ich denke, wohl jeder ist schon mal ans Fenster gegangen um kleine Details eines Gegenstands, eine kleine Schrift o.ä. bei hellerem Licht besser erkennen zu können.


    Ein weiteres Beispiel:

    Ich habe eine Küche mit Fronten in Hochglanz weiß und einer Arbeitsplatte in Granit nero assoluto (schwarz).

    Morgens bei Dämmerung wirkt der Kontrast zwischen beiden eher mau.

    Je heller es in der Küche wird, desto mehr gewinnen die weißen Fronten an "Strahlkraft", subjektiv bleibt die Arbeitsplatte jedoch weiter schwarz, selbst wenn die Sonne in die Küche scheint.

    Obwohl sich das Verhältnis der Helligkeiten zwischen schwarzen und weißen Oberflächen bei unterschiedlicher Beleuchtung nicht ändert steigt der wahrgenommene Kontrast mit der Helligkeit deutlich an.


    Die Helligkeiten in unseren Kinoräumen liegen typischerweise in dem Bereich, in dem mehr Helligkeit physiologisch die Wahrnehmung verbessert – wir reden also *nicht* über eine Frage des persönlichen Geschmacks ob man es heller mag oder nicht.


    Bis hierhin haben wir nur über SDR gesprochen.

    Bei HDR brauchen wir zusätzlichen Headroom für die Spitzlicher, da gilt erst recht:


    Je heller desto besser.


    Nun könnte man einwenden, dass die Normen SMPTE und THX unter licht-kontrollierten Bedingungen eine Helligkeit von 16 FL empfehlen.

    Ich sehe diese Empfehlung als eine untere Grenze unter die man nicht gehen sollte.

    Eine Abweichung nach oben hingegen halte ich für sehr wünschenswert.


    Meine Wohlfühl-Helligkeiten sind:

    SDR 20 bis 25 FL

    HDR 30 bis 40 FL


    So weit die einleitenden Vorbemerkungen, nun zu meinen persönlichen Eindrücken.

    Ich möchte hier einen Erfahrungsbericht zitieren, der sich auf einen Besuch in einem Heimkino mit einer Stewart StudioTek 130 mp Leinwand bezieht, als Vergleichsmaterial hatten wir ein Probestück Centerstage XD mit schwarzem Backing.


    „Erstaunlicherweise bewirkt das Studiotek [Leinwandtuch] n i c h t - wie man anhand Gain 1,3 vermuten könnte - ein gleichmäßig helleres Bild im Vergleich zur Centerstage.

    Vielmehr war der Zugewinn an Helligkeit umso ausgeprägter, je heller die Bildelemente waren.

    Das heißt, die dunklen Bildelemente waren mit beiden Leinwänden identisch dunkel, wir konnten keine Aufhellung durch das Studiotek Tuch feststellen.

    Bei Bildelementen im mittleren Helligkeitbereich war eine leichte Erhöhung der Helligkeit zu erkennen.

    Bei hellen Bildelementen war hingegen ein deutlicher Zugewinn mit dem Studiotek vorhanden.

    Besonders augenfällig kam dies bei Oblivion zum tragen, als sich Jack im unterirdischen Teil der Bibliothek aufhält.

    Der Lichtstrahl der Taschenlampe war auf der Studiotek nicht nur heller, er war regelrecht „gleißend“.

    Dabei wirkte das Bild auf der Studiotek keineswegs übertrieben sondern realer und naturgetreuer.

    Es sah so aus, als würde man auf der Centerstage ein SDR Bild betrachten und auf der Studiotek ein HDR Bild mit zusätzlichen Highlights.

    Oder anders ausgedrückt:

    Im Vergleich fehlte bei der Centerstage die Dynamik oberen Helligkeitsbereich, so als ob ein Limiter eine Komprimierung der Spitzlichter vorgenommen hätte.“


    Zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Erfahrungsbericht geschrieben hatte, waren mir die o.g. Hintergründe noch nicht geläufig.

    Tatsächlich ist das Bild bei objektiver Messung (das haben wir später bei ähnlichen Bedingungen gemacht) mit einer helleren Leinwand nicht kontrastreicher, das Verhältnis aus schwarz zu weiß bleibt gleich.

    Subjektiv wirkt es jedoch kontrastreicher.


    Nach diesem Erlebnis hatte ich diverse AT Gewebeleinwände, AT perforierte Folien und NAT Folien (ohne Perforation) verglichen, zum Teil mit Unterstützung von Nils (FoLLgoTT) und Stefan (beckersounds).


    Ausführlich sind unsere Ergebnisse im beisammen Forum dokumentiert:

    https://www.beisammen.de/index…ostID=1478307#post1478307

    (und folgende Beiträge)


    Es würde zu weit führen die Ergebnisse hier im einzelnen zu diskutieren.

    Ich beschränke mich auf zwei Zitate von Nils:


    „Es ist jedenfalls auffällig, dass ein deutlich helleres Bild mit demselben Projektor (und demselben Kontrast) viel plastischer erscheint und auch Details in allen Stufen besser wahrnehmbar sind.“


    „Interessant ist, dass die Leuchtdichte alleine anscheinend nicht für den wahrgenommenen Unterschied in der Helligkeit verantwortlich ist. Die beiden StudioTeks sahen fast identisch hell aus. Die Center Stage XD war aber sichtbar dunkler, obwohl sie es messtechnisch nicht ist.“


    Für den zweiten Punkten haben wir keine plausible Erklärung, es war jedoch subjektiv ein deutlich wahrnehmbarer Unterschied.


    Mein Fazit nach den verschiedenen Vergleichen war, dass eine Folie (ohne Perforation) die beste Bildqualität liefert.


    Damit stand ich vor der Wahl:

    > Akustisch transparente Leinwand & Positionierung des Centers hinter der Leinwand

    > Akustisch nicht transparente Leinwand & Positionierung des Centers unter oder über der Leinwand, Doppelcenter oder Phantomcenter


    Eine Lösung, die sowohl hinsichtlich Bild als auch Ton optimal ist, gibt es nicht und es läuft auf die Frage hinaus, welches unter Berücksichtigung der individuellen Schwerpunkte und der jeweiligen Randbedingungen der beste Kompromiss ist.


    Ich habe mich aufgrund der Vorteile in der Bildqualität für die Option Folienleinwand und Doppelcenter entschieden.

    Diese Entscheidung war nicht ohne Risiko da vorher nicht klar war wie gut der Doppelcenter „funktionieren“ würde.

    Wie im vorigen Beitrag dargestellt bin ich mit der akustischen Performance meiner Doppelcenterinstallation zufrieden so dass ich für mich die richtige Entscheidung getroffen habe.


    Hinsichtlich Leinwand fiel meine Wahl auf ein rahmenloses Modell von Stewart mit der Studiotek 100 Folie.



    Warum ist es eine NAT Leinwand und nicht z.B. eine mikroperforierte Stewart StudioTek100 geworden?


    Bildtechnisch ist eine nicht perforierte Leinwand noch einmal ein Stück weit besser (heller, kein Bildrauschen durch die Perforation -> siehe Erläuterung im Anhang).

    Akustisch ist eine perforierte Folie letztlich auch ein Kompromiss (relativ starke Dämpfung des Hochtons).



    Meine Prio 2b Kontrast und Schwarzwert


    Ähnlich wichtig wie die Helligkeit sind mir Kontrast und Schwarzwert.

    Daher hatte ich mir 2016 einen JVC X7000 zugelegt, da dieser Projektor insbesondere einen überdurchschnittlich guten Schwarzwert aufweist.

    2022 habe ich den X7000 durch einen JVC NZ9 ersetzt.


    Neben dem Projektor ist für Kontrast und Schwarzwert ein weiterer Punkt sehr entscheidend:


    Der Raum


    Der ärgste Feind der Bildqualität ist das Streulicht.

    Fällt es auf die Leinwand zurück reduziert es drastisch den In-Bild Kontrast.

    Fällt es in das Auge des Betrachters reduziert es die Immersion.


    Es lässt sich auf eine einfache Formel bringen:

    Je dunkler der Raum, desto heller, strahlender und plastischer erscheint das Bild.


    Anna und Flo haben dazu übrigens einige hochinteressante Messungen durchgeführt, siehe z.B. http://projectiondream.com/de/jvc-dla-x5000-projektor-test/


    Für eine möglichst vollständige Eliminierung des Streulichts würde man also am besten den kompletten Raum mit einem tiefschwarzen Samtstoff wie TBV, MVEL22 oder Devore „tapezieren“.


    Wie u.a. Nils (Nilsens) in seinen Messungen festgestellt hat haben diese Stoffe jedoch den Nachteil, dass sie eine mehr oder minder starke Reflexion/Absorption im Hochtonbereich aufweisen, insbesondere gilt dies für TBV.

    Aus akustischer Sicht sollte man also abwägen, an welchen Stellen man sie einsetzt.


    Und schließlich gibt es noch den ästhetischen Aspekt.

    Ein komplett in schwarzem Samtstoff ausgekleideter Raum würde (zumindest) mir nicht gefallen.


    Mein Ziel war es einen guten Kompromiss zwischen den verschiedenen Aspekten zu finden.

    Wie ein guter Kompromiss aussieht hängt dabei von den gegebenen Randbedingungen und den persönlichen Schwerpunkten ab.


    Im folgenden werde ich diese für meinen Kinoraum beschreiben und einige Überlegungen vorstellen, die in mein Konzept eingeflossen sind.


    Für meinem Kinoraum habe ich entsprechend der Maxime der Streulichtvermeidung ausschließlich dunkle und überwiegend schwarze Ausstattungselemente ausgewählt.

    Nicht schwarze Ausnahmen sind der Parkettboden, der neben der Grundfarbe in anthrazit eine silbrige Äderung sowie graue Fugen aufweist sowie die anthrazitfarbenen Steinelemente in den Nischen der Seitenwände.


    Ich habe als tiefschwarzen Stoff (bis auf eine Position) TBV in meinem Kinoraum verbaut.

    Als Bespannung vor Lautsprechern scheidet TBV definitiv aus.

    Als Bespannung vor Absorbern sehe ich die reflektive Charakteristik von TBV hingegen eher als Vorteil da damit die Höhen weniger geschluckt werden (vergleichbar zu dem Ansatz Glas- und Steinwolle in Folie zu packen).

    Hinsichtlich Haptik und Optik gefällt mir TBV ebenfalls am besten.


    Da an einigen Stellen TBV aufgrund seiner akustischen Eigenschaften nicht verwendet werden sollte habe ich des weiteren schwarzen Akustikstoff verwendet.


    An Positionen, an denen die Streulichtvermeidung erste Priorität hatte, kommt TBV zum Einsatz, an Positionen, an denen die akustische Transparenz wichtig ist, kommt Akustikstoff zum Einsatz.

    Naturgemäß gibt es Positionen, an denen man beide Kriterien gegeneinander abwägen muss.


    Die folgende Grafik stellt den „aufgeklappten“ Kinoraum dar, die Frontwand mit der Leinwand ist in der Mitte, nach links und rechts sind die Seitenwände geklappt, nach oben die Decke, nach unten der Boden, ganz unten die Rückwand.


    Die Farben illustrieren meine Bewertung der „Streulicht-Vermeidungs-Wichtigkeit“ (rot = höchste Relevanz).



    Boden und Decke vor der Leinwand haben also die höchste Priorität hinsichtlich Abdunkelung.


    Aus diesem Grund habe ich die drei mit Basotect gefüllten Kästen, die den größten Teil der Decke vor der Leinwand einnehmen, mit TBV bespannt.

    Ebenso lege ich TBV auf den Boden vor die Leinwand da das Parkett in meinem Raum ein wenig „spiegelt“.


    Zwischendurch hatte ich überlegt, ob ich einen kurzflorigen schwarzen Teppich vor die Leinwand lege - kurzflorig damit er nicht so viel Hochton schluckt.

    Letztlich habe ich mich aus folgenden Gründen gegen einen Teppich entschieden:


    > Es gibt keinen Teppich, der so schwarz wie z.B. TBV ist. Die abdunkelnde Wirkung wäre also geringer.


    > Selbst ein kurzfloriger Teppich wird eine stärkere Absorption des Hochtonbereichs als ein dünnerer Samtstoff bewirken. Dies will ich bei meiner Raumakustik vermeiden - deshalb hatte ich mich für Parkett als Bodenbelag entschieden.


    > Aus ästhetischen Gründen will ich nicht zu viele verschiedene Materialien in meinem Kinoraum verwenden. Ein Teppich wäre noch eine weitere Oberfläche gewesen.


    > Ich bin ein Fan von Symmetrie. Da ich TBV an der Decke verwende finde ich es passend auch am Boden TBV zu verwenden.


    > TBV hatte ich in ausreichender Menge vorrätig. Einen Teppich/Teppichboden hätte ich wiederum erst aussuchen und bestellen müssen, es wäre mehr Aufwand gewesen.


    Das Argument pro-Teppich war, dass ein Samtstoff nicht zum darauf Herumlaufen geeignet ist.

    Da ich diesen Bereich des Kinoraums nur selten betrete habe ich diesen Punkt allerdings nicht als ausschlaggebendes Argument bewertet und akzeptiere diese Einschränkung.

    Zur Not muss der Stoff eben zur Seite geräumt werden wenn dieser Bereich doch betreten werden soll.


    Die hinsichtlich Streulicht besonders wichtigen Stellen an Boden und Decke vor der Leinwand werden also mit stark lichtschluckendem TBV ausgestattet.


    Im Seitenwandbereich habe ich nur die Deckenfriese, die mit Absorbermaterial gefüllt sind, mit TBV kaschiert.

    Ansonsten verwende ich dort aus den im folgenden genannten Gründen Akustikstoff.


    Da sich in den mittleren Seitenwandkästen die seitlichen Surround-Lautsprecher befinden war Akustikstoff für die mittleren Kästen vorgegeben.

    Die hinteren Kästen enthalten u.a. 1D-Diffusoren, insofern ist Akustikstoff auch hier von Vorteil.

    Da ich des weiteren die jeweils 3 Kästen pro Seitenwand aus ästhetischen Gründen einheitlich gestalten wollte habe ich die Bespannung mit Akustikstoff für alle Kästen umgesetzt - also auch für die vorderen, die Absorber enthalten.


    Daneben gab es noch ein Argument gegen die schwarzen Samtstoffe für den Seitenwandbereich:

    Die lichtschluckenden Stoffe TBV, Devore und MVEL22 gibt es nur in einer Stoffbreite von 110 bis 120 cm.

    Für meine Kästen mit ihrer Breite von 125 cm ist das nicht ausreichend.

    Von daher kamen die Stoffe schon aus diesem praktischen Grund nicht in Betracht.


    Glücklicherweise sehe ich wie in der Grafik oben dargestellt für meinen Kinoraum die Seitenwände hinsichtlich des Störfaktors „Streulicht“ auch nicht als den relevantesten Bereich an.

    Maßgeblich für diese Bewertung ist, dass zwischen dem Rand der Leinwand und den Seitenwänden auf beiden Seiten je knapp 40 cm Abstand sind.

    Dieser Abstand ist so groß so dass ich die Seitenwände im Film nicht wahrnehme.

    Wenn ich allerdings bewusst bei einem helleren Bild auf die Seitenwände schaue so kann ich feststellen, dass diese doch noch ein gewisses Maß an Licht reflektieren.

    Aus Sicht des In-Bild Kontrasts ist das nicht perfekt, ganz ohne Kompromisse geht es nicht.

    Ein wenig relativiert sich der Nachteil wieder dadurch, dass der für den Bildeindruck wichtigste mittlere Teil der Leinwand weiter von den Seitenwänden entfernt ist und mehr von Boden und Decke beeinflusst wird.


    Bei einem schmaleren Kinoraum, bei dem sich die Leinwand über die komplette lichte Breite erstreckt, würde ich übrigens mehr Wert auf eine Minimierung der Lichtreflexion im vorderen Seitenwandbereich legen.


    Die Rückwand habe ich ähnlich wie die Seitenwände gestaltet.

    Der Deckenfries ist mit TBV kaschiert, für die Bespannung der übrigen Rückwand habe ich Akustikstoff verwendet.

    Maßgeblich ist wiederum dass sich Diffusoren und Lautsprecher im Bereich der Rückwand befinden.


    Bleibt noch die Frontwand.

    Da die Bespannung der Frontwand zurückgesetzt zur Leinwand ist findet hier keine Beleuchtung durch die Leinwand statt.

    Der Bereich unterhalb und oberhalb der Leinwand wird jedoch bei einem 21:9 Bild vom Restlicht des aufgezoomten projezierten Bilds beleuchtet.

    Daher wäre es wünschenswert hier einen stark lichtschluckenden Stoff zu verwenden.

    Auf der anderen Seite befinden sich die beiden Center mittig unterhalb und oberhalb der Leinwand.

    Daher kommt für die Stoffbespannung der beiden Center-Lautsprecher Devore zum Einsatz um die Hochtonabsorption so gering wie mit einem tiefschwarzen Stoff möglich zu halten (links und rechts von den Centern TBV).

    Links und rechts der Leinwand befinden sich die für mich wichtigsten FL und FR Lautsprecher, in diesem Bereich verwende ich wiederum Akustikstoff.


    Zusammenfassung Stoffauskleidung des Kinoraums


    Ich denke, dass ich mit der beschriebenen Vorgehensweise keine nennenswerten (raum-) akustischen Abstriche und nur geringe Abstriche hinsichtlich der Vermeidung von Streulicht eingegangen bin so dass ich die verschiedenen Anforderungen damit letztlich gut unter einen Hut bekommen habe.


    Meine Prio 3: Schärfe und Auflösung

    Meine Prio 4a: Farben (erweiterter Farbraum, Genauigkeit)


    Eigentlich sind mir Schärfe und Auflösung sowie Farben ähnlich wichtig wie Helligkeit, Kontrast und Schwarzwert.

    Der Grund für meine Abstufung in den Prioritäten liegt darin begründet, dass ich das aktuell erreichte Niveau unterschiedlich bewerte.

    Bei Helligkeit, Kontrast und Schwarzwert sehe ich noch eine Menge Luft nach oben.

    Bei Schärfe und Auflösung sind wir für mich schon nicht mehr weit vom Optimum weg.

    Bei Farben sehe ich nur noch marginale Verbesserungspotenziale.


    Tatsächlich ist oft nicht die Auflösung des Projektors der begrenzende Faktor für die Bildschärfe sondern die Qualität des Quellmaterials.

    Wenn ich mir vergleichende Bildausschnitte von Blu-Ray Discs und UHD-Discs anschaue so ist der Zugewinn an Schärfe meist sehr begrenzt (leider!).


    Was mMn einen merklicheren Zugewinn an Bildschärfe gebracht hat ist die Nutzung des madVR Upscalings mit dem „NGU“ Algorithmus.


    Hinsichtlich Farben bin ich kein Genauigkeitsfanatiker.

    Solange es mir gefällt ist es gut, ob die Farben bei mir im Kinoraum exakt der Intention des Regisseurs entsprechen ist mir nicht wichtig.

    Das gilt noch mehr seit ich einige Vergleiche von Blu-Ray und UHD mit deutlich abweichenden Farbabmischungen ("Grading") gesehen habe …



    Meine Prio 4b: Bildruhe


    Dies ist ein Punkt, bei dem ich mit dem X7000 nicht zufrieden war.

    In homogenen Farbflächen sah man schon ein merkliches Bildrauschen.

    Der NZ9 ist hier deutlich besser, perfekt ist er jedoch auch nicht.



    Bewertung NZ9, Verbesserungspotenziale


    Mit der Bildqualität des NZ9 bin ich sehr zufrieden.

    Wenn es irgendwann einmal einen Nachfolger geben sollte würde ich mir einen größeren Farbraum (100% DCI-P3 ohne Filter), einen noch etwas besseren On-Off Kontrast und evtl. noch etwas mehr Licht wünschen.

    In allen anderen Eigenschaften finde ich den NZ9 schon so gut, dass eine weitere Verbesserung kaum noch möglich erscheint.



    Anhang 1:

    Bildrauschen bei perforierten Folien


    Bei perforierten Folien sind mir zwei optische Effekte begegnet:

    > Sichtbarkeit der einzelnen Löcher (bei geringem Abstand) -> sehr störend

    > Körnigkeit/Bildrauschen aufgrund Sichtbarkeit des Perforationsabstands (bei mittlerem Abstand) -> weniger störend


    Bei einer Sehschärfe von 100% beträgt die Winkelauflösung unserer Wahrnehmung 1' (1 Winkelminute), siehe z.B. wikipedia.

    Das gilt für den maximalen Kontrast schwarz - weiß, bei geringeren Kontrasten ist die Auflösung geringer.

    Bezogen auf einen Sitzabstand von 360 cm (wie in meinem Kinoraum) entspricht dies ca. 1 mm.

    100% Sehschärfe ist im übrigen nicht das Maximum sondern ein typischer Mittelwert.


    Bei mikroperforierten Leinwänden beträgt die Lochgröße ca. 0,5 mm.

    (Gerriets Gammalux micro: 0,5 mm, Stewart Studiotek 0,508 mm, SI Pure White AT 0,55 mm)

    -> Einzelne Löcher sind somit bei einem Sitzabstand von 360 cm und normaler Sehschärfe nicht wahrnehmbar.


    Der Abstand der Löcher bei mikroperforierten Leinwänden beträgt ca. 2 mm.

    -> Der Abstand der Löcher ist somit bei einem Sitzabstand von 360 cm und normaler Sehschärfe wahrnehmbar.

    Für unser Auge äußert sich dies darin, dass in einer Linie ca. jedes zweite "Wahrnehmungspixel" ein Perforationsloch enthält, was sich wie ein Rauschen über das Bild legt.

    Bezogen auf die Fläche eines "Wahrnehmungspixels" beträgt die Lochfläche ca. 17% bis 20%, dies entspricht dem Rauschen im Worst Case "weiß".


    Zum Vergleich die Auflösung der Projektion bei einer Bildbreite von 385 cm:

    FHD = 2 mm; UHD = 1 mm

    Das Rauschen liegt also in einer vergleichbaren Größenordnung wie die FHD Auflösung.


    Bei langsamen Kameraschwenks über helle leicht strukturierte Flächen, wie z.B. Wolken, kann dies störend auffallen weil sich die Wolkenstruktur bewegt während die körnige Leinwandstruktur ortsfest ist.



    Anhang 2:

    Gainwerte bei Leinwänden


    Zur Frage der Vertrauenswürdigkeit von Gain Angaben schreibt Fa. Seymour:


    "Ideally, a gain specification should tell you all you need to know about the brightness you'd get from a screen with a given amount of lumens projected on it. Unfortunately, screen manufacturers in general do a terrible job of accurately representing their gain specifications. Therefore, the second job of a gain specification is to inform you of the change in brightness you'd expect in comparison to another screen, in other words how they benchmark to other brands. When benchmarked against competitors, we've found their woven screens measure from 0.69 to 0.95. We are the only screen company that offers both accurate and comparative gain specifications."


    Beispiele

    Gain Angabe nach Industriestandard "benchmarked" = comparative / Gain gemessen "unbenchmarked" = accurate

    Center Stage XD: 1,2 / 1,0

    Center Stage UF: 1,0 / 0,8

    Enlightor 4K: 0,9 / 0,75


    Quellen:

    seymourscreenexcellence.com/materials.asp

    seymourav.com/screens.asp


    Fazit:

    Glaube keinen Gain Angaben die Du nicht selbst oder eine unabhängige und vertrauenswürdige Seite nachgemessen hat.



    Anhang 3:

    Wissenschaftlicher Artikel von Mitarbeitern der Dolby Labs zum Thema

    Einfluss der Bildschirmgröße und der Ausfüllung des Blickfelds auf die empfundene Helligkeit


    achapiro.github.io/Cha18a/Cha18a.pdf


    Auf Seite 11 befindet sich eine Zusammenfassung.

    Kernbotschaft:

    Größere Bilder werden bei gleicher objektiver Helligkeit als subjektiv heller empfunden.

    In der vorliegenden Studie wurde dieser (bekannte) Effekt untersucht und quantitativ bewertet.


    "A 42” screen at half the FOV appears approximately 9% dimmer than another identical screen."

    Für eine gegebene Lichtstärke eines Projektors steigt die Helligkeit des Bildes jedoch proportional mit der Abnahme der Fläche (halbe Fläche = doppelte Helligkeit).


    Fazit:

    Der beschriebene Wahrnehmungseffekt gleicht nur einen *kleinen* Teil der Helligkeitsabnahme eines größeren Bildes aus (bei konstanten Lumen der Projektion).


    Für eine Bildbreite über 4 Meter auf einer Leinwand mit Gain <= 1 braucht man also weiterhin einen sehr lichtstarken Projektor wenn man eine hinreichende Helligkeit erzielen möchte.

  • Hier noch ein paar Bilder vom making-of ...




    Messung der Aries_M, hier vertikales Abstrahlverhalten bei verschiedenen Winkeln




    Messung der Aries_C (Center)




    Rückwärtige Ansicht der Schallführung der Aries_M mit Beyma AMT, 2 x Morel Kalotte und 2 x B&C Lautsprecher

    (Die Tieftöner sind nicht im Bild)




    Die Front im Bau

    Es fehlen noch: der obere Centerlautsprecher, die oberen Teile der Bafflewall, die Verkleidungen und ... die Leinwand.

    Und später wurden 4 weitere Subwoofer ergänzt.




    Seitenwandbereich mit Surroundlautsprecher, 1D Diffusor sowie Absorber unterhalb (Isobond) und oberhalb (Basotect)




    Das Podest




    Die Rückseite der Eingangstür mit dem eingebauten Aries_M Lautsprecher (hier noch oben offen)




    Die Yamaha P7000S Endstufen für die Subwoofer mit lackierten Fronten

  • Freu mich schon auf die Zusammenfassung, denn bei Beisammen ist aus dem Bauthread dann doch eher ein 50 seitiger Diskussionsfaden geworden, der zudem noch unnötig zerpflückt wurde. Ich habe dich übrigens damals unter anderem gebeten, deine Erfahrungen und Tests weiter zu posten, da ich echt immer interessiert mitgelesen hatte. Hätte aber vielleicht schon damals sagen sollen, dass du vielleicht besser zu uns kommen solltest ;) aber besser spät als nie.


    Quote

    Mittlerweile habe ich entschieden, dass mein Kino keinen Namen bekommt.


    :respect: Mein Kino heisst Kino :big_smile: finde diese Namensgebung schon immer etwas albern.

  • Hallo Aries, vielleicht schaffe ich es hier alle Seiten zu deinem Kino zu lesen.
    Ist auf jeden fall abonniert.


    Nächsten Monat kommt endlich meine lang erwartete Lieferung aus China :)

  • Hallo Aries, vielleicht schaffe ich es hier alle Seiten zu deinem Kino zu lesen.
    Ist auf jeden fall abonniert.


    Nächsten Monat kommt endlich meine lang erwartete Lieferung aus China :)


    Hallo Froschi,


    so trifft man sich wieder.
    :sbier:


    (China) Das hört sich doch gut an!
    Ich hoffe, es läuft alles zu Deiner Zufriedenheit.


    VG,
    Aries


    PS @all:
    Das erste Kapitel Hauptlautsprecher und Raumakustik ist nun online (Beitrag 2).
    Es ist zwar eine gekürzte Zusammenfassung, so richtig kurz ist es aber dann doch nicht geworden.
    :think:

  • Moin Aries,


    wirklich sehr schön Deine Erkenntnisse mal so komprimiert lesen zu können. :respect: Insgesamt hat sich Deine Lösungsfindung ja über einen längeren Zeitraum hingezogen, entsprechend verstreut war das Ganze dann in Deinem Thread auf Beisammen. Nun ist alles schön kompakt - was so ein Foren-Wechsel doch für Vorteile haben kann. ;)


    Ich freue mich schon auf die weiteren Teile.

  • Ja super, viele deiner Gedankengänge konnte ich gut nachvollziehen aber der immense Umfang des bauberichtes hatte mich immer davon abgehalten, mich da Mal durchzuwühlen. Schön aufgearbeitet.

    auch gewerblich als User "Speaker Base" unterwegs

  • Hi Aries,


    sehr schön Dich hier zu lesen, immer wieder ein Genuss.


    PS: ich bin demnächst in H fürs HK unterwegs, Sebastian und ich hatten uns ja "locker" bei Dir und ggfs Nils angekündigt.
    Hoffenltich kommen wir da endlich mal zusammen :sbier:

  • Hallo Aries


    vielen Dank für die tolle Vorstellung Deines Kinos (Teil 1).
    Eins vorweg: Bisher meine hatte ich den Rekord für den längsten Beitrag ("Praktischer Leitfaden zum einstellen eines DBAs").
    Ich übergebe hiermit den Pokal feierlich an Dich ;)


    Zu Deinen Lautsprechern. Sie sind tatsächlich außergewöhnlich.
    Was mich interessieren würde:
    1) Hättest Du einen Messchrieb der Front (FL, FL und Center einzeln) im Raum?
    2) In der Doku vermisse ich die optimierte Sprungantwort. Gibt es die zufällig auch?
    3) Mir fällt auf, dass der 4. Weg ziemlich weit weg von den Schallzentren ist. Wie weit sitzt Du denn weg? Kannst Du die beiden Chassi "einzeln" wahrnehmen?
    4) Eigentlich ist es ja ein 5-Wegerich, denn der 4. Weg hat einen HP bei 90hz. D.h. ab da spielt das DBA mit. Könntest Du das bei 1) mal mit messen


    Zu 4) bin ich ganz ehrlich und muß leider sagen, dass ich das persönlich nicht so gerne mag, was aber daran liegt, dass ich bisher auch noch kein Setup mit solch einer Konstellation gehört habe das gut funktioniert was an der Integration zwischen DBA und Mains liegt. Lass mich da aber gerne eines Besseren belehren.
    Ich bin aber auch jemand der sagt: Bass ist ortbar.


    Du hattest mal bei beisammen geschrieben, dass Dich der AMT ab und zu nervt. Da wollte ich immer mal was schreiben, hab es aber gelassen.
    Der AMT neigt tatsächlich schnell zum nervigen. Ich habe ihn aber NICHT heruntergepegelt.
    Andi und ich haben den Grundtonbereich erhöht, d.h. mein Frequenzgang ist mit ca. 5db von 30hz ab fallend. Das hat dazu geführt, dass mir die Auflösung nicht verloren ging, der AMT aber nicht ins nervige dreht. So kann ich dann auch locker Pegel weit über 100db hören.


    Kann ich Dir aber gerne mal bei einem Besuch vorführen. Wäre jedenfalls auf Deine Meinung gespannt.


    Freue mich schon auf das nächste Kapitel.



    VG Jochen

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