Wer schaut Filme mit Original Tonspur?

  • Finde ich nicht. Die brechen sich teilweise so stocksteif einen ab, Hochdeutsch zu sprechen und diese albernen Pausen einzufügen, die die Deutschen so lieben, um einen Texaner mit seinem Slang zu übersetzen, dass ich nur lachen kann. Auch sehe ich es so, dass wir in D insgesamt nur eine Handvoll Schauspieler haben, die mit den besseren bis guten amerikanische, französischen, englischen, etc.Schauspielern überhaupt mithalten können.


    Meine Mutter pflegt dann zu sagen: "So spricht doch keiner normaler Mensch, merken die das denn nicht?!"


    Das Untertitel deutlich stören können ist leider ein Fakt, ja. Ich sehe sie aber als notwendig an, denn wie gesagt, würde ich einfach pauschal gar keinen Film übersetzen. Wird in den meisten Ländern auch gar nicht gemacht, was dann dazu führt, dass die 10-jährigen schon alle Englisch können. Sehr positiver Neben-Efekt.

  • Wir sind in D eigentlich schon ziemlich verwöhnt, was Synchros angeht, weil der deutschsprachige Raum recht groß ist. Kleinere Länder leisten sich das oft nicht, da gibts dann Untertitel oder schlimmer Voice-Over. Wobei wohl nicht im Kino hoffe ich...

    Aber wer mal polnisches TV gesehen hat weiß was ich meine. Da spricht ein Sprecher alles...



    Nachtrag: Mehrsprachige Länder sind auch ein Problem wie Belgien und die Schweiz.

    Auf einem Mittelerde-Fest in Leuk in der Schweiz hatten wir eine Open-Air-Aufführung von Fellowship, Originalton mit deutsche, italienischen und französischen Untertiteln... :respect:


    Beim Filmdreh wird wenn irgend möglich der Ton am Set genommen. ADR ist teuer, da der Schauspieler dann ja nochmal extra antanzen muss.

    Wenn der Schauspieler die Rolle gerade aktiv spielt und dabei spricht, ist das schon mal was anderes wenn das nachvertont wird.

    Erst recht wenn das eine andere Person macht. Die steht dann bequem im Studio etc. Und das schon bei der gleichen Sprache.

    Wenn aber noch übersetzt werden muss werden die Probleme groß, insbesondere da man ja wenn irgend möglich eine gewisse Lippensynchronität halten möchte.

    (die für einen routinierten O-Ton-Schauer dann trotzdem noch ein Witz ist...)


    Bei Dialekten hörts dann ganz auf, die wird man nie vernünftig übertragen können.

    Einen Texaner dann bayerisch reden zu lassen bspw, das sorgt nur für unfreiwilliges Gelächter.

    Also bleibt hier nur maximal verschliffens Hochdeutsch. Und das kann auch schon in die Hose gehen.


    Unter all diesen Aspekten würde ich Defizite in der Synchro eher nicht einem schauspielerischen Nicht-Talent des Sprechers ankreiden.



    Die Synchro beim Herr der Ringe (und wohl auch Hobbit, hier habe ich aber die meisten Teile gar nicht in deutsch gesehen) ist schon sehr gut muss man sagen.

    Insbesondere da hier fachkundige Tolkienexperten am Werk waren, und weil man die alte Übersetzung des Herrn der Ringe von Margaret Carroux als Basis nahm.

    Diese ist in einer etwas altertümlichen Sprache geschrieben, entspricht dabei aber weitgehend dem Original. Zumal Tolkien ja Sprachwissenschaftler war und selbst etliche Übersetzungshinweise in verschiedene Sprachen gab. So z.B. dass elves im deutschen mit Elben übersetzt werden soll und nicht mit Elfen.


    Es gab dann (in den 2000ern etwa) eine Neuübersetzung von Wolfgang Krege, die insbesondere bei den "älteren" Fans mehr als umstritten war.

    Es wurde versucht die Sprache zu modernisieren, insbesondere unter den Hobbits.

    So nennt Sam Frodo Chef statt Herr, es gibt ein Fundbüro und Urlaub etc. und noch andere blöde Sachen.

    Wobei das nicht Krege anzulasten ist, der hatte schon andere Werke Tolkiens besser übersetzt, der Wunsch wurde hier vielmehr vom deutschen Verlag an ihn herangetragen soweit ich weiß. Möglicherweise ging das auch deswegen so schief, weil es nicht seine eigene Intention war.


    Jedenfalls wir als Fans hatten uns riesig gefreut dass die Carroux-Übersetzung als Basis genommen wurde.


    Hier noch ein kleines Beispiel zum Thema Lippensynchronität:

    Arwen sagt in Bruchtal zu Aragorn "the same blood runs through your veins". Das wurde übersetzt mit "Das selber Blut fließt durch deine Venen" .

    Nun kann veins auch Venen heißen, hier sind aber sicherlich die Adern allgemein gemeint, das würde aber lippensynchron überhaupt nicht passen.

    So hab ich mir jedesmal beim sehen der deutschen Synchro an der Stelle im Geiste ergänzt "und durch deine Arterien wieder zurück..."



    An der Stelle vll. noch kurz eine Sache die mich derzeit sehr beschäftigt:

    http://www.herr-der-ringe-film.de und insbesondere das Forum dort, in dem ich die Hälfte meines Lebens quasi verbrachte, wird in Kürze für immer schließen.

    :(

  • Dazu kommt erschwerend, dass nur die allerwenigsten Synchronsprecher überhaupt mit dem schauspielerischen Niveau der Originaldarsteller mithalten können. Selbst wenn diese dann gut sind, passt es meist immer noch nicht zusammen.

    Wenn man die englische Sprache ausreichend gut versteht dann ist der (englische) O-Ton sicher die beste Wahl.

    Ich tue mir damit schwer, da ein Freund von mir Amerikaner ist schaue ich dennoch gelegentlich Filme im O-Ton (und verstehe dann nur die Hälfte).

    Dabei ist mir jedoch auch aufgefallen, dass ich die deutschen Synchronstimmen oft passender zu dem jeweiligen Schauspieler finde als die englischen Originalstimmen.

    Und ich finde auch nicht, dass die Synchronsprecher ihren Job nicht gut machen, im Gegenteil.

    Natürlich bleibt der Punkt, dass die Mundbewegung nicht zur deutschen Sprache passt, damit muss man halt leben.

  • Dabei ist mir jedoch auch aufgefallen, dass ich die deutschen Synchronstimmen oft passender zu dem jeweiligen Schauspieler finde als die englischen Originalstimmen.

    Das ist reine Gewöhnungssache. Schaue ich mir bspw. Startrek Next Generation in deutsch an (aus Versehen...) renne ich sofort schreiend davon. Ebenso bei jedem anderen Film/Serie die ich englisch schaue.


    Einzige Ausnahme war die alte Serie Magnum. Das sind aber Kindheitsprägungen, die dtsch. Synchrostimme von Tom Selleck ist da halt ziemlich vertraut. Beim nächsten Mal werd ich die aber auch englisch schauen.

  • Dabei ist mir jedoch auch aufgefallen, dass ich die deutschen Synchronstimmen oft passender zu dem jeweiligen Schauspieler finde als die englischen Originalstimmen.

    Da würde ich auch zustimmen. Einer der wenigen Vorteile der Synchro. Ein Schauspieler kann sich nun mal seine eigene Stimme nicht aussuchen, was bei der Synchro geht. Manchmal aber auch noch schlimmer gemacht wird. Paradebeispiel war die dicke Raupe bei "Das große Krabbeln", die man von Ottfried Fischer sprechen ließ, was nur von Fischers Statur her passte, aber nicht von seiner piepsigen Stimme her.

  • Dabei ist mir jedoch auch aufgefallen, dass ich die deutschen Synchronstimmen oft passender zu dem jeweiligen Schauspieler finde als die englischen Originalstimmen.

    Ich kann zu dem Thema nur mal Beverly Hills Cop empfehlen, gibt's ja aktuell sogar in HDR. Da kannte ich tatsächlich aus Kindertagen nur die deutsche Synchronstimme und wollte ihn eigentlich gar nicht gucken, weil mir das zuviel Blödelei war. Tja, Überraschung auf Englisch! - Ein richtig geiler Film und seitdem verstehe auch, was man an Eddie Murphy finden kann. Auf jeden Fall 'ne dicke Film-Empfehlung von mir zum Thema reine Unterhaltung.

  • Oh, ja - gerade in den 80ern gab es ja auch viele eher schlechte Synchros. Das sind dann auch die Filme, die man früher gut fand und die man sich heute nicht mehr ansehen kann. Eine Blödelsynchro ist halt nicht zeitlos...


    Aber heute haben Synchronisationen eine sehr hohe Qualität und wenn man nicht reißerische Namen schlechter Promis (und diese selbst) einbindet, ist das ganze anschaubar. Im Cartoon-Bereich sind deutsche Fassungen manchmal besser als das Original... Es hat aber viel mit Gewohnheit zu tun - ich bin deutsche Fassungen seit jeher gewohnt und mich strengt die OV an. Ich sehe das eher als gute Variante bestimmter Filme beim erneuten Schauen.


    Aber Matrix schaue ich immer im Original.

    Gruß
    olli


    The DARK-ROOM homecinema
    7 Lounge-Ledersessel, 3 Sitzreihen, D-ILA Cinemascope-Projektion, 9.4.4 Multichannel Ton, 24m² Sternenhimmel, Schallschutz + Akustikausbau, EIB-Steuerung

    Einmal editiert, zuletzt von olli ()

  • Ich schaue englischsprachige Filme und Serien tatsächlich lieber mit O-Ton. Besonders Wortwitze gehen in der deutschen Fassung häufig verloren oder Kinder werden von Erwachsenen synchronisiert... nicht so mein Fall. Man muss der deutschen Filmindustrie aber lassen, dass sie ihre Sache in den meisten Fällen sehr gut machen.

    Ich hatte damit angefangen Filme in Originalfassung zu schauen um mein Englisch aufzubessern. Jetzt kann ich nicht mehr damit aufhören. :D

  • Ich schaue auch sehr gerne englischsprachig.

    Bei Filmen geht es an sich noch... man übersetzt im Kopf aber trotzdem oft mit wie der Witz im original gemeint ist und dann zieht er halt auch.

    Bei genialen Serien wie z.B. : Always Sunny in Philadelphia

    geht in der Übersetzung richtig viel verloren.

  • Habe auch mit Star Trek angefangen Filme in O-Ton zu sehen. Später dann mit Junior die A-Team Serie komplett in O-Ton ( I love it when a plan comes together..... :heilig: )


    Als es dann mit Blu Ray losging, habe ich mir viele Scheiben direkt beim großen A in den USA oder Kanada bestellt. Die waren zwar meistens ohne deutschen Ton, dafür aber um längen günstiger als hier in D.


    Wenn die Dialekte dann zu umständlich werden, oder ich zu müde bin, dann schaue ich auch mit der deutschen Tonspur. Der Stallone kann auch ganz ordentlich nuscheln, da muss man schon aufmerksam sein. :poppy:

  • Zitat

    Ich gucke auch asiatische oder russische Filme im O-Ton. Wenn ich dann ab und an mal auf de umschalte, kriege ich meistens direkt die Kriese.

    ohne die Sprachen zu können? OK, bei The RAID käme ich auch mit indonesisch klar- aber wäre ' Gott des Gemetzels' eine chinesische Produktion, hätte ich dann doch gerne ne Synchro, sonst wüsste ich nicht, was Sache ist. UT sind aber auch so garnicht mein Ding, weil die aus nem 2minütigen Monolog nen oneliner machen, dem jeglicher Esprit fehlt.


    Nee, englische und amerikanische Produktionen gerne im O-Ton, aber auch meist nach einem Synchro-Durchgang.


    Leider sind unter meinen regelmässig mitschauenden Leuten keine, die daran Spass haben, daher überwiegt mittlerweile Doitsch..

  • Ja.


    Leider wird mein aktiv gesprochenes Englisch dadurch nicht wirklich viel besser. Da hilft reines konsumieren nicht viel. Da muss man besten eine Zeit lang im fremdsprachigen Land leben.

    Aktiv zu Sprechen ist immer die beste Übung! Ich bin auch absolut deiner Meinung wenn es um Auslandsaufenthalte geht. Trotzdem helfen mir persönlich englischsprachige Filme enorm das eigene Vokabular zu erweitern. Außerdem wird man viel vertrauter mit der Sprache und bekommt einen super Eindruck vom allgemeinen Sprachgebrauch, weit über das Schulenglisch hinaus.

    Naja... und da man momentan sowieso nicht sonderlich viel ins Ausland Reisen kann bleiben wohl nur die Filme in O-Ton. :zwinker2:

  • Ja.


    Leider wird mein aktiv gesprochenes Englisch dadurch nicht wirklich viel besser. Da hilft reines konsumieren nicht viel. ....

    Das erlebe ich bei mir auch sehr stark.

    Da sitzt man in einer Telefonkonferenz mit diversen native- und non-native-English-speakern, versteht problemlos den Texaner, den Inder und den Franzosen .... aber sobald man selbst an der Reihe ist, bringt man nur Gestammel auf Kindergarten-Englisch heraus. :blush::blush::blush:

    Und ich habe das Gefühl, dass es immer schlimmer wird - ob das nun daran liegt, dass ich tatsächlich immer schlechter rede oder einfach mein Hör-Verständnis mein Reden immer stärker abhängt, weiß ich nicht.


    Inzwischen habe ich mich damit einigermaßen abgefunden, aber es wird mich nicht davon abhalten, weiterhin im englischen O-Ton Flme zu schauen.:big_smile:

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