Raumpatrouille Orion - Fortsetzung geplant

  • ..dünnes Eis!


    Ich fürchte auch, dass dieser Rücksturz zur Erde mit nem harten Aufschlag endet..

  • Da ich diese Serie geliebt habe (und selbstverständlich die DVD-Box habe), würde ich mich sehr auf eine Neuauflage/Anknüpfung/wasauchimmer freuen. Allerdings halte ich es für schwer vorstellbar, dass dabei der Charme der Ursprungsserie erhalten bleibt. Sicher, tricktechnisch gibt es heute andere Möglichkeiten und ich zweifle auch nicht an der Phantasie der Produzenten... leider neigen gerade letztgenannte immer mehr dazu, aus einem Erfolgskonzept eher hanebüchenen Unsinn zu machen und der Querverweis auf "Das Boot" lässt auch befürchten, dass das nichts wird.

  • Ende der Achtziger brachte die Bavaria die Orion noch einmal ins (Programm)-Kino.

    Man konnte Blocks aus mehreren Folgen anschauen.

    Oder dann am Wochenende sich in die lange Orion-Nacht stürzen.

    Noch Jahre später erinnerte ich mich.

    Das eine oder andere Detail könnte etwas über das biblische Alter des Textes verraten...


    Wenn es einer schafft, dann McLane...


    Es ist viertel vor acht und wir sind zu allem entschlossen. Langsam schieben wir uns zum Eingang vor. Wir achten nicht auf die Hitze und wir achten nicht auf die Füsse, auf die wir treten, wir ignorieren den Geruch nach frischem Popcorn und die verlockenden Gummibärchen hinter der Glasscheibe, wir wissen nur eins: Wir müssen die ersten sein. Sonst wird es die Hölle.

    Die dicke, rote Kordel versperrt noch immer den Eingang. Wir schauen uns nach den Gleichgesinnten um, sehen in entschlossene Gesichter, sehen schwer bepackte Expeditonsteilnehmer. Ein Seitenblick macht mich um eine Erfahrung reicher: Es gibt Kartoffelchips in 5-Kilo-Trommeln!

    Ich zeige mit dem Finger darauf und Klaus lacht mit mir. Wir amüsieren uns darüber, wir die wir nur mit leichtem Gepäck reisen, zwei Flaschen Cola und ein Päckchen Kekse, das sollte reichen. Für's erste.

    Klaus lächelt einer dunkelhaarigen Frau zu und wir verpassen den Einlass. Als wir mit den anderen in den halbdunklen Raum drängen, sehen wir, dass wir verloren haben: Die zwei Plätze in der letzten Reihe, links neben dem Eingang sind schon besetzt.

    Es wird die Hölle...

    Ich bekomme einen Zwei-Meter-Riesen.

    Ich werde ihn Freitag nennen.

    Klaus sitzt neben der dunkelhaarigen Frau.

    Das Licht geht aus und zweihundert Menschen in dem engen, stickigen Raum jubeln, weil es heute keine Werbung gibt.

    Ein grosses Quadrat flimmert auf der Leinwand. Dann das Zeichen. Bavaria Studios.

    Mein Vater hatte erzählt, sie hätten damals auf dem Marienplatz gedreht.

    Es ist wie Fernsehen in groß. In Riesengroß. Die Hammondorgel leiert die Titelmelodie und zwei Leute hinter mir summen mit. Freitag öffnet eine Coladose und bespritzt mir die Brille.

    Wir lachen wie alle die anderen, als wir in das Raumschiff steigen. Die Äppelwoigläser an der Decke sind die Instrumente. Und das Bügeleisen an der Wand. Stürmisch bejubeln wir es jedes Mal, wenn es im Bild erscheint.

    McLane wird von den Schnellen Raumverbänden strafversetzt zur Raumpatrouille. Wir leiden mit ihm. Er bekommt einen Aufpasser an Bord: Die blonde Tamara Jagelowsk. Wir möchten mit ihm tauschen, auch wenn sie nur Schwarz-Weiss ist.

    Die Frogs glitzern und man kann mit dem Strahler durch sie hindurch schiessen. Sie sind gefährlich. Wir rufen Hasso zu, er soll sich beeilen. Er beeilt sich. McLane lässt ihn volle Energie geben. Plus Schlafende...

    Vor meinem Knie ist ein Coladosenhalter. Er könnte ruhig zehn Zentimeter höher sitzen, denke ich, oder tiefer. Aber er ist genau vor meinem Knie. Daneben spüre ich das Bein von Freitag. Vielleicht gefällt es ihm nicht, hoffe ich.

    Nach den ersten zwei Folgen haben wir eine Pause. Draussen ist es noch hell. Auf dem Marktplatz haben sich die Säufer am Uhrtürmchen versammelt. Roy prostet uns zu. Wir winken zurück. Roy prostet jedem zu, der vorbeikommt.

    Die kleine blonde Frau, die die Karten verkauft hat, kommt und sagt, dass es weiterginge. Wir wollen alle, dass es weitergeht.

    Freitag sitzt schon auf seinem Platz.


    Als wir unseren ersten Fernseher bekamen, war ich sechs. Es war eine Truhe mit Radio, Plattenspieler und einem ovalen, grauen Schirm. Mein Onkel brachte ihn uns vor dem Mittagessen. Es dauerte den ganzen Nachmittag, bis meine Mutter die Gebrauchsanweisung gelesen hatte. Inzwischen hatte mein Vater schon die beiden Sender gefunden. Seenotrettungskreuzer war das allererste, das wir sahen.

    Ein halbes Jahr später trat er in mein Leben: Cliff Allistair McLane...


    'Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen schon Wirklichkeit sein.' Wir sprechen es mit, im Chor und wir lachen dabei. Freitag macht noch eine Coladose auf und ich muss mir die Brille putzen. Ein Alarmstart von Orion 7 dauert genau so lange, wie ein normaler Start. Zehn, neun, acht, sieben. Die metallische Stimme beeilt sich nicht.

    'Mach hin, Alarm', ruft einer vorne und bekommt einen Lacher. Die Fünfkilo-Trommel Chips wandert durch die Reihen. Der Besitzer hat genug. Ich nehme mir eine Handvoll. Freitag zwei Hände.

    Ich habe gelesen, die Kinos bekämen eine Klimaanlage. Aber heute nicht mehr...

    McLane verbrät die Orion 7 in einer Supernova und rettet die Erde. Wir jubeln. McLane muss einem Bürokraten hundert Formulare für die verbratene Orion unterschreiben. McLane bekommt die Orion 8.

    Wir jubeln und bekommen eine Pause.

    Es ist dunkel. Die Säufer sitzen am Uhrtürmchen. Roy winkt uns und ich winke zurück. Es gibt jetzt Kaffee an der Theke. Klaus ist nicht zu sehen, dann kommt er heraus, hat zwei Tassen. Ich will eine nehmen, aber er geht auf die Frau mit den schwarzen Haaren zu.

    Ich habe auch gesehen, dass sie alleine ist, aber ich muss neben Freitag sitzen.

    Das Bügeleisen rüttelt uns wach. Es kommt zum Einsatz und ganz gross ins Bild. Unten dran ist eine Plexiglasscheibe und man kann damit Roboter reparieren oder Computer oder irgendwelche Leitungen und Hasso dreht am Rädchen und hinten ruft einer 'Baumwolle' und wir wälzen uns auf den Sitzen.

    Ich stosse mir das Knie am Coladosenhalter.

    Die Aufgabe ist zu schwierig, das schafft keiner, aber der Commander sagt: 'Wenn es einer schafft, dann McLane'. Wir jubeln, denn wir wissen, er hat recht...


    Meine Lehrerin hiess Schmitt, bis sie heiratete, einen Mann mit einem Holzbein, dann hiess sie Bock. Aber das änderte sie nicht sehr, nur dass sie bald darauf den Führerschein machte und einen hellgrünen VW fuhr. Wegen ihrem Mann mit dem Holzbein. Frau Bock liebte Fernsehen. Jeden Montag redeten wir die ganze erste Stunde, was wir am Wochenende gesehen hatten. Irgendwann landeten wir immer bei Bonanza. Da konnte ich nicht mitreden, das durfte ich nicht sehen. Nur nicht in diesem Frühjahr. Denn da kam McLane. Cliff Allistain McLane und die Orion 7.


    Das Licht geht wieder an und wir wissen: nur noch zwei. Wir sind nicht mehr zweihundert, wie am Anfang der Expedition, aber die Verluste sind tragbar. Wir halten uns gut.

    Klaus nimmt draussen die Frau mit den schwarzen Haaren an die Hand und sie lässt ihn. Klaus fragt: 'Wie geht's?' und ich nicke zu Freitag hinüber, der an der Theke steht und zwei Dosen Cola kauft und ich sage: 'Da steht's' und Klaus lacht.

    Auf dem Marktplatz räumen Leute in grauen Kitteln Lastwagen aus, schieben Obstkisten hin- und her, schauen herüber, nach uns, nach der Menge, die da steht und rufen sich etwas auf Italienisch zu.

    Am Uhrentürmchen liegt Roy auf der Bank und schläft. Er ist allein.


    Bruno war McLane, weil er der stärkste war und alle anderen auf den Arm boxen konnte. Und Bruno war die Orion. Er flog über den Schulhof und wir hinter ihm her. Wer sein Pausenbrot mit ihm teilte, der durfte ein Landzet sein. Es gab nur drei Beiboote. Bruno mochte keinen Käse und ich wurde ein Frog. Ein paarmal durfte ich sterben.


    Am Ende die Schlacht um die Erde. Die Frogs greifen an, sie sind in der Übermacht.

    Hinter mir schnarcht jemand.

    'Wenn es einer schafft, dann McLane.'

    Wenn ich eine Eisensäge hätte, könnte ich den Coladosenhalter absägen.

    Irgendwo gibt es einen Verräter auf der Erde, der die Frogs mir allen wichtigen Daten versorgt. Er wird entlarvt, aber am Ende nicht umgebracht. 'Wir sind ja schliesslich nicht in Amerika', sage ich, aber niemand hört es.

    Freitag zuckt zusammen, als er aufwacht. Das Licht ist an. Die schwarzhaarige Frau hat ihren Kopf auf der Schulter von Klaus liegen.

    Wir sind am Ziel. Müde, erschöpft, aber wir haben nicht aufgegeben. Wir sind stolz auf uns. Ich möchte Freitag gratulieren, aber er ist schon verschwunden.

    Klaus sagt, dass ich ihn nicht nach Hause fahren muss. Die schwarzhaarige Frau heisst Claudia. Sie wohnt um die Ecke.

    'Zwei Kilo Trauben, ganz frisch?' fragt Luigi, als ich an seinem Stand vorbeikomme.

    'Später,' murmel ich müde.

    'Wo warst du', fragt Luigi und lacht.

    'Im Kino. Nur im Kino...'

    'Und? Wie war's?'

    'Es war die Hölle...'


    (c) 1993 Matthias Herbert

  • Hießen die Beiboote nicht Lancet?


    Vom Marienplatz weiss ich nix, nur vom Königsplatz. Der Boden am Startplatz der Orion ist der ehemalige Boden des Königsplatzes in München.


    Gerade bei der Szene wurden etliche Elemente per Bluescreenverfahren kombiniert, das war früher wahnsinnig aufwendig.

    Heute macht das jeder youtuber an einem Abend "besser".


    Dann die Alka Seltzer Tablette umgedreht gefilmt im Wasserbecken für den Aufstieg unter Wasser...


    Auf Wikipedia findet man einiges zu den Tricks damals.



    Gab es überhaupt weitere "ernsthafte" deutsche Scifi bzw. Weltraumserien bzw. - filme danach? Spontan fällt mir da nichts ein.

  • Auf Anhieb fällt mir da "Das Arche Noah Prinzip" ein und "Pandorum" - letzterer eine deutsch/englische Produktion


    Und als ich in den 70ern mal für einige Wochen in Halle war, gab es dort neu einen Defa-Film mit dem Namen "Im Staub der Sterne"... in Ermangelung sonstiger Zerstreuung habe ich den seinerzeit gefühlt ein halbes Dutzend Mal im Kino gesehen

  • Zumindest halbdeutsch:


    "Die Mädchen aus dem Weltraum"


    :byebye:


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    Ähnlich improvisierte Ausstattung wie bei Orion... Tischtennis Bälle, Eierkartons, Baumwollspulen für die Planetenoberfläche zb. im Intro..

  • Gab es überhaupt weitere "ernsthafte" deutsche Scifi bzw. Weltraumserien bzw. - filme danach?

    Mir fällt da sofort Rainer Erler ein...


    Oder das hier: Telerop 2009.

    Dann noch "Enemy Mine" und "Cloud Atlas" als Koproduktionen. Damit dürften aber dann die Speerspitzen auch schon genannt sein.


    Das mit dem Charme der alten Serie wird man wohl vergessen können und ehrlich gesagt wird den auch gar keiner wirklich wollen, zumal er hauptsächlich in ihren Unzulänglichkeiten begründet lag. Enttäuschung ist also je nach Erwartungshaltung so oder so vorprogrammiert.

  • TATORT ist die germanische Interpretation des Kriminalthrillers - insofern kann man sich vielleicht vorstellen, wie man sich in Babelsberg oder bei Bavaria 2021 eine Invasion der FROGS vorstellt.


    (für meinen primitiven Humor wären ja Frogs mit nem frosösischen akson schon völlig ausreichend:dancewithme)

  • Das mit dem Charme der alten Serie wird man wohl vergessen können und ehrlich gesagt wird den auch gar keiner wirklich wollen, zumal er hauptsächlich in ihren Unzulänglichkeiten begründet lag. Enttäuschung ist also je nach Erwartungshaltung so oder so vorprogrammiert.

    Da bin ich bei dir... heutzutage erwartet man auch bei TV-Produktionen ein Mindestmaß an Tricktechnik und die Möglichkeiten der CGI sollten auch bei einer Neuauflage professionell genutzt werden. Bügeleisen und Sicherungsautomaten als Schalt- und Kontrollinstrumente kauft selbst der verklärteste Raumpatrouille-Fan nicht mehr ab.

    Aber es gibt noch mehr, was diese Serie ausmachte... angefangen bei den fremdartig wirkenden Frogs, die nicht ganz so wie verkleidete Menschen wirkten (was mich insbesondere an den Star Trek Serien/Filmen so störte), darüber hinaus waren die Folgen sehr spannend gedreht, nach heutigen Gesichtspunkten vielleicht etwas einfach gestrickt, aber auch das kann man heute ja besser machen. Die ganze Aufmachung - das militärisch aufgebaute Regime, das Starlight-Casino und überhaupt, die Form der Raumschiffe... sowas muss man doch nicht neu erfinden


    Ich will damit sagen: es gibt eine gewissen Erwartungshaltung und die Produzenten wären gut beraten, sich daran zu orientieren


    Ich nenne mal ein Beispiel: James Cameron wusste genau, das ein SF-Horrorfilm wie Alien so nicht wiederholbar ist, also hat er die Storyline konsequent auf Action aufgebaut, ohne jedoch den "Mythos Alien" damit zu zerstören. Das bedarf natürlich einer gewissen Feinfühligkeit für das, was das Publikum erwartet, und absolute Professionalität hinterher in der Umsetzung.

    Ein weiteres Beispiel wäre "Battlestar Galactica"... auch hier wurde eine Serie neu aufgelegt, aber moderner und mit (zu dieser Zeit) aktueller Tricktechnik... wie ich ebenfalls finde, ein gelungenes Remake

  • Bei Battlestar Galactica war ich allerdings fix raus, Ben Cartwright ohne Pferd ging nicht, da war wohl meine frühkindliche Samstagsabend-Sozialisation schuld ;-)

  • Diese hoffentlich sorgfältig restaurierte Neuauflage freut mich sehr.

    Den Zusammenschnitt der 7 Folgen, der 2003 als "Raumpatrouille Orion - Rücksturz ins Kino" erschien, hätte ich nicht unbedingt gebraucht, aber Hauptsache die Originalfolgen sind dabei.

    Wie wohl die alte Tonspur in Dolby-Atmos umgesetzt wird ?


    Etwas verwunderlich sind die deutlich differenten Preise bei jpc und Amazon (bei jpc deutlich günstiger).

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