Die Entstehung des Utopias

  • Liebe Leute


    Chronologisch werde ich hier die Entstehung des Cinema Utopia aufarbeiten. Dieser Thread soll vielleicht dem einen oder anderen stillen Leser Mut machen, der bspw. kein Haus sein Eigen nennt und großzügige Platzverhältnisse für ein dediziertes Heimkino zur Verfügung hat. Es gibt ja bereits tolle Beispiele hier, dass aus kleinen und suboptimalen räumlichen Gegebenheiten durchaus was Ambitioniertes entstehen kann.


    Die ganze Planungs- und Bauphase war eine sehr glückliche, aber auch überaus intensive und mitunter von Zweifeln geprägte Zeit. Als Ahnungsloser macht man sich gar keine Vorstellung, wie komplex das Thema Heimkino sein kann und wieviele Puzzleteile letztlich passgenau ineinander greifen müssen, um das ‚perfekte‘ Resultat zu realisieren. Lebt man in einer Ehe wie ich, ist solch ein Unterfangen nur dann möglich, wenn die Ehefrau bedingungslos mitspielt und das immer größer werdende Budget mit absegnet. Denn aus eigener Erfahrung kommt eines Tages der Zeitpunkt, wo man(n) keine Kompromisse mehr eingehen möchte, was denn unter Umständen die Kosten explodieren lässt.


    Überhaupt scheint mir die Budgetierung eines Heimkinos rückwirkend schier unmöglich, insbesondere dann, wenn man als Newbie sich gerade erst in dieses Thema einarbeitet und erstmal keine Ahnung hat, was es alles braucht. Und es braucht verdammt viel bis zum fertigen Heimkino, denn die Materialschlacht ist gigantisch und für den Ottonormalverbraucher schlicht nicht nachvollziehbar.


    So kommt der Tag der Tage, jener Tag, an dem die Entscheidung fällt, es ‚richtig‘ machen zu wollen. Ab hier gab es kein Zurück mehr und ab hier begann eine wunderbare Reise bis zum fertigen Heimkino.

    Nichts sieht hinterher so einfach aus wie eine verwirklichte Utopie…

  • Hallo Bladerunner. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. So ein Projekt bringt alles an Emotionen mit, was man sich vorstellen kann :rofl:. Dieses Forum verleitet natürlich auch geradezu dazu pedantisch zu werden :byebye: Ich durfte die Toleranzschwelle meiner Frau auch schon das ein oder andere Mal antesten, aber sie hat die Scheidung noch nicht eingereicht. Es ist halt schon ziemlich viel Zeit die dafür drauf geht. Unabhängig davon betrachte ich es als schönes Projekt, das man je nach Möglichkeit (Budget, Zeit) wachsen lassen kann. Außerdem ist es eine tolle Erfahrung, im Austausch mit so vielen Erfahrenen und hilfsbereiten ebenfalls "Verrückten" zu stehen. Freue mich auf Deinen Bericht!

  • Die ersten Schritte


    Im Oktober 2017 entschieden wir uns eine zweigeschossige Dachwohnung zu kaufen. Mitte März 2018 konnten wir diese beziehen.


    Mein Traum war immer ein altes Bauernhaus zu erwerben, und dieses auf modern zu trimmen. In der Bankbranche tätig weiss ich, wie teuer ein solches Unterfangen sein kann. Und da in der Schweiz alles ein bisschen teuerer ist als im Rest der Welt, blieb das ein Traum.


    Die Wohnung befindet sich denn in einem alten Bauernhaus, das 2005 komplett kernsaniert und modern wieder aufgebaut wurde und somit all das ist, was wir uns immer vorgestellt haben. Viel Holz, Sicht- und Dachbalken, Dachschrägen, ideal für uns um sich richtig wohl zu fühlen, aber alles andere als ideal ein Heimkino zu realisieren.


    Zum Zeitpunkt des Erwerbes verschwendete ich noch keine Gedanken an ein ausgewachsenes Heimkino. Ein dediziertes TV-Zimmer sollte es werden, mit großem Bildschirm, einer Soundbar und Regalen für die unzähligen BD‘s.


    Als erstes befasste ich mich mit dem Thema TV. Nach vielen Recherchen wurde klar, dass ich mich für ein LCD-LED Gerät entscheiden werde. Um jedoch mit der Bildqualität eines OLED’s mithalten zu können und vielleicht in der einen oder anderen Disziplin gar übertreffen zu können, musste es ein hochwertiges, hochpreisiges, erstklassiges Gerät sein. Fündig wurde ich mit dem SONY KD75-XE9405, den wir mit viel Glück zu einem wahrlich günstigen Preis neu erwerben konnten.


    Es war mir klar, dass der Sound nicht über den TV ausgegeben werden sollte, weshalb das Thema Soundbar näher verfolgt wurde. Mit dem Studium über Soundbars bin ich per YouTube zufälligerweise über die unzähligen Videos von Grobi gestolpert und eine gänzlich neue Welt eröffnete sich mir. Eine faszinierende Welt, da ich schon immer ein Faible für HiFi hatte. Ohne dass ich es wusste, wurden hier die Grundsteine für das heutige Utopia gelegt.


    Ich glaube, ich habe mir bis zu diesem Zeitpunkt so ziemlich jedes Video von Grobi angeschaut und war natürlich von den vielen vorgestellten Heimkinos restlos begeistert. Die Soundbar war denn schnell vergessen, denn Auro 3D sollte Einzug in unsere Dachwohnung halten.


    Ende Dezember 2017 erfolgte denn die Kontaktaufnahme mit einem bekannten Heimkinobauer Deutschland‘s. Es war mir klar, dass ich unser Heimkino nicht selber realisieren wollte und könnte, da mir zum einen die handwerklichen Geschicke abgehen und zum anderen ich feststellen musste, dass die Akustikplanung und die Lautsprecheraufstellung gerade für 3D-Sound für mich viel zu komplex sind.


    Im gleichen Zeitraum habe ich als B&W Fan zwei Standboxen erworben (B&W CM 10 S2) und habe mir zu diesem Zeitpunkt noch keine Gedanken gemacht, ob diese in ein Konzept passen könnten. Gerätegetrieben war ich, wie wohl die meisten zu Beginn. Dass dies für ein Heimkino der falsche Ansatz ist, wurde mir erst später richtig bewusst.


    Anfangs Januar 2018 war ein Besuch beim Heimkinobauer in DE ausgemacht, um dessen Heimkino live zu erleben und eine Grundplanung auf die Beine zu stellen. Bis dato hatte ich noch nie ein auf Performance getrimmtes Heimkino persönlich erlebt. Es war schlicht eine Offenbarung und ein Schlüsselerlebnis, welches mir nur zu gut in Erinnerung ist.


    Der Heimkinobauer zeigte mir die Möglichkeiten im Rahmen unseres Budgets auf (das zu diesem Zeitpunkt 5x tiefer war, als uns das Utopia letztlich kostete). Es klang alles sehr durchdacht und schnell faste ich das Vertrauen und den Wunsch, den Weg mit ihm so zu gehen. Zwischenzeitlich hatte ich mich vom Wunsch ein Auro Setup zu realisieren emanzipiert und schwenkte auf Atmos über, da mir nur dieses Format wirklich zukunftsträchtig erschien. Ein weiser Entscheid.


    Mit ihm wurde festgehalten, wie das Kino raumtechnisch ausgerichtet werden muss, da eine einnehmende Dachschräge im vorgesehenen Zimmer nur eine Symmetrie für ein ansprechendes Sounderlebnis zulässt. Auch wurde bestimmt, was bezüglich Elektronik alles notwendig sein würde. Ein großes Bild in Form eines Beamers/Leinwand war nicht möglich, da hierfür die Kompromisse in Sachen Sound zu groß geworden wären. Bildqualität ist mir ungemein wichtig, aber das Hörerlebnis ist für mich das, was primär die Faszination Heimkino ausmacht.


    Da die Türe des Zimmers ein klassisches 5.1 verunmöglicht, floss ein 7.1 in die Planung ein. Letztlich sollte dann ein 7.4.4 entstehen. Ein DBA wurde mir empfohlen. Letzteres hätte in Eigenbau durch den Heimkinobauer entstehen sollen mit wohl den günstigsten JBL-Chassis. Diese Lösung war mir nicht sympathisch, weshalb ich mich für vier B&W ASW608 entschied. Heute würde ich andere Subwoofer einplanen (obwohl, soviel vorweg, schon die kleinen Dinger richtig Spaß machen), aber das war mir da natürlich nicht bewusst.


    Während der Heimkinobauer die Planung anwarf, beschäftige ich mich mit der Elektronik und erwarb alles was nötig ist, um 3D-Sound zu betreiben. Dass die Boxen für ein ansprechendes Hörerlebnis entzerrt werden mussten, war frisch erworbenes Wissen. Zu der Vor-/Endstufenkombi, dem 4k-Player, AppleTV, Centerspeaker und den Effektlautsprechern gesellten sich auf Empfehlung 3 Monacor DSP‘s, mit welchen das 7.4, nicht aber die Höhenlautsprecher entzerrt werden konnten. Es schienen mir vernünftige DSP‘s, die auch wirklich einen guten Job machen. Hätte ich allerdings gewusst, dass eine Entzerrung erst ab 20Hz möglich ist, hätte ich nach einer anderen Lösung gesucht. Nicht wissend, ob das alles passt, ging es auf gross angelegte und euphorische Einkaufstour.


    Kurze Zeit später hat mir der Heimkinobauer mitgeteilt, dass er unseren Auftrag leider ablehnen müsse, da die bürokratischen Hürden für einen ausländischen Handwerker in der Schweiz zu arbeiten zu groß seien, als dass es sich lohnen würde. Er konnte mir dies glaubhaft aufzeigen. Und so war ich erstmal zu Tode betrübt und sah mein Projekt akut gefährdet.


    In der Schweiz nach Alternativen umsehend, fand ich hier keinen für mich passenden Dienstleister. Die ganze Heimkinokompetenz schien sich in Deutschland zu sammeln.


    Auf Empfehlung wurde mir angeraten, mit Akustiker Jochen Veith Kontakt aufzunehmen und ihn zu bitten, unser Projekt weiter voran zu treiben.


    Ahnend, dass die Kosten ab nun explodieren könnten, nahm ich unsicher mit ihm anfangs Februar 2018 erstmalig Kontakt auf. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass sich ein ausgewiesener Fachmann auf seinem Gebiet unserem kleinen Kinoprojekt annehmen würde. So geschah es aber mit dem Vermerk, dass ich mich gedulden müsse und es mit der eigentlichen Planung frühestens im Mai 2018 losgehen würde. Ich war überglücklich, das Projekt nun wieder in kompetenten Händen zu wissen und hatte auch das Gefühl, dass es nun richtig gut kommt. Ich sollte recht behalten. Denn das Engagement von Jochen Veith war die beste Entscheidung, die wir für das Utopia getroffen haben. Das wurde mir aber erst über die Zeit so richtig bewusst.

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  • Erste Gedanken - wie soll das Utopia dereinst aussehen?


    Aufgrund der unzähligen YouTube-Beiträge über zahlreiche Heimkinos war der Wunsch nach einer cleanen Optik gross.


    Ein Raum in Raum Konzept sollte entstehen, welches vor allem die Effektlautsprecher und die Akustikmassnahmen weitestgehend unsichtbar hätte machen sollen. Das hätte gerade so in das schon leicht erhöhte Budget gepasst.


    Der Heimkinobauer jedoch versuchte mir eine möglichst pragmatische und einfache Lösung schmackhaft zu machen. Anstatt eines Raum in Raum Konzeptes hätten die akustischen Maßnahmen in Form von eingefärbten Aixfoamplatten an die Wände gepflatscht werden sollen. Das gefiel mir eigentlich nicht wirklich, liess mich aber letztlich davon überzeugen. Der erste Tod, die Verabschiedung einer cleanen Optik, war Tatsache und ich freundete mich mit einer solchen Optik an. Rückwirkend bin ich so froh, dass es nicht soweit gekommen ist. Denn das Utopia sollte nicht nur performen, sondern auch gefällig aussehen. Ich hätte mich eher früher als später maßlos geärgert, entspräche das Endresultat der anfänglichen Planung.


    Mit der Auftragsvergabe an Jochen Veith war auch der Look des Utopias ein essentielles Thema. Wiederum griff ich das Thema Raum in Raum Konzept auf und das Sofa sollte auf einer Bühne stehen. Jochen riet mir aufgrund der Raumgrösse und Geometrie von einem solchen Konzept ab, da dies aufgrund der Dachschräge und Balken nur sehr aufwändig zu realisieren gewesen wäre und das Raumgefühl arg darunter gelitten hätte. Wir haben verschiedene Optionen besprochen und schnell wurde klar, dass eine etwas ‚verspieltere‘ Optik sehr reizvoll sein kann und ebenfalls Eleganz ausstrahlen kann. Ein Podest war denn aus diesen Überlegungen heraus auch gestorben. Ich war glücklich und auch erlöst, denn endlich konnte ich mich von Bildern von Heimkinos, die mich 24h und 7 Tage die Woche auf Schritt und Tritt verfolgt haben, endlich lösen. Unsere Formsprache war in den Anfängen gefunden. Nun konnte ich mich voll und ganz auf den neuen Look einstellen und mich der Detailplanung widmen.

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  • Der Jochen Veith ist ein kompetenter Fachmann und hat hier und beim HCM schon das eine oder andere Kino mit seiner Expertise erfolgreich begleitet. Der Kontakt vpr ca. 11Jahren bei einer seiner Vorträge zur Bauakustik in München war glaube der Auslöser sich für private Heimkinos zu engagieren, dies neben seinen großen Projekten.

  • Vorstellung des künftigen Heimkinozimmers


    Dem Grundrissplan des rund 15m2 großen Utopias sind folgende Schwierigkeiten zu entnehmen:


    - quasi viereckige Raumgeometrie
    - Türe unvorteilhaft positioniert
    - Erker mit Fenster / deutliche Störung der Symmetrie




    Das handgezeichnete Seitenprofil zeigt die nächste Schwierigkeit, die sehr dominante Dachschräge:



    (Die gestrichelte Linie markiert, wo der Fernseher einst stehen sollte.)



    Weitere Herausforderungen:


    - Sichtbalken an der Decke, also keine plane Fläche
    - Sichtbalken in der Dachschräge, auch hier keine plane Fläche


    Dass die Balken zur wesentlichen Vereinfachung der Unterbringung der verschiedenen Akustikmassnahmen beitrugen, war mir anfänglich nicht bewusst. Ich wünschte mir plane Flächen, die der Raum aber nur an den Seitenwänden hergab.


    Impressionen des noch ‚nackten‘ Raumes:












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  • Die ersten vorbereitenden baulichen Maßnahmen


    Da die Verkäufer der Wohnung ungemein liebe und entspannte Leute sind, konnten wir schon Wochen/Monate vor dem Einzug Handwerker durch unsere künftige Wohnung jagen.


    Die Seitenwände des Utopias wurden vom Maler anthrazitfarben gestrichen. Schwarz wollte ich nicht, da dies für mich im Vergleich zu Anthrazit weniger Eleganz versprüht. Es sollte auch nicht der Eindruck einer ‚schwarzen Höhle‘ entstehen.








    Als der Maler durch war, kam der Bodenleger ins Spiel. Wir hatten uns im Kinozimmer und im ggü. liegenden Gästezimmer für einen dunklen, handgehobelten Eichenparkett entschieden.





    Die Elektroplanung gestaltete ich mit einem Elektriker, welcher begeisterter High-Ender ist. Er riet mir, die Kinoelektronik via einen separaten Stromkreis vom restlichen Zimmer zu trennen und auf Schuko umzustellen. Ebenfalls sollte dieser separate Stromkreis via eine handelsübliche Schmelzsicherung gesichert werden, um Pegelspitzen von den Endstufen aus problemlos abzufedern. Der neue Stromkreis wurde in einer 3-fachen 2.5mm2 Ausführung auf 16A Basis vom Elektriker so eingezogen. Die Schuko-Steckdose besorgte ich mir von HMS Elektronik.


    An diesem Stromkreis hängt denn die ganze Elektronik und auch das Beleuchtungskonzept.










    Zudem wurden noch für die späteren sechs Deckenspots passende Stromkabel vorbereitend der Decke entlang zur Seite hin links und rechts verlegt. Eine mittig unter der Decke angebrachte Steckdose (wer denkt sich denn sowas aus?!) war hier goldrichtig angebracht und es konnte bequem auf richtiger Höhe der Strom weiter geführt werden.










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  • Ein maßgeschneidertes TV-Möbel muss her


    Die Elektronik war mittlerweile angeschafft und die daraus resultierenden Abmessungen klar. Nächtelang habe ich verschiedene Entwürfe angefertigt und in der Schweiz und Deutschland Offerten eingeholt. Zu meinem Erstaunen kam ich bei einem Schreiner in der Schweiz günstiger weg als bei seinem Kollegen in Deutschland.


    Das 3-teilige Möbel ist denn auf die bestehende Elektronik zugeschnitten und ist wenig flexibel aufgebaut. Vor- und Endstufen wollte ich sichtbar lassen. Ich liebe per se solche elektronischen Gadgets und das Marantzdesign gefällt mir sehr gut. Hat so auch den Vorteil, dass die Endstufen genug Kühlung abbekommen.


    Wird es mal in Sachen Elektronik und Lautsprecher ein Upgrade geben, muss dann (leider) eine neue Lösung ausgearbeitet werden.


    Mit dem Resultat bin ich sehr glücklich. Der Schreiner hat sehr sauber gearbeitet und einen guten Job gemacht.







    In diesem Jahr wurde das Möbel der Subwoofer betreffend leicht verändert. Das werde ich später im Detail illustrieren.

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  • Kalibrierung des Fernsehers


    Zwei Tage nach Einzug in die neue Wohnung wurde der Fernseher nach ISF-Standard in Sachen SDR/HDR-Wiedergabe von einem Spezialisten fachmännisch kalibriert. Ein sehr spannender, insgesamt knapp 6-stündiger Prozess war das. Die Unterschiede zu den vom Hersteller vorgenommen Standardsettings sind enorm; man glaubt gar nicht, wieviel Bildqualität sich mit einer guten Kalibrierung aus dem Gerät kitzeln lässt.







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  • Eine passende Sitzgelegenheit muss gefunden werden


    Aufgrund der eingeschränkten räumlichen Grösse dachten wir zuerst an eine zweisitzige Kombi. Dieser Wunsch wurde dem Kinobauer so vorgestellt. Er riet mir davon ab, da so kein eigentlicher mittiger Referenzplatz zur Verfügung stand. Dies leuchtete ein, womit eine längere Suche nach einer Dreierkombi begann.


    In der Nähe von Augsburg in einem Ausstellungsraum von Sofanella wurden wir letztlich fündig. Wir haben uns für ein XXL-Dreiersofa (Gala) entschieden mit schönem dunkelbraunem und dickem Leder, deren drei Sitze individuell elektrisch einstellbar sind.


    Was für ein Hochgenuss es doch ist, in annähernd liegender Position einen Film zu schauen oder Musik zu hören. Für uns ist dieses Möbelstück ein Highlight im Utopia, auch wenn hier ein weiterer Tod gestorben werden musste aufgrund fehlender Armlehnen und Staufächern. Eine solche Ausführung hätte schlicht keinen Platz gehabt, da wir eine Sitzbreite von weniger als 60cm als zu beengt empfunden hätten.


    Trotz Kompromissen sind wir sehr glücklich über diesen Kauf. Knapp drei Monate mussten wir uns gedulden, bis es Mitte Mai 2018 angeliefert wurde.





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  • Erste Tuningmassnahmen


    Natürlich sollte ein vollständig abgedunkeltes Heimkinozimmer entstehen, damit dem ungetrübten Filmgenuss nichts im Wege stünde. Eine komplette Verdunkelung des Fensters musste also her, da die bestehende Schalusie hierfür unzureichende Resultate lieferte. Die Idee kam, das Fenster auf der Innenseite schwarz folieren zu lassen. Eine Lösung also, die leicht rückgängig gemacht werden könnte.


    In der Nähe von unserem Wohnort fand ich denn eine Autogarage, welche sich mitunter darauf spezialisiert hat, Autos zu folieren.


    Ein cooler junger Mann nahm dann unseren Auftrag an und folierte wunschgemäß das Fenster. Eine Lage Folie reichte nicht aus, um das Sonnenlicht restlos aus dem Utopia zu verbannen, weshalb eine Woche später eine zweite Lage aufgeklebt wurde.


    Nun war jegliches Restlicht Geschichte und die gewonnene Kontraststeigerung enorm.


    Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, wie sich der Raum baulich noch verändern würde, hätte ich mir diesen Aufwand sparen können. So oder so passt es, da die Folie den netten Zusatzeffekt hat, die Hitze etwas abzuwehren.


    Der Fernseher selber hat einen ziemlich großen, silberfarbenen Standfuss. Über die Zeit störten mich die Reflexionen im abgedunkelten Raum immer mehr, weshalb mir die Idee kam, den Standfuß ebenfalls schwarz folieren zu lassen.


    Der besagte junge Mann schmunzelte über meine Anfrage (sowas hatte er noch nie foliert), führte den Auftrag aber wunschgemäß aus.


    Er hat einen tollen Job gemacht und man könnte meinen, der Fernseher käme im Original so daher. Die verhassten Reflexionen waren Geschichte und das Sehvergnügen nochmals gesteigert.



    Nichts sieht hinterher so einfach aus wie eine verwirklichte Utopie…

  • Blitzschutz


    Aufgescheucht durch einen Tatsachenbericht eines Arbeitskollegen meiner Frau, dessen Heimkinoequipment unbrauchbar durch einen nahe gelegenen Blitzeinschlag zerstört wurde, sahen wir uns gezwungen uns mit dieser Thematik näher auseinander zu setzen. Dieses Thema hatte ich so gar nicht auf dem Radar.


    Einen eigentlichen Blitzschutz kann man eh vergessen. Hier hilft nur eine gute Hausratsversicherung. Gegen eine Netzüberspannung kann man sich hingegen schützen, was viel wahrscheinlicher als ein direkter Blitzeinschlag ist.


    Auch hier musste ich feststellen, dass das Thema komplexer ist als anfänglich gedacht. Hierzu hatte ich mich mit dem Elektriker ausgetauscht, der unser Projekt kannte und die Umstellung auf Schuko empfohlen hatte.


    Da ich eh noch geeignete Netzleisten auf Schukobasis gebraucht habe, fing ich in den Wirren des Webs nach geeigneten Lösungen inkl. zuverlässigem Überspannungsschutz zu suchen. Diese Unterfangen ist gar nicht einfach, da die meisten Hersteller zwar mit Überspannungsschutz werben, aber hierzu keine genaueren Angaben machen wollen.


    Nach Absegnung durch den Elektriker haben wir uns für eine Lösung von HMS Elektronik entschieden, die einen separaten Netzfilter inkl. Überspannungsschutz bietet (Schutzelemente sprechen bereits bei 420 V an bei einer sehr kurzen Ansprechdauer von 8 Mikrosekunden). Gemäss Elektriker sind dies sehr gute Werte, womit das Equipment vor der gefürchteten Überspannung gut geschützt wird. Im Ernstfall brutzelt der Netzfilter durch, nicht aber die Geräte. Praktisch ist eine Soft ON/OFF-Schaltung, womit die Geräte stufenweise unter Strom gesetzt werden und ich Relaisschaltungen nicht brauche. Sehr praktisch das Ganze. Hinzu kommen zwei individuell bestückte Netzleisten à je 13 Steckplätzen, die drei verschiedene Gerätekategorien durch unterschiedliche Filter mit Strom versorgen (Subwoofer/Endstufen / Vorverstärker und analoge Geräte / digitale Geräte). HighEnd Schnick-Schnack letztlich, was nicht des guten Tones wegen angeschafft wurde, aber unsere Bedürfnisse zufriedenstellend abdeckt.










    Da wir Kabelfernsehen haben und über diese Leitung auch das Internet übertragen wird, musste natürlich noch diese Zuleitung mit einem geeigneten Blitz- resp. Überspannungsschutz versehen werden.

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  • Nun beginnt die konkrete Akustik- resp. Heimkinoplanung


    Ende Mai 2018 begannen die ersten ausführlichen Gespräche via Skype mit Jochen Veith bezüglich der weiteren Planung, die sich letztlich bis nach der Bauphase Ende November 2018 hinzogen. Der Support und die Geduld mit mir waren großartig. Es war eine der besten menschlichen Erfahrungen des vergangenen Jahres.


    Unbedarft hatte ich seit der Erstkontaktaufnahme im Februar nach bestem Wissen und Gewissen viele Entscheidungen selber getroffen und die entsprechenden Einkäufe ja bereits getätigt, und so Jochen in vielerlei Hinsicht vor vollendete Tatsachen gestellt.


    Es kamen in mir Zweifel auf, ob denn bspw. das gewählte B&W Lautsprecher-Setup passend ist, das TV-Möbel mit den vordefinierten Plätzen der beiden vorne spielenden Subwoofer stimmig ist und die vorgesehene Sitzposition des Sofas passt (ich wollte möglichst einen Sitzabstand 1:1 realisiert haben).


    Jochen konnte mich glücklicherweise schnell beruhigen und liess mich wissen, dass er damit schon was anfangen könne und das Endresultat meinen Vorstellungen entsprechen würde. Es würde ein highendiges Kino werden, was ich ehrlich gesagt in diesem Moment nicht ernst nehmen konnte und wollte. Ich solle mich guten Gewissens überraschen lassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte man schon fixe Vorstellungen, aber trotzdem war das Endresultat gedanklich noch in weiter weiter Ferne. Nicht einfach, aber immerhin ging es nun nach der langen Wartezeit so richtig los.


    Mit dem heutigen Wissen würde ich eine Heimkinoplanung gänzlich anders angehen und Jochen von A-Z miteinbeziehen, ohne irgendwas im Voraus gekauft und bestimmt zu haben.


    Denn letztlich hatte ich als Newbie einfach Dussel, dass oh Wunder alles passend zusammen kam.


    Jochen fing denn an, die Akustikplanung und die Aufstellung des 7.4.4 Layouts auszuarbeiten. Als ich mit seinem Vorschlag einverstanden war, erfolgte die definitive Auftragsvergabe.


    Jochen zeichnete Pläne, die von mir als Arbeitsvorlage für den Bau verwendet werden konnten. Aus rechtlichen Gründen werde ich die Pläne hier nicht publik machen können.


    Etwaige Akustikmodule wollte ich nicht selber fertigen. Diese sollten einen Möbelcharakter aufweisen und den Raum stilistisch aufwerten. Nachdem entschieden war, welche Akustikstoffe und Farben und welches Holz zum tragen kommen, erfolgte via Jochen nach seinen Plänen die Auftragsvergabe von 8 Akustikmodulen via die Boxx Holztechnik GmbH. Die Module mit einem Gesamtgewicht von über 500kg arbeiten höchst effizient und dienen der Hoch-, Breit- und Tiefbandabsorption. Hier lässt er sich nicht in die Karten gucken, welche Absorbertechnik je Frequenzgang zur Anwendung kommt, aber aufgrund der Schwere und der Abmessungen der Tiefbandabsorber gehe ich von Folienschwingern aus. Die Auslieferung würde sich was ziehen, und am 16.10.2018 war die Anlieferung aus dem Raum München denn Tatsache.


    Die Decke als Deckensegel und die Dachschräge sollten mit 10cm dickem Basotect behandelt werden. Wichtig war, dass hinter den Platten noch Luft ist für eine effizientere Arbeitsweise.


    Dass der Erker dicht gemacht würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Viele Planänderungen folgten über die Zeit und Jochen und sein Team nahmen dies ohne zu murren zur Kenntnis und passten die Pläne nach Rücksprache fortlaufend an.


    Nun war auch langsam der Zeitpunkt gekommen, mich nach einem geeigneten Schreiner umzusehen, der mich in meinem Bauvorhaben im Spätherbst tatkräftig unterstützten konnte. Fündig wurde ich bei einer Schreinerbude vor Ort. Für Marcel, den Schreiner, war es der erste Auftrag dieser Art. Er hat diesen aber mit soviel Begeisterung angenommen, was mir ein sehr gutes Gefühl vermittelte. Ein weiterer wichtiger Grundstein wurde gelegt und ohne Marcel und dessen rückwirkend geniale Ideen und seinem Hang zur Perfektion würde das Utopia heute nicht so sein wie es geworden ist.


    Rückwirkend betrachtet scheint es eine schicksalsträchtige Fügung zu sein mit Jochen und Marcel höchst verlässliche, sehr professionelle und geduldige ‚Partner‘ gefunden zu haben, mit welchen ich auch noch heute losen Kontakt pflege und diesen nicht abreißen lassen werde. Zu sehr sind mir diese beiden Menschen 2018 ans Herz gewachsen und zu intensiv war die gemeinsame Zeit hierfür.

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  • Bestandsaufnahme des Schreiners und exakte Montage der an den Wänden hängenden Akustikmodule


    Ende September 2018 legte ich dem Schreiner meine Pläne und Ideen vor und er ging daran, alles auszumessen und die Holzarbeiten zu konzeptionieren. Da die Kabel nicht einfach hinter Trockenbauwänden elegant versteckt werden konnten und ich mit Kabelkanälen operieren musste, brauchte ich einige Zeit, hierfür praktische und stilistisch ansprechende Lösungen zu finden. Es sollten nicht einfach schnöde Kabelkanäle werden, sondern Kunstobjekte, die den Raum maßgeblich verschönern. Hierzu später mehr.


    Wie geschrieben erfolgte Mitte Oktober 2018 die Anlieferung der Akustikmodule. Alsdann half mir Marcel, die Module an den vorgesehenen Stellen zu montieren.






























    Die mit rotem Akustikstoff versehenen Module sind Breitbandabsorber. Schwarz jene für Breit- resp. Tiefbandabsorption.


    Da die Decke und Dachschräge später mit schwarzem Akustikstoff bespannt wurden, wollte ich die Optik von hinten nach vorne betrachtet aus einem Guss, also farbtechnisch einheitlich in Schwarz haben. Die roten seitlichen Module suchte sich meine Frau aus und lockern den Raum wunderschön auf.


    Die beiden größten Tiefbandmodule, welche hinter dem TV-Möbel auf ganzer Raumbreite platziert werden sollten, mussten auf ihren finalen Platz noch warten, da sie während der anstehenden Bauphase anfänglich hinderlich im Weg gestanden hätten.


    Ich war verblüfft, wie stark die sechs Module das Klanggeschehen bereits beeinflussten und den Sound nach ‚vorne‘ holten an den Ort des Geschehens. Bereits jetzt waren viel mehr Details im Sound auszumachen. Mein Provisorium (Stereosetup mit stümperhafter Ausrichtung der Fronts und nichts eingemessen) machte erstmals richtig Spaß und liess erahnen, wohin die Reise letztlich führen wird. Es sind denn vor allem die abschließenden Akustikmassnahmen, welche meine Gäste beim Eintritt ins Utopia am meisten verblüffen, da die wenigsten einen auf Akustik getrimmten Raum vorher schon einmal betreten haben. Die Gäste empfinden die ‚gedämpfte‘ Stimmung als sehr einladend und angenehm.

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  • Unser Wohnzimmer wird zur Lagerhalle


    Die Materialschlacht hatte ich bereits erwähnt. Unser Wohnzimmer war letztlich übervoll mit Kisten und zu verbauenden Materialien und man konnte sich nicht vorstellen, wie all das Zeugs in dem relativ kleinen Zimmer je einmal Platz finden soll.


    Zu diesem Zeitpunkt (ca. anfangs Oktober 2018) war denn auch klar, dass der Erker der Symmetrie wegen ‚geschlossen‘ wird. Jochen war happy, konnte ich mich endlich zu diesem einschneidenden Schritt doch noch durchringen, denn entsprechende bauliche Maßnahmen waren notwendig, die nicht mal eben so rückgängig gemacht werden konnten und noch mehr Dämmmaterial erforderte.


    Letztlich sah unsere Stube so aus:






    Nun war sämtliches Material ready und wartete darauf, verbaut zu werden. Am 5. November 2018 war es denn endlich soweit. Was für ein geniales und mulmiges Gefühl zugleich, denn die Anspannung war mittlerweile gewaltig und noch größer die Erwartungen an das Endresultat. Ein Happy End sollte es werden, aber die letzten Tage vor dem Startschuss kamen mir noch quälend lange vor. Brauchbar war ich zu dieser Zeit schon längstens nicht mehr und meine Gedanken kreisten nur um dieses Projekt. Wieviele Leute, insbesondere aber meine Frau, nervte ich mit diesem Thema, das mich über weite Strecken fast auffrass. Rückwirkend kann ich lachen darüber.

    Nichts sieht hinterher so einfach aus wie eine verwirklichte Utopie…

  • DER Tag ist endlich gekommen, auf den ich seit Planungsbeginn sehnlichst hin fieberte


    Pünktlich früh morgens am 5.11.2018 stand Marcel bis zu den Zähnen mit Werkzeugen, Maschinen und Holz bewaffnet bereit, um mit meiner Handlangerhilfe dem ‚alten‘ Zimmer den Gar aus zu machen.


    Als erstes wurde der Erker mit weißen Holzplatten dicht gemacht. Das war ein bewegender und angsteinflössender Moment, denn wie bereits erwähnt konnten diese Baumaßnahmen nicht mal eben so rückgängig gemacht werden. Damit die vier Holzplatten angebracht werden konnten, setzte Marcel einen neuen Holzbalken analog der bestehenden der Dachschräge. Da trotz Beplankung noch ein Zugang zum Fenster gewährt sein sollte, wurde der Balken auf einen Querbalken gesetzt. Mit schwerem Beil wurde der kleine Querbalken in die vorgesehene Position gehämmert. Diesen wieder zu entfernen ginge nur mit einer Motorsage, da dieser wie in einem Schraubstock bombenfest reingehämmert wurde.









    Bevor der Erker mit den unteren zwei Platten dicht gemacht wurde, wurde der ganze Erker bedämmt. Ebenso die Rückseiten der Holzplatten. Es kam einem Puzzlespiel gleich und quasi bis auf den letzten cm2 wurde das selbstklebende, 5cm starke Aixfoam verbaut.







    Nun wurden die restlichen zwei Holzplatten passgenau eingefügt und so verschraubt, dass Schwingungen nicht möglich sind. Zum Glück ist der Schreiner von kleiner Statur, sodass er sich mit dem Oberkörper durch die verbliebene Öffnung quetschen konnte, um die restlichen beiden Platten von hinten zu bedämmen.








    Weiter ging es die Dachschräge nun mit Basotect der Stärke 10cm zu bedämmen. Hierfür wurden die Spalten zwischen den Balken genutzt und die Balken mit 2cm auf 2cm dicken Leisten der Balkenkante nach beschlagen, sodass das zugeschnittene Basotect einfach bequem eingeschoben werden konnte. Jochen gab genau vor, ab welcher Unterkante die Dachschräge bedämmt werden soll. So war die Unterkante exakt auf die Tiefe der noch zu platzierenden Tiefbandabsorber ausgerichtet. Jochen war es wichtig, den Raum nicht zu überdämmen und dem Raum eine gewisse Musikalität zu belassen. Dies war eine Maßnahme, dass sich zwei verschiedene Absorber nicht in die Quere kamen.









    Am ersten Tag schafften wir auch das Deckensegel. Da auch hier Sichtbalken verbaut sind, konnte die gleiche Methodik wie bei der Dachschräge angewandt werden. Die gesamte Deckenfläche zwischen den Balken wurde nur zu etwa 50% bedämmt. Die mittleren vier Bahnen wurden auf ganzer Länge befüllt, der Rest blieb unbehandelt.






    Die Aussparung, die rechts zu sehen ist, war vorbereitend für den noch zu montierenden Höhenlautsprecher. Dieser ist von vorne und hinten bedämmt und gilt für alle vier Heights.


    Noch am ersten Tag konnte die Dachschräge mit dem gleichen Akustikstoff betakert werden, den schon die schwarzen Akustikmodule von Jochen zieren. Die zu bespannende Fläche betrug 280cm in der Höhe und 340cm in der Breite. Da der Akustikstoff nur 150cm breit war (ich glaube es waren total 30m in der Länge, viel zuviel letztlich, aber wegen allfälliger Verschneider wollte ich auf der sicheren Seite sein), hat meine Mutter zwei Bahnen abgesteppt zusammen gefügt, sodass der Stoff als ganzes Stück letztlich an die beiden zu den seitlichen Wänden hin bestehenden Balken hingetakert werden konnte. Ich kannte bis dahin niemand, der so großflächig Akustikstoff verbaute. Entsprechend schwang die Angst mit, es könnte durchhängen. Dem ist aber Gott sei Dank nicht so, da der Stoff extrem auf Zug bearbeitet werden kann. Da hängt nicht ein Millimeter durch. Das Endresultat ist sehr stimmig geworden und langsam ist das Zimmer nicht wieder zu erkennen.


    Aufgrund des weißen Untergrundes wollte Jochen mit dem Stoff auf Nummer sicher gehen, weshalb zuerst ein billiger Unterstoff angebracht wurde. So wurde gewährleistet, dass kein Weiss mehr leicht durchschimmern konnte. Der Stoff zerriss bei der kleinsten Spannung. Der musste aber weder schön noch sonderlich gestreckt angebracht werden, da er letztlich nicht zu sehen sein würde.






    Die Dachschräge nun abschließend bespannt. Die weisse Aussparung würde eine Servicelucke werden, über welche das Fenster später geöffnet werden kann.




    Nichts sieht hinterher so einfach aus wie eine verwirklichte Utopie…

  • Es wird Hochzeit gefeiert


    Am Tag Zwei konnte die Installation der Surroundebene und der Heights angegangen werden. Mittels Lasermessgerät wurden die Lautsprecherhalterungen der wenig beachteten drehbaren B&W AM1 gemäss Akustikplan in Position gebracht. Für die untere Surroundebene hat der Schreiner massgefertigte Holzunterlagsscheiben gefertig in Eiche. Diese gerundeten Tötzchen wurden gleich gebeizt wie die noch anstehenden sonstigen Holzarbeiten. Bei den Backsurrounds wurden diese Hölzchen in einem 15 Grad Winkel gefräst nach den Vorgaben von Jochen.


    Die Hölzchen haben bloss einen stylischen Zweck und sorgen für genügend Vorhub, dass die späteren Kabelkanäle genügend Platz haben. Da im Backsurroundbereich mit einer Anwinkelung gearbeitet werden musste, konnte diese so elegant mit eingeplant werden.













    Gleich rechts neben der Türe war ein kombinierter Lichtschalter, welcher ausgebaut werden musste. Just bei diesem Loch musste der Lautsprecher installiert werden. Da ein zuspachteln dieses faustgrossen Loches nicht schön werden würde, wurden kurzerhand durch Marcel zwei sehr dünne Aluplatten besorgt, die mit DC Fix eingepackt wurden. Damit es an der Rückwand identisch und einheitlich installiert aussieht, wurde diese Platte auch beim rechten Backsurroundspeaker an die Wand verbaut. Die vier Schrauben wurden mit schwarzer Metallfarbe übermalt. Anfängliche DC Fix Patches sahen wie Flickwerk aus.





    Die eigentliche Fummelei, die auch richtig Zeit verbraten hat, war die exakte Positionierung der Heights, die auf einer Flucht mit den Backsurrounds und annähernd auf Flucht mit den Fronts angebracht sind. Die jeweiligen Hochtöner der vier AM1 sollten auf einen Blindspot in Form eines Quadrates zielen (Kantenlänge je 1m). Die Ausrichtung sah je eine Ecke des Quadrates vor. Das Quadrat war auf Ohrenhöhe um den Kopf herum virtuell positioniert.


    Das Endresultat sah dann so aus:









    Ca. 100m Lautsprecherkabel wurden nur für diese 8 Lautsprecher benötigt. Gewählt wurde ein No Name Kupferkabel mit dem max. möglichen Querschnitt für diese Boxen (2.5mm2).


    Damit die gut über die Unterkante hinaus positionierten Heights (Vermeidung von unnötigen Reflektionen an den Seitenwänden der Balken) sauber unter einem großflächigen Akustikstoff versteckt werden konnten, wurde eine einfache Abkastung um die Deckenbalken rund herum gezimmert.




    Nichts sieht hinterher so einfach aus wie eine verwirklichte Utopie…

  • Weiter geht’s...


    Endlich konnten die letzten Module von Jochen platziert werden. Da ich mich sinnvollerweise :D für einen handgehobelten Parkett entschieden habe, wurden die Module auf alten Teppichresten positioniert. So sind die Module auch gleich vom Boden entkoppelt.


    Die beiden ‚Sideboards‘ mit den Massen L180 cm x H90cm x T35cm sind echte Möbelstücke und gefallen mir mit der Eichenummantelung sehr gut. Eigentlich zu schade, dass sie im finalen Kino fast untergehen.


    Sauschwer sind die beiden Teile. Ich musste extra Rollis kaufen, damit diese bequem von A nach B geschoben werden konnten.










    Hier sind die Module nun an ihrem finalen Platz angekommen und fügen sich harmonisch ins Ganze ein:






    Nun konnte auch die Decke mit Akustikstoff dekoriert werden. Die Vorgehensweise war die selbe wie bei der Dachschräge. Die Fläche beträgt 340cm x ca. 200cm. Wiederum sind zwei Stoffbahnen miteinander abgesteppt. Diesmal verpasste es meine Mutter diese in identischer Laufrichtung zu vereinen, weshalb die Akustikdecke zweifarbig rüberkommt. Sehr schnell war ich glücklich damit, gab es doch unverhofft einen weiteren stylischen Kniff, den ich nicht mehr anders wissen möchte.
















    Auch bei der Decke konnte der Stoff mit Gewalt dermaßen fest gestrafft werden, dass da nichts durchhängt. So eine großflächige Stofffläche hat was edles und ich war sehr glücklich, dass es sich so gut aufging.


    Mit dieser Kombi aus Decke und Dachschräge wird zumindest so etwas wie ein Raum in Raum Konzept suggeriert, was mich natürlich happy macht und, wie ich finde, einen ausgezeichneten Kontrast zu den ‚offenen’ Seitenwänden bildet.

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  • Tag der Wahrheit - oder der Tag, den ich seit Anbeginn der Planung mir so sehr herbeigewünscht habe...


    Morgens noch ging der Schreiner daran, die ‚Servicelucke‘ und die einfache künftige Bedienung des Fensters abzuschließen.


    Der Lucke wurde ein einfaches Drehschloss spendiert. Mittels eines verzinkten Knaufes mit Vierkantschlüssel kann das Schloss geöffnet resp. verschlossen werden. Mit dem Akustikstoff von Jochen wurde die Frontblende in der gleichen Manier wie die Dachschräge/Decke sauber eingepackt. Durch den Fenstergriff wurde ein Loch gebohrt und ein gelenkiges Gestänge dran geschraubt, sodass von unten das Fenster wie ein Dachfenster bspw. bequem geöffnet werden kann. Zum Glück, wie bereits erwähnt, ist Marcel klein genug, dass er diese Arbeiten problemlos unter beengten Verhältnissen fertig stellen konnte. Die Rückseite der Lucke wurde mit einem Restposten Basotect ausgekleidet und so zugeschnitten, dass ein problemloses Öffnen jederzeit möglich ist.


















    Die ‚groben‘ Arbeiten schreinerseitig waren nun abgeschlossen. Seinerseits waren ‚nur‘ noch Verschönerungen am Start, die zeitlich den größten Aufwand bedeuteten, was uns aber in diesem Zeitpunkt noch nicht klar war. Denn viele Umsetzungen resp. Ideen entstanden während der Bauphase. Und ich wollte natürlich partout nicht die einfachsten Lösungen bevorzugen. :D


    Am Nachmittag denn kam die Stunde der Wahrheit. Die Elektronik sollte aufgebaut werden und das System eingemessen werden. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich mich in all der Zeit auf diesen einen Moment gefreut habe.


    Bevor aber eingemessen werden konnte, musste das TV-Möbel platziert werden, das Sofa in Position gebracht resp. zusammen gebaut werden und die ganze Verkabelung war auch nicht ohne. Hilfe hatte ich von einem ehemaligen Kumpel aus der Schweiz (R.I.P.), den ich vor allem für die Einmessung bat vorbeizuschauen.


    Die Fronts wurden denn nach den Vorgaben von Jochen exakt ausgerichtet. Dabei zielen auch die Fronts nicht direkt auf die Ohren ab, sondern treffen sich 70cm hinter der Hörposition. Die Hochtöner sollten gegenseitig in einem Abstand von 220cm mit entsprechender Einwinkelung zum Hörplatz hin stehen. 220.1cm ist das Endresultat. Das ist uns wirklich perfekt gelungen. Denn Boxen, die je knapp 40kg wiegen, sind ziemlich fummelig zu bewegen mit ihren Gummifüssen.


    Die Verkabelung dauerte fast zwei Stunden. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Ich Grünschnabel dachte, das ginge ratz fatz. Besonders ordentlich haben wir es zu diesem Zeitpunkt nicht einmal gemacht, weil ich die glorreiche Idee hatte, diese Arbeit für später mir aufzusparen.






    Endlich endlich war es denn soweit, das Umik war am Referenzplatz platziert, der Laptop lief, das REW ratterte und war mit der AV7704 connected. Bevor die ersten Testtöne das Utopia zum Leben erweckten, wurden noch die exakten Delays manuell mit dem Lasermessgerät gemessen und zusammengetragen und in der Vorstufe hinterlegt. Die Lautsprecher wurden allesamt auf 75dB eingepegelt, bevor die Messerei endlich losgehen konnte. Während knapp vier Stunden wurden denn die Fronts, der Center, die Side- und Backsurrounds sowie das DBA via die drei DSP’s entzerrt. Und ENDLICH war der Moment gekommen, als abschließend die ersten echten Töne in Stereo, 5.1 und Atmos liefen. Ich hatte Tränen der Freude in den Augen. Die ganze Anspannung der vergangenen ca. 11 Monate entlud sich in einem winzigen Moment. Was für ein unbeschreibliches Gefühl. Für mich tönte es natürlich SUPER und ich war sehr dankbar für die geleistete Arbeit meines Kumpels, die ich mir selber NIE zugetraut hätte.


    Erst über die Zeit und als die anfängliche Euphorie sich legte, merkte ich, dass doch das eine oder andere so gar nicht passte. Die einzelnen Lautsprecher konnte man klar heraushören und lokalisieren. Der Hoch- und Mittenbereich kam je nach Quelle/Information scharf ja unangenehm rüber und der Bass funktionierte überhaupt nicht. Erst mit Jochens professioneller Einmessung lief das System wahrlich zur Höchstform auf, aber dazu später mehr.











    Nichts sieht hinterher so einfach aus wie eine verwirklichte Utopie…

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