電影院扶手椅觀光 alias "Die Kinosessel-Besichtigung"
Vielleicht wäre aber auch "Wenn ich das mal gewusst hätte" die korrekte Überschrift.
Ich durfte vergangenen Mittwoch Birdie besuchen, um mir ein Bild der USIT-Sitzen zu machen. Ich hatte natürlich ausreichend Zeit eingeplant (zumindest dachte ich, dass zwei Stunden genug seien).
Stefan hat mich an der Haustür freundlich begrüßt und mir gleich mal eine Kinokarte mit Schriftzeichen, die ich nicht lesen konnte, in die Hand gedrückt. Ab dem Zeitpunkt habe ich mir schon gedacht, dass das vermutlich nicht die letzte Überraschung war.
Ich denke, meine zwei geplanten Stunden hätte ich schon im Vorraum verbringen können: Neben allerlei Autogrammkarten der Helden meiner Kindheit finden sich auch viele Figuren, Modelle und andere Filmrequisiten. Man merkt einfach, dass hier nicht nur ein Heimkino entstanden ist, vielmehr ist das eine Reise durch verschiedene Jahrzehnte.
Das "MinMax" selbst hat eine tolle Atmosphäre. Man merkt gleich beim Betreten, dass hier akustisch viel in die richtige Richtung entstanden ist. Der Raum wirkt trocken, aber nicht überdämpft. Was mich aber am meisten begeistert hat, ist die Tatsache, dass es fertiggestellt ist – das kannte ich so bisher noch nicht. Stefan erwähnte noch, dass bei ihm Umbaumaßnahmen gut geplant und durchgezogen werden; nach der Umbauphase ist das Kino wieder in seinem fertigen Zustand.
Die Technik ist zum Großteil unsichtbar bzw. dort, wo sie sichtbar ist, sehr schön integriert. Bildmäßig war ich auf den Sony XW 7000 gespannt. Um es kurz zu machen: Ich fand ihn hervorragend. Die Bildhelligkeit kenne ich von meinem JVC leider nicht und auch die Plastizität und Farben waren exzellent. Der Lensshift ist sehr schnell, sodass nach diversen Trailern zügig auf die vollen 21:9 gezoomt werden kann – was für ein toller Effekt! Als besonderes Detail hat mir die Leinwandmaskierung gefallen: Man kann mehrere Formate per Magnet arretieren, so findet man ohne langes Suchen die passende Einstellung.
Neben dem Bild ist auch der Ton klasse. Ich hatte zu Hause schon mal ein paar Genelec und auch bei Stefan haben sie eine tolle Performance hingelegt. Neben den Genelecs in der Front arbeiten ansonsten noch ein paar Lautsprecher von Teufel und Atmos-Lautsprecher von Sonance, die sich erstaunlich gut in das Klangbild der Front integrieren. Hier klingt alles wie aus einem Guss – ich denke, der Pioneer macht hier einen tollen Job.
Neben Atmos und Mehrkanal haben wir auch ein bisschen Stereo gehört. Hängengeblieben ist mir dabei die Szene aus "The Greatest Showman", in der Jenny Lind (gespielt von Rebecca Ferguson und gesungen von Loren Allred) "Never Enough" performt. Wir haben die Szene zuerst in Atmos gehört; der Raum ist toll dargestellt worden, die Stimme ging unter die Haut und es war sehr schön anzusehen. Danach noch mal dieselbe Szene in Stereo, wobei ich mir kurz gar nicht sicher war ob das wirklich nur Stereo ist: Die Räumlichkeit war klasse, die Stereobühne ging weit über die Lautsprecher hinaus und auch die Stimme war so klar umrissen, dass ich es kaum glauben konnte, dass weder die Surround- noch die Deckenkanäle mitspielen. Ich denke, an das Thema LCR kann man hier beruhigt für sehr lange Zeit einen Haken machen – das war große Klasse.
Leider habe ich mich mit meinen zwei Stunden sauber verkalkuliert, ich wäre gerne noch länger geblieben. Die USIT, wegen denen ich gekommen bin, sind übrigens auch klasse, aber das war nach der Vorführung eher Nebensache. 
Kurz vor der Verabschiedung musste ich noch zur "Getränkerückgabe". Irgendwie hatte ich beim Betreten des stillen Örtchens schon das Gefühl, dass es akustisch mehr nach optimiertem Raum und weniger nach leerem Badezimmer klingt. Als dann der Monitor mit den Trailern loslegte, wusste ich: Hier passiert Heimkino nicht einfach, Heimkino wird hier gelebt.
Lieber Stefan, vielen Dank.
Es hat mir großen Spaß gemacht, das alles zu erleben und ich hoffe, dass wir uns nicht das letzte Mal begegnet sind. Danke für deine Gastfreundschaft und die Möglichkeit, nicht nur die Kinosessel, sondern das MinMax und vor allem dich kennenzulernen.
Wenn ich das mal gewusst hätte, hätte ich mehr Zeit eingeplant! 