Das Thema „Verschiebevolumen“ wird ja hin und wieder leidenschaftlich diskutiert, da dachte ich mir, ich versuche mal wieder eine physikalische Klugscheisserei - auch wenn ich damit hin und wieder auf die Nase falle 😬
Beispiel: Badewanne
Wenn ihr in der Wanne sitzt und mit der Hand Wellen erzeugt, dann ist es doch so, dass ihr bei langsamen Bewegungen wenig Widerstand erfahrt vom Wasser (niedrige Frequenz) und bei schnellen Bewegungen der Widerstand viel größer ist (hohe Frequenz). >> das ist quasi der Strahlungswiderstand, der zu hohen Frequenzen hin stark wächst.
Dementsprechend könnt ihr hochfrequente Wellen auch nur mit dem Fingerchen erzeugen - wenn ihr gleichgroße (gleichhohe) Wellen mit niedriger Frequenz erzeugen wollt, dann müsst ihr die ganze Hand nehmen. >> das ist quasi das Verschiebevolumen
Extremfall: ihr versucht mit dem Fingerchen sehr niederfrequente Wellen zu erzeugen, dann fließt das Wasser einfach lokal um den Finger herum und im Rest der Wanne tut sich fast nix!
Unterschied zur Schallerzeugung:
Wasser lässt sich nicht komprimieren, daher türmen sich Wasserberge und Täler in senkrechter Richtung (transversal) zur Bewegungsrichtung der Hand auf. Luft lässt sich aber sehr gut komprimieren, deshalb entstehen die Druckwellen (Zonen mit höherem und niedrigeren Druck) hier in Bewegungsrichtung radial vom Erzeuger (longitudinal).
Wellenlänge:
Auch die Wellenlänge der Schwingung spielt eine große Rolle. Bei niedrigen Frequenzen beträgt die Wellenlänge viele Meter - da ist im Verhältnis selbst ein einzelner 18“ Lautsprecher dann nur ein „Fingerchen“, das im Badewasser herum rührt.
Verschiebevolumen:
Selbst ein 25 mm Kalottenhochtöner kann 40 Hz (oder weniger) produzieren, aber er verschiebt dabei so gut wie nix, daher hört man auch fast nix. Um einen bestimmten Pegel zu erreichen, muss man mehr Luft verschieben, da der Strahlungswiderstand bei 40 Hz so gering ist. Die Luft fließt zwar nicht um den Lautsprecher herum, wie das Badewasser ums Fingerchen, aber die Koppelung an das Luftvolumen des gesamten Raumes (oder Freifeld) ist so schlecht, dass erst bei der lokalen beschleunigung großer Luftmengen auch genug Schallenergie beim Hörer ankommt.
Da die maximale bewegte Luftmenge, die ein einzelner Lautsprecher bewegen kann begrenzt ist, ist auch der erreichbare Schalldruck bei tiefen Frequenzen begrenzt.
Ein 12“er kann vielleicht 20 Hz noch mit 40 dB (Fantasiewert!) erzeugen, mehr aber nicht! Wenn jetzt die Abhörlautstärke sehr gering ist, klingt das ausgeglichen und der Frequenzgang kann sogar linear sein. Drehe ich aber die Lautstärke auf 80 dB, kann er den 20 Hz Anteil trotzdem nur mit max. 40 dB wiedergeben - hat also im Verhältnis zur steigenden Gesamtlautdtärke immer weniger Bassanteil.
anbei mal zwei Tabellen mit Chat GPT Werten für einen einzelnen Lautsprecher und 95 dB in 3 m Hörabstand: