Umfrage: Zerstört Streaming unser Hobby?

  • Das merkt man ja wirklich in den Produktionen, die oft, siehe "The Rip", gar nicht schlecht sind, allerdings wird wirklich ALLES 10x erklärt und dem Zuschauer auf der Tonspur reingedrückt. "Show don't tell" ist ein Fremdwort bei denen.

  • Beim scrollen durch die zahllosen Streaming-Datenbanken verspüre ich hingegen eher das Gefühl frustrierender Resignation, trotz endloser Auswahl :( Zumindest dies ist ein Phänomen, welches sehr viele Menschen verspüren und worüber es auch unzählige Artikel und Yt-Videos gibt. Nur warum verspüren wir diese Leere, obwohl Streaming doch eigentlich alles bietet?

    Ich denke es ist ein ähnliches Phänomen, was es beim Umstieg von der traditionellen Fotographie zur digitalen Fotografie und bei der Transformation von Audio-Medien zu Streaming-Diensten gab. Durch das günstige Überangebot geht die Wertschätzung allmählich verloren.


    Beispiel Fotografie:

    Wenn du früher fotografiert hast, hat jedes Bild Geld gekostet und musste aufwändig entwickelt werden. Man hat sich deswegen vorher genau überlegt, was man fotografiert und war gespannt, wenn der Film aus der Entwicklung kam. Die besten Bilder wurden oft in einem Fotoalbum verewigt.


    Heute knipsen die meisten Menschen wild drauf los (kostet ja nix) und die Sammlungen befinden sich auf dem Handy oder PC aber kaum noch in einem Fotoalbum. Wertschätzung: Deutlich geringer als früher.


    Beispiel Musik:

    Du hast dich auf das neuste Album einer Band gefreut und warst gespannt wie es geworden ist. Während man die Musik gehört hat, hatten viele das Plattencover in der Hand und später das Booklet der CD. Heute bezahlt man dafür gefühlt nix und spielt es per Streaming an. Wenn der zweite Song nicht zündet wird geskipped oder andere Musik gehört. Wertschätzung: Nicht mehr wie früher gegeben.


    Beispiel Film:

    Du wählst einen Streaming-Dienst und kannst aus einem Überangebot von Filmen wählen. Oft spielt man einen Film an, hat dann doch keine Lust drauf und zapped weiter - kostet ja nix. Das schöne Gefühl endlich die langersehnte Special-Edition in den Händen zu halten gibt es nicht mehr. Wertschätzung: Nicht mehr vergleichbar.


    Und nein: Früher war nicht alles besser, aber anders. „Anders“ kann jedoch mitunter schöner sein.

  • Würde ich allerdings nicht auf Streamingfilme reduzieren. Beim letzten Mission Impossible beispielsweise war das auch so, dass alles zehn mal erklärt wurde, bis es auch der letzte kapiert hat.

    Damit hast du natürlich Recht, aber wenn das schon Vorgabe von Netflix ist, dann hätte ich als Regisseur/Drehbuchautor schon keinen Bock mehr, aber die zahlen halt gut. Das macht leider viel kaputt, zum Glück ist das bei den regulären Studios zwar mehr geworden, aber überwiegt bei weitem nicht.

  • Das mag Nostalgie sein - Tröpfeln tat da aber nix. Projektionen auf Leinwänden > 30m und 5 statt 3 Frontkanälen bei denen sich die Stimmen mit den Akteuren auf der Leinwand mitbewegen gefällt mit deutlich besser als die meisten neueren Soundmixes. Hier gibt es natürlich Ausnahmen.

    Keine Ahnung ob du damals in solchen Kinos unterwegs warst. Aber es waren Surround Lautsprecher verbaut. Bei Die Rückkehr der Jedi Ritter gibt es eine Szene wo Han im Verlies befreit wird. Glaube mir es tröpfelte von hinten.

  • Würde ich allerdings nicht auf Streamingfilme reduzieren. Beim letzten Mission Impossible beispielsweise war das auch so, dass alles zehn mal erklärt wurde, bis es auch der letzte kapiert hat.


    Exakt das ist der Punkt - aufgrund der veränderten Sehgewohnheiten der Konsumenten, so wie in den Beiträgen oben beschrieben, werden auch die "richtigen" Kinofilme entsprechend angepasst.

    Insofern ist das ein Aspekt wie Streaming zu einer Veränderung und imo einer Verschlechterung im gesamten führt.

  • Aber das gabs auch früher schon.
    Filme der 70iger haben einen ganz anderen Still als Filme der 2000er. Unabhängig von den technischen Möglichkeiten.

    Gilt natürlich auch für andere Jahrzehnte zum Vergleich, 70er ist mir gestern beim "One Battle after another" gekommen. Wann hatten wir zuletzt minutenlange Autofahrszenen, ohne dass ein Wort gesprochen wurde....

  • Ich denke es ist ein ähnliches Phänomen, was es beim Umstieg von der traditionellen Fotographie zur digitalen Fotografie und bei der Transformation von Audio-Medien zu Streaming-Diensten gab. Durch das günstige Überangebot geht die Wertschätzung allmählich verloren.

    ...


    Und nein: Früher war nicht alles besser, aber anders. „Anders“ kann jedoch mitunter schöner sein.

    Ich würde zwar nicht so weit gehen und den Wechsel von der Disc zum Streaming mit dem Wechsel von Analog zu Digital vergleichen, oder wie hier und im KI-Thread den aktuellen Wandel sogar mit dem Aufkommen der Schreibmaschinen gleichsetzen (da liegen Welten zwischen), vom Prinzip her stimme ich Dir jedoch zu! Das BR/UHD-Angebot ist jedoch ebenfalls gigantisch und eigentlich im Überfluss vorhanden. Dank Rebuy&Co auch vieles zu Spottpreisen.


    Dennoch neigen wir eher und auch immer mehr dazu, unsere Filme trotzdem online zu kaufen, obwohl wir dabei nicht annährend die gleiche Art von Befriedigung verspüren und sogar deutlich weniger für das gleiche Geld bekommen. Vielleicht ist es einfach die bewusste Entschleunigung beim Disc-Kauf, indem man sich für einen kurzen Zeitraum dem Irrsinn dieser Welt entzieht?! Im Alltag leben wir, Dank Handy und Social Media, ja schon 24/7 im Dauerstressmodus, da man jede Sekunde mit einem erneuten PLING rechnet. Streaming, sowohl vom Prinzip als auch vom Inhalt, reitet da auf der gleichen Dauerimpulswelle.


    Und nein, früher war definitiv nicht alles besser! Bild- und Soundqualität haben heute eine Stufe erreicht, die damals undenkbar war und auch kaum noch zu toppen ist.


    Exakt das ist der Punkt - aufgrund der veränderten Sehgewohnheiten der Konsumenten, so wie in den Beiträgen oben beschrieben, werden auch die "richtigen" Kinofilme entsprechend angepasst.

    Insofern ist das ein Aspekt wie Streaming zu einer Veränderung und imo einer Verschlechterung im gesamten führt.

    Correctamundo!

    Und dies geschieht paradoxerweise so schleichend und auch verlockend, dass wir uns zwar nur allzu gerne mit anpassen, den Wandel und die negativen Folgen währenddessen aber trotzdem ganz bewusst wahrnehmen.

    They can be a great people, Kal-El, they wish to be. They only lack the light to show the way.

  • Dennoch neigen wir eher und auch immer mehr dazu, unsere Filme trotzdem online zu kaufen, obwohl wir dabei nicht annährend die gleiche Art von Befriedigung verspüren und sogar deutlich weniger für das gleiche Geld bekommen

    Das würde ich so nicht unterschreiben. Gerade bei aktuellen Filmen kostet die 4K-Disk über 30 €, wenn es überhaupt eine gibt. Der Stream kostet meist zwischen 17 und 20 € (zumindest habe ich es so beobachtet).

    Ich kaufe inzwischen immer mehr Streams, obwohl ich es nicht mag, aber wenn ich ihn unbedingt jetzt sehen will aber nicht denke, dass er so gut ist, um ihn für 36,99 € ins Regal zu stellen, dann zahle ich soviel wie für eine! Kinoeintrittskarte. Selbst wenn er nach ein paar Jahren aus dem Angebot verschwinden sollte, wäre es dann immer noch billiger.

    Bei richtig guten Filmen, die ich kenne oder wo ich überzeugt bin, dass er gut wird, kaufe ich auch heute noch Disks.

  • Hier auch noch ein gutes Video dazu:

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    Aber hier etwas noch viel „schlimmeres:

    Hochformatserien

  • Wobei ich die böse These in den Raum stellen würde, dass die Filme dümmer werden müssen, weil die Zuschauer immer dümmer werden.

    Bestes Beispiel ist doch die Aufmerksamkeitsspanne. Warum muss es heute fast immer schnelle Schnitte geben und Dialoge dürfen auch immer nur kurz und ja nicht zu komplex sein? Bestes Beispiel hierfür ist auch die durchschnittliche Spielzeit von Musikstücken: Seit den 80er Jahren ist diese um mehr als 1 Minute gesunken. Kennt jemand einen Top100-Titel Titel aus dem Jahr 2025 der eine Länge von 4 oder mehr Minuten hatte?

    Und die Aufmerksamkeitsspanne ist ja nur eines der Probleme.

  • Kennt jemand einen Top100-Titel Titel aus dem Jahr 2025 der eine Länge von 4 oder mehr Minuten hatte?

    Ja, auf Platz 5 der Single-Charts 2025 ist Messy von Lola Young mit 4:44. Aber stimmt natürlich schon, dass die Songs immer kürzer werde.


    Bei Filmen ist es übrigens andersrum. Die werden immer länger, weil so der Zuschauer mehr Minuten bei dem entsprechenden Dienst verbringt. Was früher ein guter 90-Minüter gewesen wäre, kratzt heute an der 2-Stunden-Marke.

  • Ich sage mal "ja" zur Ausgangsfrage, das wird leider so kommen.

    Für mich sind physische Medien der Grund, weswegen ich mir ein Heimkino gebaut habe. Die Kombination aus bestem Bild und Ton macht für mich das Erlebnis perfekt.

    Ich arbeite in einer württembergischen Kreisstadt mit rund 100.000 Einwohnern. Im Sommer ´25 hat unser Drogeriemarkt Müller die BD und Uhd Abteilung aufgelöst und bietet nur noch Onlinehandel an. Im Dezember nun wurde der Saturn gleich komplett geschlossen, so dass es jetzt in der Innenstadt keine aktuellen Titel mehr zu kaufen gibt.

    Ich wage noch eine weitere Prognose: Mit unserer Generation, damit meine ich Leute über 40, wird das Thema "physische Medien" enden, bzw. eine hochteure Nische werden.

    Stream ist immer verfügbar, die Kosten sind überschaubar und überhaupt, warum soll man sich diese Staubfänger ins Regal stellen?

    Ich beobachte das ja auch bei mir: Seit ich per spotify meine Musik im Auto streame, habe ich keine CD´s mehr gekauft. Mein Auto hat nicht mal mehr ein Laufwerk....

  • Ich wage noch eine weitere Prognose: Mit unserer Generation, damit meine ich Leute über 40, wird das Thema "physische Medien" enden, bzw. eine hochteure Nische werden.


    Das ist eine durchaus optimistische Prognose - mit einer mittleren "Restlebenszeit" eines z.B. 42-Jährigen von 30 bis 40 Jahren bleiben uns die physischen Medien in diesem Fall noch lange erhalten - oder habe ich Deine Prognose falsch verstanden?

    :)

  • Das ist eine durchaus optimistische Prognose - mit einer mittleren "Restlebenszeit" eines z.B. 42-Jährigen von 30 bis 40 Jahren bleiben uns die physischen Medien in diesem Fall noch lange erhalten - oder habe ich Deine Prognose falsch verstanden?

    :)

    War auch sofort mein erster Gedanke :big_smile:


    Ich glaube (leider) kaum, dass physische Medien sich noch so lange halten. Ich schätze spätestens 2030 werden physische Medien so gut wie verschwunden und nur noch Restposten erhältlich sein. Die Pressung von Kinofilmen rechnet sich nicht, da Kino selbst zur Nische wurde. Die meisten Titel dürften da bereits im Stream Premiere feiern und natürlich exklusiv auf Plattform XYZ erhältlich sein. Eine Vermarktung auf Disc widerspräche der gewollten Kundenbindung an die eigene Plattform.


    Das pressen alter Titel dürfte sich auch nicht mehr rechnen. Schon heute gibt es unzählige Titel, die nicht mehr erhältlich sind oder nur noch zu Mondpreisen. Einige ausgewählte, große Blockbuster werden vermutlich noch einige Jahre von Turbine & Co auf Disc vertrieben. Die Preise dürften aber vermutlich weiter anziehen, womit auch dieser letzte Pfeiler irgendwann im Streaming untergehen wird.


    Und, wie immer, hoffe ich sehr stark, dass ich mit meiner pessimistischen Vorhersage komplett daneben liege...

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  • Tatsächlich eher so, wie Nupsi es schrieb.

    Ich wollte eher so verstanden werden wie bei der Musik: Streaming nimmt immer mehr Raum ein, die Nachfrage nach physischen Medien geht zurück, dadurch steigen die Preise, weil weniger gekauft wird, dadurch wird noch weniger gekauft. Die Abwärtsspirale setzt sich in Gang, bis nur noch eine Nische übrig bleibt.

    Das wird schneller gehen als 30-40 Jahre.

    Filme wie "The Banker" (Apple) oder Juror #7, der auch keine physische Präsenz in Deutschland schaftte, sind für mich erste Anzeichen.

    Wenn dann noch die Qualität in Bild und Ton nicht stimmen, ist der Abgesang bereits jetzt eingeläutet.

    Und ich hoffe auch, dass ich da zu pessimistisch bin.

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