Zwischenbildberechnung - Alternative/Klärungsbedarf

  • Ich verwende in meinem Heimkino einen Optoma UHD65 DLP Projektor, mit dem ich äusserst zufrieden bin. Das einzige was mich wurmt, führt mich nun dazu euch hier zu fragen, denn im Netz gibt es irgendwie kaum bis nur verwirrende Infos zum Thema Frame Interpolation/Zwischenbildberechnung (FI). Ich habe bei meinem Optoma die FI ausgeschalten, da ich den Soap Opera Effekt als extrem störend empfinde und ihn auch schon bei niedrigster Stufe sehe. Auch störend kann aber das 24p Ruckeln sein, obwohl das meiste ist ziemlich "smooth", aber bei langsamen Kameraschwenks ist immer wieder ein Ruckeln zu erkennen bzw. der Schwenk wirkt stotternd/unsauber. Ich würde in diesem Fall Bewegungsunschärfe erwarten, die ich im Gegensatz nicht als störend, sondern normal empfinde.


    Lange Rede kurzer Sinn: Meine Nachforschungen haben ergeben, dass dies im Kino weniger/oder gar nicht sichtbar ist, weil dort die Projektoren alle Bilder zweimal projektieren, also ein 24p Signal in 48hz wiedergeben. Nun ist meine Frage: Warum gibt es nicht FI's die simpel und einfach jedes Bild zweimal auf die Leinwand beamen? Bzw. dem Nutzer die Möglichkeit geben einen Film in 48 ev. sogar 96hz abspielen zu können? Das wäre doch rechnerisch viel einfacher als 3:2 Pulldowns komplexe Objekte-im-Vordergrund-Berechnungen (FI) und dergleichen? Ich kann doch nicht der einzige sein, der schon auf diese Idee gekommen ist? Kennt ihr ev. einen Hersteller, der das so handhabt? Oder habe ich grundsätzlich was falsch verstanden?


    Ich bin gespannt auf eure Antworten/Gedanken/Anregungen!

  • Moin! Da scheint mir ein Denkfehler drin zu sein. Zwischenbildberechnung macht doch dies:


    Frame 1: Auto links im Bild

    Frame 2: Auto in der Mitte

    Frame 3: Auto rechts im Bild


    Auf 3m Leinwandbreite hüpft das Auto also jeweils 1,5m weit, von Frame zu Frame.

    Die Zwischenbildberechnung nimmt jetzt Frame 1 und Frame 2 und zaubert daraus ein Frame 1a, Auto auf dem 1. Viertel - und ein Frame 2a, Auto auf dem 3. Viertel. Damit kriegst Du in der gleichen Zeit (Kino - 24p oder whatever) immer noch die gleiche Strecke hin, das Auto fährt gleich schnell. Aber Du kriegst zwei Frames mehr untergeschoben (oder noch mehr, je nach Variante) und das Auto hüpft nur noch 0,75m statt 1,5m - oder bei mehr Zwischenbildern noch weniger. Das Auge löst das sehr wohl auf und nimmt die Bewegung flüssiger wahr. Analog natürlich zu Deinem Beispiel, Schwenks.

    Einfaches verdoppeln löst das Problem nicht, weil Du je 2x das Auto an der gleichen Stelle sehen würdest.


    Hilft Dir das?

  • Hallo Baylock


    Bei 24fps liegen zwischen jedem Bild 41,666ms. Je schneller der Schwenk, desto mehr "springt" das Objekt im Bild von einer Position zur nächsten.

    Derart niedrige Bildraten sorgen aber auch für einen Stroboskop Effekt, daher zeigt man das selbe Bild mehrfach mit Blende dazwischen.

    Die Kinoprojektoren können mit dem physikalischen Einzelbild ja gar keine Zwischenbildberechnung machen, daher zeigt man es mehrfach.

    Dein TV oder Beamer kann das mit dem digitalen Material aber und tut es auf Verlangen.

    Nun muss Du dich kurz fragen: Was kommt rein - was geht raus ?

    Will heissen erkennt dein PJ die 24 Hz Quellmaterial und gibt er das dann auch 1:1 aus ?

    Ich glaube nicht denn das würde wie erwähnt zu sehr stroboskopisch aussehen. Also macht er eine Art Aufwärtskonversion auf 50 oder 60Hz.

    Das macht wohl jeder Hersteller nach eigenem Gusto.

    Ich weiss die alten 24 Hz aus dem Kino sind extrem ungünstig, weil die für 60Hz Bildrate eben im 3:2 pulldown enden :(gruselig.

    Bei 50Hz Bildrate wird es noch viel blöder, denn man kann die Quelle nicht einfach 4% schneller abspielen um auf ein ganzzahliges Verhältnis für den 2:2 pulldown zu kommen.

    Also irgendwann im Prozess zeigt der PJ dann ein "stolperbild" doppelt weil sein Bildspeicher zur Darstellung leer läuft.


    Gruß, Tux

  • : Warum gibt es nicht FI's die simpel und einfach jedes Bild zweimal auf die Leinwand beamen?

    Weil das nichts mit FI zu tun hat. Streng genommen wird das Einzelbild im Kino auch nicht "zweimal" projiziert, sondern nur kurz mit einer Blende unterbrochen. Dies dient letztendlich der Reduzierung des Flimmerns und hat nichts mit Bewegungsglättung zu tun.


    Hier mal kurz das Prinzip aus der Wikipedia zitiert:


    Um den Eindruck eines bewegten Bildes hervorzurufen, werden Einzelbilder in schneller Folge hintereinander gezeigt. Der Bildwechsel erfolgt heute normalerweise 24 mal pro Sekunde. Dabei verharrt das Einzelbild jeweils kurz im gebündelten Lichtstrahl, bevor der Film ruckartig zum nächsten Bild weitertransportiert wird. Damit der Bildtransport nicht wahrgenommen werden kann, verdunkelt eine rotierende Umlaufblende den Lichtstrahl während des Weitertransports zum nächsten Bild. Die aufeinanderfolgende Projektion von 24 Einzelbildern pro Sekunde reicht zwar für eine ruckfreie Wahrnehmung von Beta-Bewegungen aus, doch werden 24 Dunkelphasen pro Sekunde als störendes Flimmern wahrgenommen. Üblicherweise verdunkelt die Umlaufblende den Lichtstrahl darum ein oder zwei weitere Male während der Stillstandsphase eines jeden Einzelbilds. Jedes Filmbild erscheint also zwei oder drei Mal hintereinander, der Hell-Dunkel-Wechsel kann durch Flimmerfusion und Erhöhung der Verdunklungsfrequenz auf 48 oder 72 Herz vom Auge nicht mehr wahrgenommen werden.

  • Hey Leute, vielen Dank für die Antworten und Erläuterungen - sehr interessant!


    Also mein Projektor zeigt effektiv 24hz an, wenn (was meistens der Fall ist) ich eine Blu-Ray mit 24p abspiele. Darauf habe ich beim Kauf geachtet. Auch hatte ich gelesen, dass DLP's etwas weniger ruckeln. Bin aber nicht so sicher, ob das wirklich stimmt.


    Also müsste es ein Zwischenbildberechnung geben, die die Bilder 2 - 3 Mal projektiert und quasi einen Blendeneffekt simuliert? Z.B. vier Bilder und jedes zweite wäre dunkel? Das wäre doch machbar? Habe ich das so richtig verstanden?


    Ich finde drum was Trick 17 so schöne beschrieben hat (was ja dann leider den Soap Opera Effect kreiert) braucht doch auch viel mehr Rechenleistung bzw. ist viel allfälliger für Fehlinterpretationen im Bild als das zuvor Beschriebene.

  • Also müsste es ein Zwischenbildberechnung geben, die die Bilder 2 - 3 Mal projektiert und quasi einen Blendeneffekt simuliert?

    Das hat dann nichts mit "Zwischenbildberechnung" zu tun (wie der Name schon sagt) und vor allem wird das nicht zum gewünschten Ergebnis führen, tut es im Kino auch nicht.


    Wenn Du ein flüssigeres Bild ohne Sopaeffekt willst, wird das immer auf einen Kompromiss hinauslaufen.

    Die Artefakte bei den FIs treten idR um so stärker auf, je flüssiger sie arbeitet.


    Ich bin auch sehr empfindlich gegenüber Soap, aber die von JVC in der N-Serie arbeitet in der schwächsten Stufe ohne Soapeffekt, aber trotzdem spütbar flüssiger als 24p, für mich perfekt. Einfach mal anschauen.

  • Das mit den Schwarzbildern dazwischen gehört schon zu einer Bewegungsdarstellung dazu.

    Es macht also schon einen Unterschied ob man jetzt z.B. 24 Bilder/s ohne Schwarzbild dazwischen sieht oder z.B. bei 96Bilder/s für 2/96s das Bild dann 1/96s schwarz und dann wieder das nächste Bild für 2/96s,....


    Ich glaube bei Sony TVs die Motionflow haben gibt es eine Einstellung wo dann auch dieses Schwarzbild beigemischt wird.

    Glaube aber nur in Verbund mit FI.


    Also ich gehe mal nicht davon aus, dass man die Vorteile einer flüssigeren Bewegungsdarstellung aber ohne Soap Effekt nur durch einfügen eines Schwarzbildes erhält.

    Ab gesehen davon wird das Bild dann auch, wie gesagt wurde dunkler und das ist etwas das "wir" spätestens bei HDR gar nicht mehr wollen.



    Im Kino war das früher aber vor allem um ein Flimmern zu reduzieren, also ein Gesamtbild-Flimmern weil wirklich zwischen jedem Bild (am Film) ein gewisser Teil schwarz war zumindest weil zwei Bilder ja wirklich physisch nebeneinander (ober/untereinander) vorhanden sind und daher es eine gewisse Umschaltzeit braucht und damit die nicht (bzw. den Filmtransport) auf die Leinwand kam wurde das geshuttert.

    Und um dieses Flimmern zu reduzieren wurden/werden jedes Bild nicht nur einmal an die Leinwand geworfen sondern 2 mal. Also "flimmert" es nicht mit grausigen 24Hz sondern mit nicht ganz so grausigen 48Hz.

    Das ist z.B. etwas auf das ich extrem empfindlich bin. Ich war sooo froh als im Kino die Digitalen Einzug hielten, das Flimmern war weg.


    mfg

  • Wie schon gesagt wurde gab es die "Dunkelpause" (Schwarzbildeinfügung, Darkframe Insertion) im Kino NUR bei analoger Film(band)projektion (35 mm, 70 mm, sowie auch im Amateur und Semiamateurbereich 16 mm, 8 mm, Super8 etc.).

    Das war eine technische Notwendigkeit um den Weitertransport des Films vor den Augen des Zuschauers zu verbergen. Der Film wird ja nicht kontinuierlich vor zwischen Lampe und Objektiv durchgezogen, sonst würde man überhaupt nichts erkennen, sondern jedes Bild muss stillstehend eine kurze Zeit durchleuchtet werden und dann weitertransportiert (das wird über ein Malteserkreuzgetriebe erreicht).

    Den Filmtransport würde man aber auch als Wischbewegung sehen, daher schließt hier kurzzeitig eine Flügelumlaufblende (Shutter) den Lichtweg.

    Bei 24 B/s würde das erheblich flackern, daher hat man üblicherweise eine Doppelumlaufblende mit 4 Flügeln, die zweimal während eines Filmbildes umläuft bzw. einmal während des Weitertransportes und einmal als Unterbrechung des stehenden Bildes.

    Das flimmert dann eben mit 48 Hz, das ist das typische (früher bekannte) "Kinoflimmern".

    Es gibt/gab aber auch sehr gute Projektoren mit Dreifachumlaufblende, die dann mit 72 Hz kaum noch flimmerten.


    Das führt zu einer eher stroboskopartigen Bewegungsdarstellung, die aber trotzdem dem Gehirn eine bessere Bewegungsverfolgung ermöglicht als bei heutigen Digitalprojektoren.

    Diese haben nämlich, egal ob im Kino oder zuhause, keine solche Umlaufblende oder vergleichbare digitale Einrichtungen.

    Wie schon geschrieben gibt es in einigen Heimkinodigitalprojektoren eine Dark Frame Insertion, im Kino gibt es das meines Wissens nach nicht (v.a. wohl wegen der empfundenen Helligkeitsreduzierung dadurch und Zwischenbildberechnungen gibt es im Kino sowieso nicht, sowas dürfte von der DCI auch verboten sein denke ich.


    Digitale Projektoren sind sogenannte Sample&Hold-Displays, ein Bild wird einfach so lange gezeigt bis es vom nächsten überschrieben wird.

    Das führt in der Regel eher zu einer verwischten, verschmierten Bewegungsdarstellung. Im Detail ist das aber noch von der Paneltechnik abhängig, ob DLP oder LCD, LCOS und auch bei LCOS bspw. gibt es noch nativ Unterschiede zw. Sony und JVC.

    Im Kino kommt hauptsächlich (3 Chip) DLP zum Einsatz, aber auch LCOS von Sony (SXRD). Auch da kann man Unterschiede in der Bewegungsdarstellung erkennen.



    Auf der Aufnahmeseite (Kamera) gab und gibt es auch einen Shutter (analoge Filmkameras mit Umlaufblende, aber nur 2-flügelig, Digitalkameras zunächst auch mit mechanischer Umlaufblende, heute mit elektronischem Shutter).


    Hier war die Notwendigkeit natürlich auch bei analogen Kameras, den Filmweitertransport zu verbergen bzw. in der Zeit nicht zu belichten sonst verschmiert alles in Transportrichtung (bei 35 und 70 mm normal üblich vertikal), aber auch für die Bewegungsdarstellung ist das (nach wie vor) nötig.

    Beim normalen Kinofilm arbeitet man üblicherweise mit einem 180 Grad-Shutter, d.h. die Hälfte der max. möglichen Belichtungszeit eines Filmbildes (bei 24 B/s 1/24 s) bleibt dunkel, die Belichtungszeit von 1/48 s ergibt sich.

    (Der Shutterwinkel bezeichnet dabei den Öffnungswinkel der Umlaufblende, auch in Digitalkamerazeiten wird die Bezeichnung shutter angle weiter in der Filmindustrie verwendet).


    Während der Belichtung des Filmbildes erzeugt ein sich bewegendes Objekt ein verwischen auf dem Filmbild entsprechend der Länge der Belichtungszeit (motion blur).

    Durch den motion blur hat man bei der Wiedergabe auf einem Projektor (auch einem digitalen Sample&Hold Display) dann kein totales "Springen" des Objekts, wie hier oben beschrieben, sondern schon eher ein schmieren.

    Ein "Springen" (Stroboskopeffekt) bekommt man mit zunehmend kürzerer Belichtungszeit der Kamera (und damit längerer Dunkelpause), das wird durch kleinere Shutterwinkel erreicht, aber nur ab und an als Stilmittel eingesetzt (z.b. bei Saving Private Ryan am Anfang die Erstürmung des Strandes oder bei Gladiator in Arenaszenen). Sonst wird in sicher mehr als 90% der Fälle der übliche 180 Grad Shutter verwendet.



    Auf digitalen Sample&Hold Displays empfinde zumindest ich die Bewegungsdarstellung als eher schmierend. Insbesondere bei bestimmten Kameraschwenks mit unpassender Geschwindigkeit ( es gibt wohl Kameraleute die das kennen und sowas vermeiden, andere aber wohl nicht. Insbesondere wenn es kein fixiertes mit der Kamera mitbewegendes Objekt gibt dem das Auge folgen könnte).

    Ich bevorzuge hier auch Zwischenbildberechnungen auf niedriger Stufe, da ich auf hoher Stufe (oder auch bei nativem HFR) den Soap Opera Effekt auch zu stark empfinde.


    Wie nun die Zwischenbildberechnungen der einzelnen Projektoren/Hersteller genau arbeiten, ist weitestgehend deren Betriebsgeheimnis.


    Die Unterschiede, auch in den verschiedenen Stufen (gering/hoch oder gering/mittel/hoch etc.) bestehen aber definitiv NICHT nur in der unterschiedlichen Anzahl an Zwischenbildern, denn ein permanent eingefügtes Zwischenbild würde für einen ausgeprägten Soapeffekt schon reichen (das hat mir der "Hobbit" in 48fps HFR im Kino gezeigt - und JA ich mache hier keinen Unterschied zwischen real mehr Bildern pro Sekunde und eingefügten Zwischenbildern, ich sehe da keinen Unterschied).

    Die Unterschiede sind auch darin begründet WANN Zwischenbilder eingefügt werden und wann nicht. Es werden Bewegungsgeschwindigkeiten (-vektoren) in den Bildern analysiert und nur bei bestimmten Geschwindigkeiten (z.b. schnelle Bewegungen) Zwischenbilder eingefügt, bei anderen nicht.

    Das ist leider nirgends für die Öffentlichkeit dokumentiert wie, wann und wieviele Zwischenbilder in den jeweiligen Stufen eingefügt werden. Hier ist man leider auf eigene Sichtungen angewiesen (was aber auch für alle anderen Bildparameter gilt).

  • Warum gibt es nicht FI's die simpel und einfach jedes Bild zweimal auf die Leinwand beamen? Bzw. dem Nutzer die Möglichkeit geben einen Film in 48 ev. sogar 96hz abspielen zu können?

    Also falls das nicht klar wurde: Bei einem Sample&Hold Display bringt das nichts, außer es gibt künstliche Dunkelpausen und die sorgen wieder für Flimmern und empfundene Helligkeitsverringerung.

    Es ist sogar in Realität so dass die Panels (LCD, LCOS, DLP) auch bei 24p Filmen meist mit höherer Frequenz laufen (96 Hz, 120 Hz). Wenn bei 120 Hz ein 24p Filmbild 5mal nacheinander gezeigt wird macht das überhaupt keinen Unterschied als wenn das Panel mit 24 Hz liefe (was es m.W. nach so nicht gibt) und jedes Bild einmal gezeigt würde.


    3:2 Pulldowns

    Der 3:2 Pulldown ist nun aber eine ganz andere Sache!

    Das rührt noch aus der DVD-Zeit her und dem amerikanischen NTSC Fernsehstandard mit 60 Hz (60 Halbbildern), da DVDs nur in PAL (50 Halbbilder, europäisches Fernsehen) oder NTSC (60 Halbbilder) aufzeichnen konnten.

    Bei PAL DVDs hat man sich hier beholfen und den FIlm statt mit 24 B/s auf 25 B/s beschleunigt ("PAL Speedup") und jedes Vollbild in 2 Halbbilder (ergo 50 Hz) zerlegt). Deshalb sind PAL DVDs auch in der Spielzeit um 4% kürzer als der eigentliche Kinofilm oder der Film auf Bluray (in original 24 Hz).


    Bei NTSC mit 60 Hz geht das nicht so einfach. Hier wurde mit einer 3:2 Kadenz gearbeitet, ein Filmbild wird einmal in 3 Halbbilder, das nächste in 2 Halbbilder zerlegt usw.

    Diese Halbbilder mussten dann vom Player oder Display in die korrekten Vollbilder zusammengesetzt werden (für Sample&Hold Displays wie Digitalprojektoren oder LCD TVs etc.) und das Verfahren nennt sich 3:2 Pulldown.

    Die ungleichmäßige 3:2 Kadenz hat aber zur Folge dass Kinofilme auf NTSC DVDs ein eigenes 3:2 Ruckeln zeigen, das so im Film nicht vorhanden ist.


    Das Problem hat man mit Einführung der 24p fähigen Bluray als gelöst geglaubt, mit den Streaminganbietern und v.a. vielen Streamingclients hat man es nun wieder.

    Die meisten Streamingclients arbeiten erstmal in 60 Hz. Einige können bei 24p Filmen auf die Originalbildrate umschalten, andere nicht. Der Fire Stick kann das bspw. nur bei Prime, nicht bei netflix oder Disney+.

    Hier hilft (mir zumindest) auch wieder die Zwischenbildberechnung (auf niedrig) um dieses 3:2 Ruckeln zu glätten.

  • audiohobbit hat ja schon mit den Missverständnissen aufgeräumt. Ich möchte noch hinzufügen, dass es Projektoren gab, die 24 Hz ohne Bildwiederholung und mit Dunkelphasen wiedergeben konnten: Röhrenprojektoren. Ich hatte das damals ausgiebig an meinem Sony 1292 getestet. Es ist wirklich so, dass 24 FPS mit 24 Hz wiedergegeben absolut (!) flüssig sind. Nur das Geflimmer ist natürlich unerträglich.


    Das Interessante ist: mit jeder Bildwiederholung sieht man an bewegten Kanten eine Kante zusätzlich. Bei 48 Hz konnte ich damals zwei Kanten sehen, bei 72 Hz drei und bei einem Sample&Hold-Anzeigegerät schließlich wurde aus der Kante nur noch ein breiter Matsch.


    Die wichtige Erkenntnis daraus ist folgende: schon die erste Bildwiederholung (also 48 Hz) führt dazu, dass es ruckelig aussieht. Jede weitere Wiederholung verschlechtert das Ergebnis nur noch minimal. Der Schritt von 24 Hz zu 48 Hz ist extrem stark ausgeprägt. Das muss man einmal selbst gesehen haben, um es zu glauben. Die Erklärung ist, soweit ich das mal recherchiert hatte, die, dass unser Gehirn in den Dunkelphasen die Bewegung interpoliert. Taucht nun stattdessen das Objekt nach Zeit X noch mal an derselben Stelle auf, beißt sich das mit dem, was wir erwarten und es kommt zu Mehrfachkonturen.

  • Ja das nannte man dann gern mal "stabile Doppelkante" bei Doppelumlaufblende.


    Zum 3:2 Pulldown noch kurz, was ich nicht wusste: Die Filme sind anscheinend nicht in 3 und 2 Halbbildern auf der DVD da das MPEG kompressionstechnisch schlecht wäre, sondern den 3:2 Pulldown macht wohl der Player selber dann.

    Für zeilenbasierte Geräte (Röhren TVs und Projektoren) passt das dann, für Sample&Hold Displays muss dann Display oder Player die Halbbilder wieder richtig zu Vollbildern zusammensetzen (De-Interlacing), wobei es ja auch diverse Probleme gab/gibt.

    Es gibt auch Geräte (z.b. JVC Projektoren) die können aus dem 3:2 Pulldown wieder die originalen 24 Vollbilder generieren und in 24p ausgeben, das nennt sich dann Inverse Telecine (weil der 3:2 Pulldown oder bei PAL der 2:2 Pulldwon auch Telecine genannt wird, also Kinofilme (Cine) ins Fernsehen (Tele) zu bekommen.

  • Für zeilenbasierte Geräte (Röhren TVs und Projektoren) passt das dann, für Sample&Hold Displays muss dann Display oder Player die Halbbilder wieder richtig zu Vollbildern zusammensetzen (De-Interlacing), wobei es ja auch diverse Probleme gab/gibt.

    Viele DVDs waren damals schon in 23,975 FPS gespeichert, so dass man sie auch ohne Deinterlacer sauber als Vollbilder ohne 3:2-Pulldown ausgeben konnte. Zumindest mit einem HTPC. Die meisten DVD-Player konnten wohl nur 50/60 Hz, wenn ich mich richtig erinnere. Ist lange her...:zwinker2:

  • audiohobbit hat ja schon mit den Missverständnissen aufgeräumt. Ich möchte noch hinzufügen, dass es Projektoren gab, die 24 Hz ohne Bildwiederholung und mit Dunkelphasen wiedergeben konnten: Röhrenprojektoren. Ich hatte das damals ausgiebig an meinem Sony 1292 getestet. Es ist wirklich so, dass 24 FPS mit 24 Hz wiedergegeben absolut (!) flüssig sind. Nur das Geflimmer ist natürlich unerträglich.

    ...

    Die Frage ist ob man hier durch die absolute Länge der Dunkelphase einen sweetspot finden könnte.

    Also bei den TVs die das angeblich machen (siehe Sony Motionflow) kann ich, sofern sie es wirklich machen (also das Schwarzbild) kein Flimmern erkennen.


    Also man nehme einen 24fps fähigen digitalprojektor der einen Schiebregeler im Menü hat wo man dann z.B. bei jedem Bild das normal 1/24s an die Leinwand geworfen eben nur 1/24s - (minus) Dunkelphase (einstellbar) gemacht wird.

    Klar braucht man in diesem Fall eine ziemlich hohe Refresh rate. Habe ich das mit 240Hz richtig im Kopf bei den neuen JVCs??


    Also dann z.B. so:

    Bild für 9/10 von 1/24s

    Schwarz 1/10 von 1/24s


    dann wieder neues Bild unsw.


    Wobei man da wohl irgendwann es so hat, dass man zwar ein Flimmern verringert aber dann auch den positiven Effekt nicht mitnimmt.


    mfg

  • Hallo Christian


    Danke für die abrundende Erwähnung des Interlaced Bildes aus dem Broadcast Bereich.

    Genau hier haben sich die TV Hersteller u.a. Panasonic, Philips einen heißen Kampf geliefert, wer das bessere De-Interlacing und anschließende Up-conversion auf Bildraten >50Hz liefert.

    Auch stand alone Technik wie aus den Faroudja Labs war z.B. in DVD Playern mit am Start.

    Für den Inverse Telecine ist es natürlich extrem von Vorteil, wenn man weiss welche Halbbilder man einfach zusammen schieben darf um aus ihnen 1 Vollbild als Ausgang für die Bewegungsschätzung zu machen.

    Kombiniert man 2 falsche dann hat man zw. jeder Bildzeile Bewegung von 20ms und wunderbar gezackte treppenartige Kanten.

    Dazu muss man aber erkennen das es sich vormals um Kino/Vollbild gehandelt hat. Könnt ja auch normaler TV Inhalt sein. Es gab kein Flag/Information im Bild die einem das Verraten haben.


    Im analogen TV war man seinerzeit von der notwendigen Bandbreite für ein Vollbild überfordert.

    Farbe, Bild, und AustastSignal = FBAS musste auf einen Träger moduliert werden.

    Daher wurden alle 20ms nur ein Halbbild übertragen. Erst die ungeraden, dann die geraden Zeilen.

    Der Empfänger "schrieb" das zeilenweise auf seine Bildröhre, deren Phosphore nachleuchten. Der Betrachter sah dann alles wie 1 Bild.

    Ich finde es gruselig, dass wir die Krücke Interlaced mir rüber geschleppt haben in den digitalen Broadcast. Das war nicht notwendig.


    Gruß, Tux

  • Ich finde es gruselig, dass wir die Krücke Interlaced mir rüber geschleppt haben in den digitalen Broadcast. Das war nicht notwendig.

    Da gibt es leider noch mehr gruselige Dinge, die weiterhin mitgeschleppt werden. Z.B. der beschränkte Wertebereich (sogar bei 10 Bit). Und selbst HDMI überträgt noch alle Parameter eines Pixeltakts, wie Schwarzschulter, Syncbreite usw. Alles unnötiger Ballast und potentielle Problemverursacher.

  • Ich weiß nicht, ob man sich mit den schwarzen Frames, egal wie kurz, einen Gefallen tut. Ich nehme immer so viel Licht, wie ich irgendwie bekommen kann und das dann derart zu reduzieren ... Ja, es gibt Filme die das generell nicht gut können und hin und wieder kommt ein Schwenk vor, den ein erfahrener Kameramann so nicht gemacht hätte. Aber das kann man doch eher an einer Hand abzählen, als dass sich ein generelles Abdunkeln durch black-frame-insertion lohnen würde.

    Und: immer Scheibe statt Stream nehmen hilft enorm.

  • Ich weiß nicht, ob man sich mit den schwarzen Frames, egal wie kurz, einen Gefallen tut. Ich nehme immer so viel Licht, wie ich irgendwie bekommen kann und das dann derart zu reduzieren ...

    Das ist natürlich vor bei den für HDR im Grunde viel zu dunklen Projektoren natürlich ein Punkt.

    Jedoch auch hier muss man einen Kompromiss gehen.

    Wenn man Helligkeit verliert, ein Flimmern bekommt und die Bewegung sieht jetzt nicht besser aus als ohne Schwarzbild ist es ein ziemlich fauler.


    Wenn es aber unterm Strich dann so läuft:

    Etwas weniger Helligkeit, kein störendes Flimmern dafür aber flüssige Bewegung komplett ohne Soap und/oder Artefakte, dann kann das vielleicht auch passen.


    mfg

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