The Northman

  • Wenn ich lese, wie hier bspw. über "The Green Knight" abgelästert wird (vor allem mit welchen Argumenten), wird mir Angst und Bang um diesen Film. Offensichtlich sind viele viele von Hollywood so weich gekocht, dass man sich auch mit höchst durchschnittlichen Produktionen schon sehr zufrieden gibt. Kunstfilme haben da keinen Platz in dieser Fast Food Kultur.

    Welche Argumente meinst Du? Und wie kommst Du anhand der Beiträge zu Green Knight auf dieses schmale Brett?

  • Welche Argumente meinst Du? Und wie kommst Du anhand der Beiträge zu Green Knight auf dieses schmale Brett?

    Eben überwiegend keine Argumente, warum der Film


    … so ein Mist

    … so ein Rotz

    … +1

    … seichte Unterhaltung


    ist / sein soll.


    Joe hat ihn nicht verstanden und kann nicht connecten. Verstehe seine Bewertung dadurch.


    Die restlichen Kommentare zum Film helfen mir aber nicht einzuordnen, was denn den Film so schlecht macht, dass es Rotz / Mist sein soll.


    Über Geschmäcker wollen wir nicht streiten. Die Göttin der Kunst (= Film) polarisiert nun mal (was die Kunst auch soll).


    Wenn aber plakativ und wenig motiviert auf einen Film eingedroschen wird, der nun mal handwerklich einiges zu bieten hat (nicht die Handlung resp. Erzählweise, die muss nicht gefallen), dann finde ich das einfach nur schade.


    Mist und Rotz gibt es zuhauf. Das sind dann aber meist Filme, die einfach nur billigst und lieblos von A-Z produziert sind.


    Ist ‚The Green Knight‘ billigst produziert von A-Z? Nö, definitiv nicht. Muss ich ihn deswegen mögen? Nö, auch nicht.

  • Danke für Deine Erläuterungen, die ich gut verstehen kann, auch wenn mir Deine Schlussfolgerungen im ersten Post immer noch nicht nachvollziehbar sind.


    Dass Green Knight handwerklich interessant gemacht sein kann, hat ja niemand bestritten, aber wenn er als langweilig und langatmig empfunden wird und man ihn deswegen nicht mag, ist das kein Indiz, dass man von Hollywood weichgekocht wurde. Da bist Du vielleicht in einer Weise übers Ziel hinausgeschossen, die Du den anderen vorgeworfen hast? 😉 Passiert jedem mal. 😁:sbier:


    Wie fandest Du denn Green Knight?


    On topic: Ich bin schon sehr gespannt suf den Film. In meiner Tageszeitung war eine schlechte Bewertung, die also auf einen guten Film hinweist. 😁


    Anscheinend finanziell kein Erfolg: https://www.google.com/amp/s/v…rt-eggers-1235239646/amp/

  • suke


    möglich, dass ich emotional geschwängert über‘s Ziel hinaus geschossen bin. Es soll niemand pauschal abgestraft werden. Falls das so rüber kam, entschuldige ich mich :sbier:


    Nun, warum diese Bemerkung auf Hollywood bezogen? Weil ich in der Neuzeit in vielen Fällen nur noch Filme vorgesetzt bekomme, die jegliche Innovationskraft vermissen lassen, immer das Gleiche vom Gleichen sind, nur noch Sequels und Prequels, Remakes und sonstige ‚ich geh auf Nummer sicher‘ Filme sind, die mich einfach nur noch anöden und langweilen. Viele Konsumenten goutieren das aber und vieles ‚Belanglose‘ wird unkritisch abgefeiert, weshalb ich mich manchmal schon frage, wo die guten Geschmäcker denn geblieben sind.


    Blockbuster wurden bis in die Nullerjahre großartige produziert. Danach gings mmn steil bergab, zumindest auf die Quantität bezogen.


    Mir gefällt diese Entwicklung nicht. Aber das heutige Konsumverhalten nährt halt diese Industrie.


    Es gibt immer wieder löbliche Ausnahmen, aber die sind im Vergleich zu früher deutlich rarer gesäht.


    Aber wenn einem das nicht gefällt, kann man ausweichen und sich anderweitig orientieren.


    Wenn ich mir vorstelle, wieviele tolle kleine Filme gerade in jüngerer Zeit produziert wurden und die Vielfalt noch nie größer war, macht mich persönlich das froh. Aber solche Filme gehen halt unter, weil das Marketing versagt oder die Filme schlecht vertrieben werden.


    Und für uns alle wäre es eigentlich so wichtig, dass nicht klein bugetierte ‚Kunstfilme‘ Erfolg hätten an den Kinokassen (The Green Knight, The Northman), sodass die produzierenden Studios ENDLICH wieder mutiger werden und neue, frische Ideen toll und aufwendig verfilmt werden können. Wir wollen doch alle inhaltliche Qualitäten und bahnbrechend Neues erleben dürfen.


    Villeneuve und Nolan dürfen sich austoben und ihre Visionen gross budgetiert ins Kino bringen und uns immer wieder neu begeistern mit neuen Ideen. Das reicht mir auswahltechnisch aber nicht. Ich will Vielfalt und neue Seherfahrungen, welche ich hollywoodseitig sehnlichst vermisse.

  • Und ja, ‚The Green Knight‘ finde ich schlicht großartig in vielerlei Hinsicht.


    Ich kann aber sehr wohl verstehen, wenn einem die Inszenierung Mühe bereitet.


    Für mich ist es ein audiovisueller Rausch, der mit jeder Sichtung besser und besser wird. Hierfür bin ich dankbar. Das nährt meine Passion und Liebe zum Film. Und ich bin süchtig nach ‚Liebe‘ :zwinker2:

  • möglich, dass ich emotional geschwängert über‘s Ziel hinaus geschossen bin. Es soll niemand pauschal abgestraft werden. Falls das so rüber kam, entschuldige ich mich

    Respekt. Vielen Dank. :sbier:


    Deinen Ausführungen kann ich nur zustimmen, die Vielfalt hat über die Jahre stark nachgelassen, der Mut der Studios, unkonventionelle Stoffe anzupacken, ist nicht hoch, stattdessen xxxquels ohne Ende. Manchmal haben die auch ihre Reize, klar.


    Dass dies ärgerlich ist, kann ich gut nachvollziehen, mir geht es ja genau so. :sbier:


    Und der Northman scheint ja gerade zu floppen.


    Zeitweise hatte ich den Eindruck, die guten Stories sind in den Serienbereich gewandert, aber da breitet sich auch die Sequelitis aus...

  • Manchmal haben die auch ihre Reize, klar.

    Ja, absolut. Diese Ausnahmen sind aber leider dünn gesät.


    Bezüglich Northman: die Hoffnung stirbt zuletzt. Sie ist aber sehr klein… leider!


    Serien haben ihren Zenit auch längst überschritten. Auch da: ‚Masse statt Klasse‘.


    Es gab da mal ‚New Hollywood‘ in den 70‘. Kommt wieder, nur eine Frage der Zeit.

  • The Northman - (2022, Cinemaxx, dt)

    Bild: nicht zu bewerten.

    Unscharf, kleine Leinwand, die nicht richtig maskiert war und helle Notausgangs-Schilder haben den Schwarzwert nichtig gemacht.

    Ton: auch nicht zu bewerten.

    Leise, kein Bass, kaum Surround.


    Film: (7/10)

    Der Film hat mir durchaus gefallen. Ein bisschen „Der König der Löwen“ trifft „Assassins Creed: Valhalla“.

    Wer Robert Eggers vorherige Filme gar nicht mag (Der Leuchtturm, The Witch), dem dürfte auch dieser nicht besonders zusagen. Auch wenn ich den Film allgemein für etwas zugänglicher erachte. Die Handlung ist wirklich nichts besonderes, aber da die Erzählung eher an eine Epische Nordische Sage erinnert, finde ich das durchaus passend. Schauspieler, Effekte und Komposition haben mir weitestgehend gut gefallen. Die Dialoge waren ein bisschen merkwürdig teilweise. Für mich schwächer als der Leuchtturm und etwas stärker als the Witch.


    Eine vollwertige Review erstelle ich, sobald ich den Film in annähernd adäquatem Format genießen darf.

  • Habe jetzt gerade erst zu dem Film mitbekommen, dass das Studio sich wohl ziemlich viel eingemischt hat und Robert Eggers hat infolgedessen auch schon angekündigt, wieder auf „smaller scale movies“ zu gehen.

    Das große Budget und Filme dieser Größen Ordnung sind toll, aber seine vision durchzusetzen ist ihm wichtiger.


    Erstmal absoluter Pluspunkt für künstlerische Integrität an dieser Stelle.

    Leider ist das Ergebnis jetzt ein Film, der weder Eggers‘ Vision entspricht, noch Mainstreamig genug ist um an den Kinokassen Erfolg zu haben.


    Ich habe eine Review dazu gesehen und fand den Vergleich zu „The Revenent“ sehr passend. Was Studio und Regisseur in diesem Fall besser gemacht haben, ist das man mit Leo einen Box-Office Garanten ins Boot geholt hat, der diesen eher weniger Mainstream-Fähigen Film, trotzdem erstmal für eine breite Masse interessant macht.


    Defoe, Skarsgard und Taylor-Joy haben zusammen wohl kaum ein Drittel dieser Gravitation. Taylor-Joy ist durch „Das Damengambit“ sicher noch am ehesten „Netflix-fähig“.


    Am Ende ist ein echter Eggers mit wenig Budget für Fans wohl interessanter als Halber Eggers mit €100mio.

    Unter‘m Strich für mich trotzdem Immer schade zu sehen, wenn fast alles, was von der Norm abweicht, quasi sicher ein Flop wird…

  • Ist Netflix-fähig jetzt ein Kompliment? oO Hoffe nicht...


    Also halber Eggers ist ja etwas übertrieben, hat er auch selbst schon relativiert. Habe den Northman leider noch nicht gesehen, wird aber noch passieren, wenn auch wohl leider erst im Heimkino.

    Aber klar, je größer das Budget, desto größer leider die Kompromisse...

  • Re: Netflix-fähig

    Jein. Aus künstlerischer sich es sicher eher kein Kompliment.

    Aus finanzieller Sicht ist es natürlich Wünschenswert - und am Ende lebt der Film halt auch vom Geld.


    Ein „halber“ Eggers ist jetzt nicht wie 50% sondern eher wie „kein ganzer“ gemeint. Der Film hat mir ja gut gefallen und hat definitiv die Handschrift von Eggers getragen. Der größere Mainstream-Fokus war aber auch merkbar.


    Mir eigentlich egal. Ich bin Fan von Eggers, ohne dass ich jetzt alle Filme von ihm übermäßig super finde. Ich freue mich schon auf den nächsten Film. Egal ob mit einer Millionen oder ein Hundert Millionen Budget.

  • Ist das denn schon zu definieren, was ein „echter Eggers“ ist? Schließlich hat der Mann vor diesem neuen Film erst zwei full-length Filme gedreht.



    :beated: Die ich beide noch ungesehen hier liegen habe… wir wohl mal Zeit.

  • Schließlich hat der Mann vor diesem neuen Film erst zwei full-length Filme gedreht.

    Genau. Man könnte auch behaupten, der Mann habe seinen Stil noch gar nicht gefunden. :zwinker2:


    Ich habe ihn eben gesehen und mir hat er gut gefallen. Wer hier irgendwas Romantisiertes aus früheren Zeiten erwartet, ist definitiv falsch. Der Film ist rau, düster und es gibt kaum positive Lichtblicke. Man sollte schon in der richtigen Stimmung sein, wenn man ihn schaut.

    Die Geschichte war relativ vorhersehbar. Da fand ich "Der Leuchtturm" deutlich kreativer. Und auch bei "The VVitch" wurde ich stärker überrascht.


    Interessant ist, dass "The Northman" im Gegensatz zu Eggers anderen Filmen praktisch ununterbrochen mit Musik untermalt ist. In den anderen beiden wurde Musik ja extrem spärlich eingesetzt. Gefiel mir aber gut, da sie viel zur Stimmung beitrug.


    Übrigens haben alle seine Filme relativ unübliche Seitenverhältnisse. "The VVitch" kommt im europäischen 1,66:1 daher, "Der Leuchtturm" in 1,19:1 und "The Northman" in 2:1. Abgesehen von der der Unüblichkeit zieht sich da kein roter Faden durch.


    Der Ton hatte recht viele Effekte auf den Surrounds und erstaunlich tiefen Bass. Mein motorisiertes Podest habe ich regelmäßig gemerkt. Meist bei Donnern oder ähnlichen Effekten.

  • Ob ein Regisseur seinen Stil noch nicht gefunden hat nur weil er wenig Filme gemacht hat, finde ich schwer zu beurteilen.

    Bei M.Night Shymalan hat sich die Art Filme Zu machen eigentlich von Tag 1 an durchgezogen, nur dass die Filme seit 1999 kontinuierlich schlechter werden.

    Auch die ersten Filme von Nolan oder Tarantino tragen für mich die grundsätzlich selbe Handschrift wie die aktuellen Filme. Nur sind die aktuellen Filme einfach deutlich aufwändiger, da mehr budget vorhanden.

    Trotzdem gibt es eine Entwicklung besagter Regisseure.


    Bei Eggers ist schon klar zu sehen, was er für Filme machen möchte und man hat schon gesehen, dass dieser Film Richtung Mainstream davon abweicht.


    Zu den Bildformaten. Diese sehe ich in den ersten beiden Filmen eher als Stilmittel, welche für mich sehr effektiv waren.

  • THE NORTHMAN





    Film: 6,5/10 Punkte

    Als im 10. Jahrhundert der junge Amleth mit ansehen muss, wie sein Vater, der Wikingerkönig, getötet wird, schwört er blutige Rache am Mörder. Er flüchtet aufs Meer und kehrt erst Jahre später als Mann zurück, um seine Mutter zu befreien und den Mörder seines Vaters umzubringen. Dafür gibt er sich als Sklave aus und übersieht ein Ereignis, auf das er überhaupt nicht vorbereitet ist.


    Robert Eggers schuf einen düsteren und intensiven Abenteuerfilm, der mit Alexander Skarsgard, Nicole Kidman, Ethan Hawke und Willem Dafoe bestens besetzt ist. Mit Mythen, Märchen, Wikinger lässt sich der Film am besten beschreiben, dem es leider immer wieder an Glaubwürdigkeit mangelt.


    4K-Bild: 7/10 Punkte

    Der 2,00:1-Transfer fällt über die gesamte Laufzeit recht dunkel aus. Die Farben sind stark entsättigt, und die Schärfe ist so gerade noch auf einem guten Niveau für das Medium. Mit gutem Tone Mapping besitzen dunkle Inhalte viel Zeichnung. Dass Innenaufnahmen viel Rauch durch die wärmenden Feuer besitzen, ist der Plastizität auch nicht sonderlich zuträglich. Dem Bild fehlt es insgesamt an auffälligen Spitzlichtern, Brillanz und vor allem typischen HDR-Wow-Momenten. In Summe aber ein guter Transfer, der kaum technische Schwächen offenbart.


    Ton: 10/10 Punkte

    Der Dolby-Atmos-Mix zeigt ab der ersten Sekunde, wohin die Reise geht. Bereits die markante und sonore Off-Stimme im Intro ist körperlich spürbar. Umgebungsgeräusche werden permanent im Raum verteilt. Musik beansprucht alle Speaker, und wenn es dramatisch wird, muss der Subwoofer zur Hochform auflaufen, damit die tiefen und dynamischen Frequenzen mit voller Wucht das Auditorium erreichen. Das bedeutet die verdiente: Höchstpunktzahl!


    Fazit

    Robert Eggers schuf einen intensiven aber zuweilen unglaubwürdigen Abenteuerfilm, der mit seinem grandiosen Cast über die Laufzeit gut unterhält. Das 4K-Bild schöpft die Möglichkeiten des Mediums nicht aus, dafür ist der Dolby-Atmos-Sound auf Referenzniveau.

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