Profi Objektive in Consumer Projektoren - oder JVC DLA X7000 mit VSL-2010 Objektiv

  • Ich wollte eh hier noch ein paar Bilder dazu posten. Meinst ein extra Thread lohnt dafür?

    War mehr oder weniger Plug&Play, da ich das VSL-2010 aus der Visualization Series von JVC genommen habe.

    Das ist ein fixed throw mit 1,0:1 - passt bei mir fast perfekt. Es gibt auch noch das VSL-2012 mit 1,2:1.

    Gebraucht extremst selten, neu teurer als der Projektor dahinter :shock:

    Ich hätte das Glück (oder die weise Voraussicht :zwinker2:), mir schon vor einigen Jahren 2 davon zu sichern :dancewithme

    Die Schärfe von dem Ding ist wirklich beeindruckend! Das macht wirklich alles sichtbar was der JVC zu bieten hat - positives wie negatives... Das unruhige, kriselige durch die PWM Ansteuerung fällt natürlich deutlich auf, auch die Unzulänglichkeiten des E-Shifts. Ich sehe damit selbst bei aktivem E-Shift noch in manchen Szenen deutlich das Fliegengitter!

    Ein 3-Chip DLP wird so noch lange nicht aus dem D-ILA. Aber das matschige, verwaschene wird stark reduziert, es kommen wirklich Details raus, die ich vorher noch nicht wahrgenommen hatte. Besonders in Verbindung mit ein paar Schärfealgorithmen von MadVR kann man jetzt deutlich mehr rauskitzeln als vorher. Also in der Summe der Eigenschaften wirklich ein massives Upgrade. Wer aus seinem JVC wirklich halbwegs anständige native Schärfe rausholen will, dem kann ich so eine Modifikation nur ans Herz legen! :sbier:


    Mit etwas Geschick (und einem befreundeten Feinmechaniker) kann man aber auch ganz andere Objektive an den JVC flanschen. Hab ich auch schon gemacht (mit anderen Projektoren). Anhand der Chipgrößen kann man sich ja leicht den zu erwartenden Throw ausrechnen. Für den JVC würde ich auf jeden Fall ein Objektiv aus einem 3-Chipper nehmen, da bei 1-Chip Objektiven in der Regel die Fokusebene etwas zu nah am Objektiveingang liegt.

  • Hallo zusammen,


    da das Thema offenbar doch ein paar mehr Leute interessiert, will ich ihm doch mal einen eigenen Thread widmen. Sonst ufert es im Profi-Beamer Thread schnell aus und wird unübersichtlich.


    Vielleicht wäre ja ein Moderator so lieb und verschiebt die paar Beiträge hierher :sbier:


    Also nochmal von vorne: ich habe schon vor ein paar Jahren mal 2 JVC DLA VS2000 Projektoren erstanden - hauptsächlich wegen der gigantischen Objektive VSL-2010 die dort verbaut sind. Es gab immer wieder Aspekte, die mir an diesen Projektoren deutlich besser gefielen als an X5000 und X7000. Das eine ist die analoge Ansteuerung der Panels, die später auf PWM umgestellt wurde, was meines Erachtens der Hauptgrund für das etwas unruhige, griselige Bild der neueren JVCs ist. Das kann man leider nicht ändern :(

    Durch meine diversen Erfahrungen mit Profi Beamern und Profi Objektiven kam ich aber immer mehr zu der Überzeugung, dass auch das Objektiv einen nicht unerheblichen Anteil an dem schärferen, knackigeren Bild haben muss. Diese Objektive werden auch heute noch in diversen JVCs aus der Profi-Schiene verbaut und kosten neu fast doppelt so viel wie der Beamer dahinter :shock:

    Jetzt habe ich endlich mal die Zeit gefunden, ein VSL-2010 in meinen X7000 zu transplantieren. Das Ergebnis entspricht exakt den Erwartungen. Die native Schärfe wurde deutlich gesteigert, das wiederum gibt mehr Spielraum für diverse Schärfealgorithmen in MadVR. Der D-ILA ist und bleibt ein D-ILA mit seinen Stärken und Schwächen, aber die Schwächen wurden dadurch merklich abgemildert. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und werde jetzt mal eine Weile damit schauen und weiter optimieren.


    Hier noch wie gewünscht ein paar Bilder des Umbaus:


    Patient mit geöffnetem Herzen:


    Befestigung des Objektivs an der Lens-Shift Mechanik:


    Organspender mit massivem Alu-Klotz (blau) anstelle der etwas filigranen Lens-Shift Mimik. Eigentlich wollte ich das Objektiv auch im X7000 mit dieser massiven Montageplatte befestigen, da es doch sehr schwer ist und weit vorne rausschaut. Leider ist einer der Verstellmotoren so blöd befestigt, dass ich zum Lösen der Schrauben fast den kompletten Projektor hätte zerlegen müssen. Also hab ich es erstmal mit der serienmäßigen Lens-Shift Mechanik versucht. Ist grenzwertig von der Belastung, aber funktioniert. Netter Nebeneffekt - ich habe weiterhin einen elektrischen Lens-Shift. Das schöne ist, da JVC diese Objektive weiterhin verbaut, sind die Befestigungsflansche identisch. Es ist also wirklich mehr oder weniger Plug and Play.

    Blick auf die Lens-Shift Mimik des X7000:


    Kleiner Größenvergleich - schon ein etwas anderes Kaliber :-)


    Objektiv bereits verbaut. Das ist etwas tricky, da die Frontblende des Projektors vorher schon aufgefädelt werden muss. Das Objektiv ist vorne zu dick um durch die Gehäuseöffnung zu passen. Man muss daher mit einem Imbusschlüssel passender Länge und gelekigen Fingern hinter der Frontblende rumfrickeln, um die 4 Objektivschrauben festzuziehen.

    Ach ja, die motorisierte Objektivabdeckung bedarf auch besonderer Beachtung: Einfach nur entfernen ist nicht, dann startet der Projektor nicht mehr. Zum Glück ist er nicht besonders intelligent programmiert... Das einzige was er haben will ist ein ausgelöster Endschalter "offen" um die Lampe zu zünden, und ein ausgelöster Endschalter "geschlossen" um wieder ohne Fehlermeldung herunterzufahren.

    Ersteres erreicht man, indem man den Stecker des Motors abzieht und die Klappe vorsichtig von Hand auf ganz offen kurbelt. Damit bleibt sie dauerhaft auf und hält zugleich den Endschalter. Den Endschalter für geschlossen habe ich vorsichtig mit einem Kabelbinder fixiert. Eine Plausibilitätsabfrage gibt es nicht, also juckt es ihn auch nicht dass jetzt beide Schalter gleichzeitig und dauerhaft auslösen. Der Projektor fährt so fehlerfrei hoch und runter :-)


    Alles wieder zusammen:


    Endlich ein anständiges Objektiv für den Beamer!


    Sieht doch gleich ganz anders aus!

  • Nils hatte mich per PN darauf angesprochen und ich erwähnte ja bereits, dass man prinzipiell natürlich auch andere, "markenfremde" Objektive aus dem Profilager implantieren könnte. Die JVC Profiobjektive sind nämlich kaum zu kriegen und neu unbezahlbar. Andere Profiobjektive hingegen, besonders von älteren Projektoren, gibt es z.T. recht günstig. Ich hatte da auch schonmal vor einiger Zeit mit einem riesigen Sanyo Objektiv an meinem Sim2 rumprobiert, oder jüngst mit einem nicht ganz passenden Christie Objektiv an meinem verblichenen Christie Mirage.

    Man kann sich ganz einfach anhand der Chipgröße den zu erwartenden Throw ausrechnen. Außerdem muss die Fokusdistanz passen. Also die Entfernung der hinteren Fokusebene vom Objektiveingang. Ist sie zu groß, muss das Objektiv weiter vorne/außen montiert werden, das ist noch lösbar. Ist die Entfernung zu kurz (tendenziell bei 1-Chip DLPs), dann kann man nicht nah genug ran und kriegt das Bild nicht scharf. Also tendenziell sind Spenderobjektive aus 3-Chip Projektoren vorzuziehen, da sollte die Entfernung für den kleinen JVC immer mehr als ausreichend sein.

    Man muss dann natürlich einen Montageflansch konstruieren. Ich drucke die dann erstmal in 3D - wenn alles passt muss man was solides fräsen. Bei großen Objektiven kommt man um eine externe Stütze nicht herum. Das Objektiv muss äußerst penibel zur Chip-Ebene ausgerichtet werden, sonst ist es unmöglich, das gesamte Bild scharf zu stellen - Stichwort Scheimpflug!


    Hier mal mein letzter Versuchsaufbau am Christie mit 3D Druck Teilen (das vordere ist eine Blende):




    Ich habe gerade spaßeshalber mal kurz eben dieses Objektiv in einen JVC reingehalten und probiert, ob es sich fokussieren lässt:



    Passt! :respect:

    Damit käme man z.B. rechnerisch auf ca. 1,4:1. Und für Dich FoLLgoTT : Das Bild ist beim Austritt aus dem Objektiv ca. 7cm breit. Könnte eng werden mit der Isco, oder?


    Aber ihr seht, da geht einiges, und ich würde mich freuen, wenn ich den einen oder anderen zu ähnlichen Versuchen bzw. Umbauten ermutigen kann! :sbier:

    Mein Fazit: Es lohnt sich auf jeden Fall!!! Aus einem JVC wird dadurch zwar noch kein 3-Chip DLP, aber einige der Schwächen, eben vor allem die mangelhafte native Schärfe, lassen sich mit einem anständigen Objektiv wirklich deutlich verbessern.

  • Also das ist ja krasser Sch..... was Du hier gemacht hast. Respekt :sbier:


    Vor allem hat mich überrascht, dass es ohne große Umbauten gegangen ist. Bei deiner Ankündigung zum JVC hab ich schon gedacht, Du zeigst ein völlig entstelltes Chassis mit Adapter.


    Durch meine diversen Erfahrungen mit Profi Beamern und Profi Objektiven kam ich aber immer mehr zu der Überzeugung, dass auch das Objektiv einen nicht unerheblichen Anteil an dem schärferen, knackigeren Bild haben muss.


    Das ist im Zusammenspiel mit der Ansteuerung sicher eine großer Pluspunkt. Bei den 1 Chip DLP Konsumergeräten vs 1 Chip Profi mit entsprechendem Objektiv sah die Welt ganz anders aus. Obwohl der gleiche Chip verbaut war. Objektive haben da einen großen Anteil . Das kenne ich auch der Fotografie. Vollformat mit Billigobjektiv gewinnt auch keinen Krieg nur weil es Vollformat ist. Dagegen kriegst Du aus einer APS-C Kamera mit hochwertigen Objektiv Qualitäten raus die so mancher nicht glauben möchte. Die Objektivkosten steigen dann halt auch mal schnell über den Body-Preis.


    Ist grenzwertig von der Belastung, aber funktioniert. Netter Nebeneffekt - ich habe weiterhin einen elektrischen Lens-Shift. Das schöne ist, da JVC diese Objektive weiterhin verbaut, sind die Befestigungsflansche identisch. Es ist also wirklich mehr oder weniger Plug and Play.

    Was meinst Du mit grenzwertig? Die mechanische Befestigung am Chassis?

  • Ja, wenn man Glück hat, so ein JVC VSL zu ergattern, dann ist der Umbau wirklich nicht schwer. Der Throw muss dann halt auch noch passen.

    Mit anderen Profiobjektiven hat man halt viel mehr Auswahl und möglicherweise sogar noch bessere Qualität - dafür wirds dann halt richtig aufwändig mit der Befestigung, Ausrichtung etc.


    Grenzwertig ist hier tatsächlich nur die Belastung der originalen Lensshift Mimik durch das deutlich schwerere und längere Objektiv. JVC verbaut die ja drum ab Werk ohne Lensshift, das ist viel stabiler.

    War mir aber jetzt eben zu blöd, also hab ichs riskiert. Wenn man vorsichtig mit dem Gerät umgeht sollte das passen.

    Und sollte ich bei eingehenderen Tests doch mal noch ein Scheimpflug-Problem bemerken, dann kommt halt doch noch eine kleine externe Abstützung drunter.

  • Ich habe den einen Post, der mir wichtig erschien verschoben, aber du hast ja selbst schon zitiert.


    Ich finde den Umbau stark und habe da direkt Bock drauf :big_smile: Wie lang ist der Projektor jetzt mit dem Objektiv? Nur um zu überlegen, ob das mit Anamorphot noch in die Hushbox geht.

  • Meinen allergrößten Respekt vor dieser technischen Herangehensweise und dem Mut, das Projekt anzupacken. Hut ab! :sbier:


    Da juckt es einem in den Fingern, aber selber würde ich das niemals hinbekommen, mal ganz davon abgesehen, muss man erst einmal ein passendes Objektiv finden. Und die Garantie ist vermutlich flöten.


    Die N-Serie würde vermutlich auch profitieren? Einfacher wäre es, da die Objektivabdeckung nicht mehr motorisch ist.

  • Das mit dem Anamorphot kannst du glaube ich vergessen, da geht ja das Bild vom normalen Objektiv gerade so noch durch...

    Genau das. Bei so einem kurzen Throw kommst eigentlich durch keinen Anamorphoten mehr durch. Und selbst wenn es einen so großen gäbe, würde man sich durch den großen Winkel starke CA und Randunschärfe einhandeln.

    Mal ganz abgesehen davon würdest Du da bei einem Throw von ca. 0,75:1 landen :shock:

  • Meinen allergrößten Respekt vor dieser technischen Herangehensweise und dem Mut, das Projekt anzupacken. Hut ab! :sbier:


    Da juckt es einem in den Fingern, aber selber würde ich das niemals hinbekommen, mal ganz davon abgesehen, muss man erst einmal ein passendes Objektiv finden. Und die Garantie ist vermutlich flöten.


    Die N-Serie würde vermutlich auch profitieren? Einfacher wäre es, da die Objektivabdeckung nicht mehr motorisch ist.

    Danke für die Blumen :sbier:

    Wie gesagt, mit dem JVC Objektiv ist es eigentlich ziemlich einfach - nur eines zu kriegen ist eben das Problem.

    Mit einem anderen Profiobjektiv wird es konstruktiv natürlich etwas herausfordernder - aber auch absolut machbar. Ich finde das lohnt sich!

    Wie viel zahlt man Aufpreis von einem N7 zu einem NX9? Runde 10000€? Größtenteils nur für das bessere Objektiv! Mit einem gebrauchten Profiobjektiv kann man ein vergleichbares Ergebnis für vielleicht 1000€ und etwas Tüftelei erreichen - meiner Meinung nach sehr viel charmanter :byebye:


    Und ja, ich gehe davon aus dass gerade ein N von so einem Upgrade profitieren würde - vermutlich sogar noch etwas mehr als ein X wegen des nativen 4k Panels. Bei meinem X7000 sieht man jetzt nämlich schon sehr deutlich die Grenzen der E-Shift Technik und des dahintersteckenden Processings. Das ist jetzt auf jeden Fall der limitierende Faktor bezüglich Auflösung und Detailschärfe.


    Leider sind mir die N für die schwankende Qualität und den noch schlechteren ANSI Kontrast noch viel zu teuer derzeit. Aber irgendwann hole ich mir auch noch einen zum Spielen :)

  • Hallo.

    Tolle Sache. Man muss sich wohl eher nach trauen.

    Andere Frage bzgl. kriselig PWM.

    Macht aus ein dlp nicht auch? Also auch ein 3chip?

    Stört es dich dort auch?


    Das ist mir nämlich auch aufgefallen im Vergleich zum LCD (wobei ich gar nicht weiß wie der die Helligkeit gesteuert hat) dass das Bild in sich unruhiger/kriselig st beim d-ila.


    mfg

  • Andere Quelle für Profiobjektive wäre noch

    https://gebrauchte-veranstaltungstechnik.de/

    Christie und Barco Teile findet man dort öfter. Sanyo LNS auch, die gibt's auch bei Ebay häufig.

    Nur die JVC Teile wirst dort auch nicht finden. Ich hatte da echt zweimal Glück und ärgere mich bis heute, dass ich bei zwei weiteren, die mir in den letzten Jahren noch über den Weg gelaufen waren, nicht auch noch zugeschlagen habe :blush:

  • Ein DLP wird auch mit PWM angesteuert, ja. Ein DMD ist per se digital und dazu extrem schnell. Der geht immer und nahezu verzögerungsfrei auf Anschlag.

    Eine LCoS Zelle ist dagegen extrem träge und kennt auch Zwischenzustände proportional zur anliegenden Spannung, ist also erst einmal analog.

    Ich vermute dass das der Grund dafür ist, warum hier minimale Schwankungen auftreten zwischen den einzelnen Pixeln und zwischen jedem einzelnen Schaltzyklus der PWM. Das verursacht dann das etwas unruhige Bild.

    Ich finde das echt schade, denn dieser Aspekt war bei den HD Modellen (vor den X) echt angenehmer, ruhiger. Ich meine sogar, Sony steuert immer noch analog an. Warum JVC das nicht mehr hinkriegt ist mir nicht bekannt.

  • Ich finde das lohnt sich!

    Wie viel zahlt man Aufpreis von einem N7 zu einem NX9? Runde 10000€? Größtenteils nur für das bessere Objektiv! Mit einem gebrauchten Profiobjektiv kann man ein vergleichbares Ergebnis für vielleicht 1000€ und etwas Tüftelei erreichen - meiner Meinung nach sehr viel charmanter :byebye:

    Hätte ich doch den N7 nehmen sollen....:beated:

  • Interessantes Projekt! Respekt vor Deinem Mut, den Projektor entsprechend anzupassen. Da die Garantie dadurch verloren geht, wäre das für mich ehern was für die Zeit nach der Garantie. Kannst Du eine genaue Bezeichnung für ein passendes JVC Objektiv nennen, so können ja durchaus mehrere HKV'ler einen Blick hierauf werfen und bei einem Treffer einen Info geben.

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