Der Heimkinoraum von Aries

  • Welche sind das? Mir sind bisher nur Treiber begegnet, die anschlagen können. Der XXLS12 gehört dazu.

    Ich kenne das Ganze seit einem Gespräch mit Anselm Andrian, der mir sagte, dass seine AA 130 Tiefmitteltöner eine progressive Zentrierspinne hätten und praktisch nicht anschlagen könnten. Der gesamte Antrieb stammt wohl von einem PA-Chassis. ich habe zumindest diesen Treiber tatsächlich nie zum Anschlagen bekommen. Betrieben in ~4 l im Auto ohne Subwoofer. Ob es nun an der Konstruktion oder dem recht geringen Volumen gelegen hat, kann ich nicht sagen, aber ich war alles andere als zimperlich mit diesem Treiber.


    Ähnliches kann ich vom 18Sound 12ND930 berichten. Den habe ich ja in meinen Lautsprechern und wir haben ihn einst bei Abacus in seinem kleinen geschlossenen Gehäuse gnadenlos bis 18 Hz (!) runter linearisiert und mal eine Stunde Techno auf Rechtsanschlag gehört. Das war schon beängstigend laut. Da gab es ebenfalls keinerlei Probleme und die Auslenkung wollte irgendwie einen gewissen Wert einfach nicht überschreiten. Das hatte ich so nicht erwartet.


    Das mit der progressiven Aufhängung höre/lese ich vor allem bei PA-Chassis immer wieder und in dem Zusammenhang auch, dass dies ein Anschlagen extrem erschweren würde. Macht ja auch Sinn: Man kann die Zentrierspinne sicherlich so auslegen, dass sie komplett gestreckt ist, bevor die Spule die Polplatte erreicht. Was das nun für Auswirkungen auf alle anderen Parameter hat, weiß ich nicht zu beurteilen, aber ich verstehe es so, dass dieser Parameter der entscheidende ist. Ich denke mal, die Hersteller wägen hier einen Kompromiss zwischen Performance Einbußen und Betriebsstabilität ab.

  • Es findet sich im Inhaltsverzeichnis des Buches "Lautsprecherbau" von Vance Dickason ein Kapitel "Lineare und progressive Aufhängungen der Membran". Falls das wer hat, würde mich eine kurze Zusammenfassung sehr interessieren. Sicherlich nicht nur mich.

    Das Kapitel ist relativ kurz. Im Grunde spricht er das Nullagenproblem (DC Offset) von Bassreflexgehäusen an. Es ist ja so, dass durch die fehlende Luftfeder die Spinne (und ein bisschen die Sicke) die einzige Kraft ist, die die Membran wieder in die Nulllage zieht. Nun sinkt aber Bl mit der Auslenkung und damit auch die Gegenkraft (EMF). Das heißt, es fließt mehr Strom durch die Spule und es kommt zu einer Nullagenverschiebung. Die Membran kommt also raus oder wird reingezogen, was Xmax limitiert. Das kennt ja jeder, wenn sich bei Bassreflexlautsprechern die Membran sichtbar in einer Richtung bewegt. Gäbe es das Problem nicht, würde man nur eine verschwommene Membran beobachten. 30 Hz z.B. sieht man nicht. Was man dort sieht, ist deutlich niederfrequenter und nicht im Musiksignal enthalten.


    Das wird bei PA-Treibern mit einer nichtlinearen Rückstellkraft der Spinne ausgeglichen. Übrigens tritt das laut Klippel bei der zweifachen Resonanzfrequenz am stärksten auf. Mit einem Sinusgong oder -burst kann man das testen. Hifi-Treiber werden in der Regel kaum dahingehend optimiert. Bei geschlossenen Gehäusen spielt es auch keine Rolle, bei Bassreflex dagegen schon. Was ja PA bei praktisch immer genutzt wird.

  • Ich messe das einfach mit einem Zollstock.

    Gibt es da einen Trick oder stehe ich gerade auf dem Schlauch?

    Weil mit einfach mal einen Zollstock anhalten funktioniert das doch nicht oder zumindest nur so pi mal Auge?

    Am ehesten könnte ich mir noch vorstellen, dass man z.B. bei einem Dauerton die Position der maximalen Auslenkung durch vorsichtiges Heranschieben eines Gegenstands markiert und dann ohne Signal den Abstand misst.


    Meistens mess ich zur Dimensionierung bei 20Hz und im ersten Schritt die 10% Klirr (dies ist laut meinem Wissen ungefähr der Bereich wo der lineare Bereich verlassen wird). Die Auslenkung hier ist bei meinen Scan Speaks 30W4558 glaub ich noch ein bisschen unter +-xmax (müsste ich bei einer zukünftigen Vermessung nochmal exakter mitn Meterstab nachmessen).

    Interessanter Ansatz ... mit welcher Software ermittelst Du den Klirr?


    FoLLgoTT

    Nils hast Du nicht so ein Laserteil mit dem Du solche Effekte misst?

    Hast Du evtl. dazu einen Link?

  • Nils hast Du nicht so ein Laserteil mit dem Du solche Effekte misst?

    Hast Du evtl. dazu einen Link?

    Ja, das ist ein Laserdistanzsensor von Baumer. Hier ist beschrieben, wie man den mit Steps (Arta) nutzen kann. Steps hat einen Messmodus, in dem er die Auslenkung so weit erhöht, bis eine definierte THD erreicht sind. Die Auslenkung misst der Laser, die THD das Mikrofon. Man kann die Auslenkung aber auch ohne Laser anhand einer Strommessung abschätzen lassen. Der Laser ist natürlich genauer.



    Normalerweise wird der Treiber ohne Gehäuse gemessen (wie bei Klippel), aber natürlich geht das auch mit Gehäuse. Der Baumer kann bis ca. 400 Hz messen.

  • Interessanter Ansatz ... mit welcher Software ermittelst Du den Klirr?

    Mit dem Standard REW.

    Im Generator kann man dann Sinus oder auch den CEA Burst auswählen und mit RTA messen.


    Das vorhin erwähnte bezieht sich auf eine Gesamtsystemanalyse/-kontrolle am Hörplatz.

    (Die Einzelkomponente selber kann auf viele weitere Arten getestet und analysiert werden.)


    Man kann die Auslenkung aber auch ohne Laser anhand einer Strommessung abschätzen lassen.

    Ist dies mit ARTA oder LIMP möglich? Hast du hiervon Quellen?

    Wäre für mich interessant, da ich bisher nur einen günstigen Sharp Distanzsensor besorgt habe (erheblich günstiger aber nicht so genau wie Dein professionelles), aber noch nicht für die Umsetzung dazugekommen bin :choler:.

  • Ist dies mit ARTA oder LIMP möglich? Hast du hiervon Quellen?

    Ich habe noch mal nachgeschaut. Ich hatte mich etwas vertan. Steps kann nur den THD-limitierten Maximalpegel ermitteln, nicht aber die Auslenkung ohne Laser. Dabei wird dann auch die Spannung gemessen. Siehe hier (Seite 21). Die Auslenkung ohne Laser kann wohl nur Klippel, soweit ich weiß.

  • Da mir Messungen mit dem Zollstock nicht so geheuer waren habe ich ein Reststück eines Kantholzes so zurechtgesägt:



    Das Teil ist 41 cm lang so dass die äußeren Teile an die Schallwand angelegt werden können und Sicke und Konus in den Ausschnitten sind.

    Der breitere zentrale Teil ist so gemacht, dass die Oberkante des aufgeklebten Dichtungsbands im Nullzustand des Lautsprechers ca. 12 bis 13 mm Abstand zur Dustcap hat, also ungefähr das Maß von x_max.

    Damit konnte ich nun anhand "Dustcap hat noch Abstand zum Dichtungsband" besser abschätzen, wie lange die Einstellungen noch im grünen Bereich sind .

    Ein wenig Sicherheitsabstand habe ich gelassen so dass die maximale Auslenkung bei "meiner" höchsten Lautstärkeeinstellung für vollausgesteuerte LFE Signale nun bei ca. +/- 10 mm liegt - das was dann abgeht finde ich schon ganz schön heftig ...

  • Einige hatten ja gefragt wann das Kino denn nun in der Heimkino vorgestellt wird.

    Heute ist es soweit, Michael hat es hier bereits angekündigt:

    HEIMKINO 5/2021 - Leserkino des Monat: CINEMA INCOGNITO


    Der ein oder andere wird sich nun vielleicht wundern, dass das Kino als "Cinema Incognito" genannt wird - und das wo der Aries doch mal geschrieben hat, dass er Namen für Heimkinos unnötig findet ...

    Nun, es musste eine Überschrift her, und da erschien mir der Bezug "incognito" sehr passend, da ich selbst anonym bleiben wollte und das KIno bei mir sehr dezent untergebracht ist (so wie auch im Artikel beschrieben).

    Bling-bling ist halt nicht so meins und ein Heimkino spiegelt ja immer auch ein Stück den Charakter des Besitzers wieder.

    :)

  • HEIMKINO 5/2021 - Leserkino des Monat: CINEMA INCOGNITO

    Erstmal Glückwunsch zu dem Artikel! :sbier:


    Ein paar Worte zur Aries M und weil es immer wieder falsch genannt wird (auch so in dem Artikel): es handelt sich nicht um eine D'Appolito-Anordnung. D'Appolito hatte damals das Ziel, die Probleme von der damals bereits existierenden THT-Anordnung (Tieftöner - Hochtöner - Tieftöner) zu verbessern, indem er eine Weiche 3. Ordnung, einen geringen Abstand und eine niedrige Trennfrequenz wählte. Sein Ziel war nicht, eine enge und dazu noch konstante Abstrahlung zu erreichen. Ganz im Gegenteil, sie sollte durch die Maßnahmen eher breit sein. Nur, weil die Aries M irgendwie ähnlich aussieht, verfolgt sie noch lange nicht dasselbe Konzept. :zwinker2:


    Es handelt sich bei der Aries M um einen Lautsprecher, der die vertikale Richtwirkung durch Interferenz von Treiberpärchen erzeugt. Erst die vielen Wege, bestimmte Trennfrequenzen und der lange AMT machen das Abstrahlverhalten so gleichmäßig. Ein ähnliches Konzept hatten Horbach und Keele vorher bereits entwickelt, allerdings wurde damals keine Lösung für den Hochtöner präsentiert, denn als kleine Kalotte strahlt der wieder breit ab. Und es wurden spezielle FIR-Filter verwendet. Bei der Aries M führten dagegen schon linearphasige Linkwitz-Riley-Filter zum Ziel. Die Horbach-Keele-Filter hatten wir damals natürlich auch ausprobiert, sie brachten aber keinen echten Mehrwert, erforderten aber deutlich mehr Taps im DSP als die jetzige Lösung.

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