Beiträge von FoLLgoTT

    RE: Corona und seine Auswirkungen auf uns (High End abgesagt)

    Ich gebe zu, ich fand's lustig.

    Wie man an den Reaktionen sehen kann ist der norddeutsche Humor aber nicht jedermanns Sache.

    Auch wenn Corona bei einigen die Urlaubspläne durcheinander geworfen hat sollte man doch trotzdem seinen Humor behalten ... finde ich zumindest.


    Nimm es mir nicht übel, aber als Kinderloser hat man einen völlig anderen Blickwinkel.


    Aries, wir kennen uns. Du weißt, dass mein Humor in der Realität extrem derbe und schwarz ist. Ich weiß aber, wann ich ihn anbringen darf und wann nicht. Viele hier wären extrem pikiert, wenn ich so manchen Spruch hier rauslassen würde. Tue ich aber nicht.


    In dem Fall mit dem Urlaub ist es einfach so, dass bestimmte Leute (dich anscheinend eingeschlossen) sich nicht vorstellen könne, wie es ist, wenn man den Urlaub emotional wirklich braucht. Das mag bei kinderlosen Pärchen, die dreimal im Jahr in den Urlaub fahren nicht so sein. Mit Kleinkindern sieht das völlig anders aus. Da ist ein Tapetenwechsel nach einer langen Zeit ohne Arbeit und ohne große Kontakte extrem notwendig, vor allem, wenn geplant ist, das Oma und Opa die Kinder zeitweise abnehmen (jeder mit kleinen Kindern weiß, wie viel das wert ist). Mehr schreibe ich dazu nicht, das ist mir zu privat. Der Witz ist bei mir jedenfalls in dem Kontext einfach angeeckt. Da fehlte mir die Empathie auf der anderen Seite.


    Ja das würde dann zu Filterblasen führen wie sonst schon im Netz.

    Genau das war auch mein Gedanke. Daher halte ich die Idee, Moderator in seinen eigenen Threads zu sein, auch nicht für gut, auch wenn ich es mir manchmal gewünscht hätte. Das Problem verstärkt sich dadurch eher und ein Wissensaustausch findet auch weniger statt.

    Ich finde es interessant, dass "Ground Zero" für einige langjährige User so schockierend war. Ich schreibe bewusst nicht "alte Hasen", denn das sind die meisten Beisammen-Rübergemachten ja genauso. Teilweise sogar noch "älter", denn die waren schon bei Beisammen oder sogar im AV-Forum, bevor dieses Forum existierte.

    Im Grunde erleben wir normale Evolution, wenn ein Forum schlagartig wächst. Man ist plötzlich auf seinen Spezialgebieten nicht mehr der dickste Karpfen im Teich, sondern muss ihn teilen. Wer das nicht kann, zieht sich zurück. Oder er bleibt und lernt, lehrt und kämpft für die Wahrheit. Dann aber bitte belegbar und sachlich. Eine Diskussionsart, die im Moment nicht wirklich in Mode ist.


    Zu den Anfeindungen: die sind in der Tat in letzter Zeit reichlich eskaliert und ich nehme mich da auch nicht aus. Vielleicht wäre mal wieder ein bisschen mehr Abstand zur Forenwelt angebracht. Das hilft meist, die Aussagen der "Typen aus dem Netz" weniger ernst zu nehmen. Man beißt sich sonst zu gerne fest und entwickelt eine Art Zwang, Recht zu behalten. :zwinker2:

    na ja, sooo lange ist es ja auch nicht her :zwinker2:

    Naja, mein Mailverkehr zu dem spezifischen Problem ist drei Jahre her. :zwinker2:

    da noch einige weitere der meinung sind das beim tonemapping die farben geraten werden müssen, wäre es schön wenn du abschliesend dazu noch was sagen magst. um über den iststand aufzuklären, den halt nicht jeder kennt.

    Da muss ich dich leider enttäuschen. So tief stecke ich da nicht drin, was Sättigungsanpassung usw. angeht. Das kann nur madshi selbst beantworten.

    gibts da schon einen lösungsansatz, oder ist das jetzt erst mal der ist zustand?

    Auch das kann ich dir nicht sagen. Ich musste wegen der Kinder einige Jahre auf Sparflamme im Hobby unterwegs sein, so dass ich auch nicht alle Diskussionen zu HSTM komplett verfolgt habe. Aktuell ist madshi anscheinend komplett mit dem Envy "geerdet". Das heißt, da tut sich gerade nicht viel bei madVR. Und wann die inoffizielle Beta endlich mal zu einer offiziellen Version (mit Dokumentation) wird, weiß ich auch nicht. Da bin ich einfach der falsche Ansprechpartner.


    Nebenbei: wenn man wirklich mal das Tone Mapping zwischen einem Radiance und madVR vergleichen wollte, sollte man sich eine Capture-Karte holen und das Bild aufzeichnen. Dann kann man auch Screenshots direkt nebeneinander stellen. Alle Vergleiche mit langer Umschaltverzögerung sind ziemlich fraglich.

    Soweit ich das mitbekommen habe, ging es damals um folgendes Problem: wenn man bspw. die Anfangsszene vom Mad Max nimmt, kurz bevor Mad Max gefangen genommen wird. Er steht vor seinem Auto und an der Kante dieses Auto ensteht durch die Reflexion ein Highlight. Dieses Highlight war teilweise blau.

    Das Problem kenne ich. Ich hatte madshi damals per Mail darauf hingewiesen, bevor das im AVSForum diskutiert wurde. Es war übrigens damals schon so, dass die Tone-Mapping-3D-LUTs, die man mit DisplayCAL erzeugt hat, dieses Artefakt nicht gezeigt haben. Von Anfang an. So kam ich überhaupt darauf, dass es besser ging.


    Wie auch immer, das ist alles lange her und die Kinderkrankheiten sind raus. Von daher sollten wir nicht mehr irgendwelche alten Fehlern diskutieren (verwirrt Mitlesende nur) und können uns auf den Iststand konzentrieren. :)

    Können wir bitte zum Thema zurückkehren. Die Konkurrenz zwischen den Systemen hat nicht mit der Funktionsweise von Tone Mapping zu tun. :)


    madshi meinte damals aber HDR würde nach 10.000 nits PRO FARBE "verlangen" und das wäre ja ein Fehler (ja wäre es) und ich habe nicht verstanden warum und wie er da drauf kam.

    Ist dir das Problem bekannt, Nils, ist das gelöst?

    Ich kann mich ganz dunkel daran erinnern, dass das mal ein Thema war. Ich habe lange nichts mehr dazu gelesen. Es klingt auch ziemlich falsch. Vielleicht war das ein Missverständnis aus der Anfangszeit, als HDR noch nicht so gut verstanden war wie heute.


    ok , danke! das ist dann aber bei deinem beispiel mit der giraffe nicht wirklich schön gelöst.

    Genau, aber das ist auch ein Bild, dass sich zum Großteil in den Highlights abspielt und repräsentiert nicht den Durchschnitt. Solche Bilder vertragen sich anscheinend (noch?) nicht gut mit HSTM.

    also grob gesagt es wird immer mit so wenig licht gearbeitet wie geht, damit der kontrast am höchsten bleibt?

    Andersrum: es wird versucht, den Kontrast zu maximieren, indem bestimmte Stellen so weit wie möglich angehoben werden. Wo bei die Stärke der Anhebung parametrierbar ist.


    würde noch effektiver gehen wenn das bild in mehr zonen unterteilt würde. wird sicherlich noch kommen die böse konkurenz macht das schon :zwinker2:

    Ich weiß nicht genau, wie der Algorithmus im Moment arbeitet, aber ich denke, wir können davon ausgehen, dass da noch weiter optimiert wird. :zwinker2:

    aber nach meinem verständnis macht HSTM, oder ihre möglichen einstellungen noch was. es ist schwer zu erkären, auch grob gesagt werden pixel dazu gezaubert die da nicht hin gehören um einen besseren eindruck zu vermitteln. leider ist ja jede, auch konstruktive kritik zu madvr unerwünscht und deshalb bekomme ich dazu keine wirklichen infos...

    Ich verstehe nicht, was du meinst. In meinen Vergleichen wurde nie etwas hinzugezaubert (direktes Hin- und Herschalten). Das kann nicht durch HSTM passiert sein. Bist du sicher, dass da nicht noch andere Regler hochgedreht waren (Schärfe z.B.)? Hast du Beispiele?


    Ansonsten darf man hier natürlich immer Kritik äußern, wenn sie begründ- und belegbar ist. Ich wünsche das ausdrücklich und habe mich übrigens gleich im ersten Beitrag kritisch zu dynamischen Tone Mapping geäußert. Mach das mal im Hifi-Forum, da wird man von dem "Pöbel" gelyncht. Ohne rationale Begründung. Nur, weil die von anderen blind übernommenen Settings gerade "in" sind. :big_smile:

    vor HSTM hatte ich die möglichkeit kontrast (oder besser gesagt bildtiefe) gegen helligkeit zu tauschen, beides ging irgendwie bei madvr nicht. was macht jetzt HSTM?

    Dafür ist HSTM auch nicht da. Das machen die "Display Peak Luminance" und "Dynamic Target Nits"-Parameter.


    Nach meinem Verständnis macht HSTM folgendes:

    Beim Tone Mapping wird der höchste, im Bild vorkommende Wert auf dem Maximalwert (also Weiß) gesetzt. Das heißt, es kann einen großen Bereich geben, der eigentlich über 100 IRE dargestellt werden soll, aber durch das Tone Mapping kleiner als Weiß dargestellt wird. Damit die Details erhalten bleiben.


    Beispiel: ein Bild hat Werte bis 1000 Nits. Also auch alles zwischen 100 und 1000 Nits. 1000 Nits wird auf Weiß gesetzt. Der restliche Bereich wird knapp darunter verteilt und zwar so, dass man ihn noch differenzieren kann. Nun sind die Werte >100 Nits aber räumlich "irgendwie" im Bild verteilt. Das heißt, es kann Bildbereiche geben, die gar keine Highlights besitzen. Die sind durch die Kompression jetzt aber merklich dunkler, weil ja noch "Reserve" für die 100 - 1000 Nits vorgesehen ist. Genau diese Bildpartien hebt HSTM wieder an, es stellt also den Kontrast lokal wieder her, der in der Bildpartie eigentlich vorliegen soll. Allerdings nie höher als notwendig.


    Die Bildteile werden also bezüglich des Tone Mappings unterschiedlich behandelt.


    madVR ist optimiert auf das Tonemapping innerhalb der Video-Norm.
    Ob es die 10Bit Videonorm mit dem BT2020 Farbraum 100% korrekt in den 8 Bit CCIR Farbraum von JPEG umrechnen kann ;)

    Ich kann das Bild auch als Bitmap speichern, nur wegen der Größe nicht ins Forum stellen. Also schieben wir JPEG am besten zur Seite. :)

    Übrigens sehen die Formate praktisch identisch aus. Viele Konvertierungsfehler werden in ihrer Wirkung stark überhöht. Das merkt man erst, wenn man direkt hin- und herschaltet. 10 Bit gehört übrigens auch dazu.

    Und, IMHO, ist das bei HDR mit einem Screenshot nicht gegeben.

    Das hat ja auch keiner Behauptet. Ich habe sogar geschrieben, dass es nicht geht. :zwinker2:

    Dann hat man noch immer das Problem, wie das Screenshot Script die Video-Farben auf PC-Farbnorm umrechnet und wer von uns nutzt einen kalibrierten, HDR fähigen Monitor? Erweiterten Farbraum können zwar viele Monitore, aber Win und die meisten Grafikformate nutzen nur einen eingeschränkten 24Bit Farbraum.

    Das ist alles richtig. Das "Screenshot-Script" ist in dem Fall aber einfach madVR.


    Man kann das Bild grundsätzlich nicht so darstellen, wie es kodiert ist, denn es liegt ja in YCbCr 4:2:0 vor und das ist nicht darstellbar. Alle Anzeigegeräte arbeiten mit RGB 4:4:4. Das heißt, eine Konvertierung von YCbCr nach RGB und das Chroma-Upsampling sind immer notwendig. Auch die Konvertierung von Video- auf PC-Levels ist immer notwendig, denn das Anzeigegerät bildet ja den digital definierten Schwarzwert intern auf sein absolutes Schwarz ab (gilt für Weiß genauso). Genauso muss die EOTF immer entzerrt werden, denn kein digitales Anzeigegerät kann sie nativ darstellen. Die Panels arbeiten mit linearen Werten.


    Was natürlich nicht zwingend notwendig ist, ist die Konvertiertung nach 8 Bit (ein PC kann auch 10 Bit ausgeben) und die Verkleinerung des Gamuts. Ersteres ändert aber nicht grundsätzlich das Aussehen des Bildes. Letzteres ggf. zwar schon, aber nur in stark gesättigten Szenen, die über die Grenzen von BT.709 hinausgehen. Für die Tone-Mapping-Vergleiche ist daher beides vernachlässigbar.

    100 nits hat dein Projektor?

    Die tatsächliche Leuchtdichte des Projektors ist irrelevant, wenn man sich von der absoluten EOTF nicht treiben lässt. Man kann ja einstellen, was man möchte. Ich gebe damit an, dass ab 100 Nits Tone Mapping stattfindet.


    Über 10 nits wird tonemapped?

    Nein, welche Formel genau hinter dem Parameter steckt, weiß ich nicht. Bei 20 z.B. kommt am Ende in hellen Szenen Tone Mapping zwischen 100 und 150 Nits heraus. Wie genau sich das errechnet, hat madshi sicherlich irgendwo in den Untiefen des AVSForums mal geschrieben. Ich finde es auf die Schnelle nicht.

    Darf ich fragen was du für dich am ehesten auswählst mit Rücksicht auf deinen Projektor?

    Oder variierst du das je nach Film?

    Tja, ich spiele immer mal wieder mit den Optionen rum und versuche für mich das Optimum zu finden. Aktuell habe ich 100 Nits und "dynamic target nits" auf 10 und Highlight Recovery auf "very high" und Contrast Recovery" (HSTM) auf Soulnight's mirror" eingestellt.

    Das Problem ist, dass es immer Szenen gibt, in der eine von den Einstellungen nicht so günstig ist. Z.B. bewirkt "Contrast Recovery" genau das Gegenteil, wenn sich das Bild fast nur in den Highlights abspielt und man die Target Nits nicht hoch genug einstellt. Das dreht es sich quasi um.


    Ohne HSTM:


    Mit HSTM:


    Histogramm:


    Man könnte argumentieren, dass das nichts mehr mit ordentlichem Grading zu tun hat, wenn sich fast alles in den Highlights abspielt. Aber es gibt auch in Filmen immer mal wieder helle Szenen, bei denen HSTM kontrastmindernd wirkt bei zu niedriger Target Nits. Erhöht man die Target Nits (egal ob statisch oder dynamisch), wird der Effekt geringer.


    Rücksicht auf den Projektor muss man aus meiner Sicht nicht unbedingt nehmen. Es ist einfach die Frage, wie man HDR darstellen möchte. Ein Dunkelkucker mag sicherlich mehr Dynamik für die Highlights reservieren, einem Hellkucker mag das dagegen zu dunkel sein und er stellt es sich lieber ähnlich dem Blu-ray-Pendant ein (die ja grundsätzlich auch gut aussahen). Das ist letztendlich eine Frage der Vorliebe. Man teilt sich den nativen Dynamikbereich des Projektors nur anders ein. Leider Geschmackssache.


    Was ich jedenfalls nie machen würde, ist, auf die absoluten Nits zu bestehen. Damit tut man sich keinen Gefallen und kommt nicht zwingend dahin, wie es für einen selbst am besten aussieht. Leg dir das Referenzweiß dorthin, wo du es haben willst und höre auf niemanden. Es gibt beim Tone Mapping leider keine "ultimativen Referenzeinstellungen". Wer sowas behauptet, hat nichts verstanden. Also derlei Tutorials lieber schnell überlesen! :zwinker2:

    Oder variierst du das je nach Film?

    Bisher nicht und ich will das auch nicht. Vor allem weiß man es nicht, bevor man den Film nicht gesehen hat und bestimmte Parameter ausprobiert hat. Ich wähle daher eher die robuste Einstellung, die immer gut passt. Ich bin es leid, ständig nachzujustieren. Aus dem Röhrenzeitalter sind wir lange raus...:big_smile:



    Die HTSM und nicht-HTSM Version unterschieden sich in der Forumssoftware fast nicht von einander. Beim switchen der Bilder in der Forensoftware wird ein neu aufzubauendes Bild kurz mit Helligkeitsverlauf eingeblendet. Das macht ein direktex Vergleichen sehr schwer, da man nicht direkt den Unterschied erkennt. Wenn man die beiden JW2 Bilder aber extern Vergleich ist es sofort ein rießen Unterschied.

    Danke, das ist mir auch schon aufgefallen. :sbier:


    Ich empfehle immer, zwischen den Screenshots in einem Viewer auf dem PC hin- und herzuschalten. Dann werden die Unterschiede offensichtlich. Die Umschaltzeit sollte möglichst gering sein. Ich untersuche diverse Dinge schon seit Jahren so und prüfe das immer im Heimkino am Projektor gegen. Man bekommt relativ schnell ein Gefühl dafür, wie es aussehen kann oder ggf. auch muss bzw. was Fehler sind usw.

    HSTM

    HSTM bedeutet „Histogram Shaped Tone Mapping“. Hierbei werden Bildbereiche analysiert und das Tone Mapping individuell durchgeführt. Das heißt, Bereiche mit Highlights, die den Maximalwert nicht erreichen, können angehoben werden. Der Kontrast wird somit lokal verstärkt. Dabei wird der Kontrast aber nie stärker angehoben als er im Quellmaterial kodiert ist. Die Werte unter 100 Nits bleiben von HSTM unangetastet. Man könnte HSTM also als „Kontrastwiederhersteller“ bezeichnen.


    Ohne HSTM:


    Mit HSTM:


    Clipping (ohne Tone Mapping):


    Man achte auf ihre Wangen. Hier sind die hellen Bereiche angehoben, was auch besser zu der Version mit Clipping passt. Der Kontrast wird also lokal wiederhergestellt.



    Highlight Recovery:

    Die Einstellung für das "High Recovery" in madVR sorgt dafür, dass die Struktur in Bildbereichen über 100 Nits besser erhalten bleibt. Sie hat häufig gar keinen Einfluss, in bestimmten Szenen dagegen einen relativ großen. Hier ein Beispiel für einen großen Effekt. Die Szene hat übrigens Werte > 9.000 Nits, reizt den Wertebereich also fast aus.


    Ohne Highlight Recovery:


    Mit Highlight Recovery:


    Man sieht schön die verstärkte Struktur oben Rechts in dem Nebel.


    Hier noch mal das Histogramm von der Szene, in der man sieht, wie das Verhältnis zwischen den Bereichen unter und über 100 Nits ist:

    Da in letzter Zeit viel über HDR und Tone Mapping diskutiert wurde, möchte ich hier mal an Hand von Screenshots einige Sachverhalte zeigen. Mir geht es zum einen darum, wie HDR ohne Tone Mapping dargestellt wird und zum andere, welche Parameter madVR inzwischen implementiert hat, die das Tone Mapping beeinflussen.


    Für HDR ist bekanntermaßen eine neue EOTF (landläufig "Gammakurve" genannt) spezifiziert. Diese ist steiler als die alte Potenzfunktion und passt besser zu unserer Wahrnehmung. Das heißt, die Helligkeitswerte sind günstiger verteilt, so dass Banding in dunklen Töne reduziert wird. Zusätzlich sind die Werte in 10 Bit pro Komponente abgelegt statt wie früher nur 8. Weiterhin definiert die EOTF ein Referenzweiß (100 Nits), welches bei der Hälfte Kurve liegt. Das heißt, die linke Seite beinhaltet den "relevanten" Bildanteil und der Rechte ist für Highlights vorgesehen, die bis zu 100 mal heller dargestellt werden sollen als das Referenzweiß. "Highlights" führt allerdings zu der Erwartungshaltung, dass dort wirklich nur unwichtige Informationen untergerbacht sind. Das ist leider je nach Film nicht zwingend so. Aber dazu später mehr.


    Um HDR auf einen nicht-HDR-fähigen Anzeigegerät darzustellen, muss die EOTF in eine Potenzfunktion mit dem Faktor 2,2 konvertiert werden. Das mache ich bei all den Screenshots, sonst könntet ihr die auf dem Monitor oder Smartphone nicht so ansehen, wie sie gedacht sind. Wichtig ist, zu verstehen, dass diese Anpassung ein Bild nicht grundsätzlich anders aussehen lässt! Der Gamut ist natürlich auch auf BT.709 konvertiert.



    HDR ohne Tone Mapping

    Zunächst möchte ich zeigen, wie ein HDR-Bild ohne Tone Mapping aussieht. In diesem Fall gehen wir davon aus, dass das Anzeigegerät 10.000 Nits darstellen kann und einen sehr hohen Kontrast besitzt.



    Warum ist das so dunkel? Das liegt daran, dass nun alle Werte bis 10.000 Nits im Bild vorkommen. Der Bereich ist also extrem groß. Die relevanten Bildinformationen sind im Wertebereich ganz unten angesiedelt. Highlights über 100 Nits sind im Bild zwar vorhanden, allerdings nur bis 433 Nits. Die 10.000 werden nicht erreicht, daher ist keiner der Pixel weiß. Auf einem Anzeigegerät, dass 10.000 Nits darstellen kann, wäre der relevante Bildinhalt ganz normal hell.



    Clipping

    Nun kann man ja auf die Idee kommen, einfach nur bis 100 Nits darzustellen und alle Werte darüber abzuschneiden (Clipping). Das sieht dann so aus:



    Wie man sieht, zeigt der Hintergrund keine Details mehr. Alles Werte über 100 Nits sind auf denselben Wert (Weiß) gelegt. Das ist zwar keine praktikable Lösung, einen Film zu schauen, aber sehr aufschlussreich, wenn man wissen möchte, wo "Highlights" im Bild vorkommen.

    Das Histogramm zu dem Bild sieht übrigens so aus. Der graue Bereich links ist alles unter 100 Nits, der weiße rechts ist alles über 100 Nints. In dieser Szene ist also schon gut Bildinhalt in den Highlights vorhanden.




    Statisches Tone Mapping

    Nun können unsere Anzeigegeräte weder 10.000 Nits, noch ist ein Bild mit Clipping wünschenswert. Also bleibt nur Tone Mapping. Tone Mapping macht nichts anderes, als die Werte über 100 Nits sichtbar zu machen, ohne den Bereich darunter zu stark zu beeinflussen. Das geht, indem die Highlights komprimiert werden. Ihr relativer Abstand zueinander wird stark verkleinert. Damit sie nun unter 100 Nits noch "reinpassen", muss alles unter 100 Nits etwas dunkler gemacht werden. Das heißt, ohne Beeinträchtigung des Bereichs unter 100 Nits, funktioniert Tone Mapping nicht.


    Nun kann man beim Tone Mapping meist einstellen, welcher Bereich unangetastet bleiben soll. Also ab welcher Helligkeit überhaupt komprimiert werden soll. Hier einige Beispiele, um zu zeigen, welchen Effekt das hat:


    Tone Mapping ab 100 Nits:


    Tone Mapping ab 200 Nits:


    Tone Mapping ab 400 Nits:


    Man kann damit also steuern, wie stark die Highlights komprimiert werden sollen. Entsprechend dunkler wird der Bereich unter 100 Nits. Oder anders gesagt: eine niedrige "Target Nits" erzeugen ein durchschnittlich helleres Bild, eine höhere ein durchschnittlich dunkleres. Der "HDR-Effekt" ist bei niedriger Target Nits geringer, bei höherer stärker.

    In madVR ist das die Einstellung "display peak luminance".


    So viel zum statischen Teil.



    Dynamisches Clipping

    Nun ist die EOTF zwar bis 10.000 Nits definiert, die einzelnen Bilder reizen die oberen Werte aber nur sehr selten aus. Viel häufiger sind Bilder, in denn die 200 - 800 Nits vorkommen. Das heißt, wenn die Highlights statisch von 10.000 Nits ausgehen, wird der Kontrast des Anzeigegerätes nicht voll ausgereizt. Daher analysiert madVR jedes Bild und schneidet automatisch die Werte ab, die ohnehin nicht im Bild vorkommen. Der Effekt ist nicht groß, daher zeige ich ihn nicht. Die Highlights werden in der Regel dann etwas heller, aber den Grundcharakter des Bildes ändert das nicht.



    Dynamic Target Nits

    Das ist das, was man landläufig als "Dynamisches Tone Mapping" bezeichnet. Dabei wird jedes Bild analysiert und anhand des Histogramms ausgewertet, wie die "Target Nits" (siehe statischer Teil) angepasst werden soll. Das heißt, dass für ein Bild, das viele Highlights enthält, der Bereich unter 100 Nits dunkler dargestellt wird. Die Idee war, die Bildkomposition möglichst zu erhalten. MadVR erkennt dafür Szenenwechsel und passt jede Szene automatisch an. Damit es nicht zu Helligkeitspumpen kommt, wird zeitlich geglättet. Die Anpassung erfolgt also nicht sprunghaft.


    Hier das Beispiel von oben. Die Szene wird mit dynamischen Target Nits merklich dunkler. Rechts daneben ist noch die Blu-ray zum Vergleich dargestellt. Die sieht insgesamt eher so aus wie die statische 100-Nits-Einstellung. Das variiert aber je nach Film teilweise sehr stark.

     


    Dagegen hat das dynamische Tone Mapping keinen Einfluss auf Szenen, die gar keine Werte über 100 Nits besitzen. Hier gibt es auch keinen Grund, Tone Mapping anzuwenden.


    Das heißt, man gewichtet jede Szene unterschiedlich. Darüber muss man sich im klaren sein. Das funktioniert, aus meiner Sicht, häufig nicht besonders gut, weil der Algorithmus die Absicht des Regisseurs natürlich nicht erkennen kann. Er weiß nicht, auf welche Bildinformation die Kamera das Auge gerade lenkt. Häufig werden Szenen mit hellem Hintergrund zu dunkel dargestellt. Die Anfangszene in "Lucy", in der sie in das Hotel läuft, ist ein gutes Beispiel. Der Fokus ist auf die Darstellerin gelegt, der Hintergrund ist sehr hell, trägt aber keinen wichtigen Informationen für die Handlung. Passt sich die Target Nits dem Hintergrund an, erkennt man die Darstellerin nicht mehr, sie säuft im Dunklen ab. Daher würde ich diesen Parameter sehr zurückhaltend nutzen.

    Ich stütze mich ja auch auf den Vergleich zu einem Fernseher und der Übertragung des Leuchtdichteverhältnisses SDR(TV) zu SDR(Projektor) und auf gleiche Weise übertrage ich das eben auf HDR.

    Ich verstehe nicht, was du meinst.


    Du gehörst ja aber soweit ich weiß auch zu der "Klientel" die auch SDR so hell als nur möglich darstellt, also nix mit 16 fL max. D.h. dass dann auch dunkle Szenen in SDR "zu hell" wären.

    Es geht mir gar nicht um die absolute Leuchtdichte, sondern nur um den Bereich unter 100 Nits im Direktvergleich bei identischer Leuchtdichte. Wenn man die SDR und HDR-Versionen gegeneinander hält, ergibt sich kein eindeutiges Ergebnis. Das bezog sich auf deine Aussage, dass HDR mit 100-Nits-Einstellung heller aussieht im Vergleich zu SDR. Das trifft für einige Filme zu, für andere aber eben nicht.


    Dass ich SDR gerne heller schauen würde, ist ein ganz anderes Thema. Abgesehen davon gab es nie einen festen Standard für die Leuchtdichte bei SDR. Die Kinoempfehlung von 16 fL ziehen wir zwar immer gerne heran, das ändert aber nichts daran, dass SDR ein relativer Standard ist. Es war nie definiert, mit welcher Leuchtdichte Weiß dargestellt werden soll.