Beiträge von Trick17

    In the line of fire

    Film: 7,5/10 - da wurde, auch hier, schon viel zu gesagt. Ein prima Eastwood (mit, nicht von), der vielleicht ein bisschen zu lang erzählt ist.


    Bild: 9,5/10 - Wahnsinn! Da sieht man mal, was Analog drauf hat, wenn bei der Produktion nicht geschlampt wurde und der Kameramann auf Zack ist. Bis auf einen kleinen Anteil Effekt-Shot, Archiv-Material und kleinere Einstellungen rasiermesserscharf! Dazu farbenfroh und ein ganz klein wenig Richtung Tiefen verschoben, was schöne satte Farben und einen leich düsteren Look bringt.


    Ton: 6,5/10 (englisch TrueHD) - der Ton macht es einem schwer. Es gibt viele Passagen mit annehmbaren (Split) Surround Effekten, schönem Basseinsatz und einem räumlichen Score von Morricone (der sicht unzweifelhaft bei seinem großartigen Untouchables bedient hat, es sei ihm verziehen). Da geht es eher Richtung 8 hoch. Gleichzeitig gibt es aber auch Passagen, die auf den Center zusammenfallen oder wo die Surrounds unsauber gemischt sind (Beispiel bei den Auftritten des Präsidenten in großen Hallen - das Echo kommt nur aus'm Center, der Applaus von überall.). Das ist dann eher ne 5. Gemischt. Für das Alter über Strecken sehr gut, aber eben nicht konstant gut.

    Aber aber, ich habe doch nie "Kurzfilm" gesagt, sondern lediglich "kurzer Film" ;-P


    Doch tatsächlich geht es mir schon länger auf die Nerven, dass Filme ständig länger werden, nochdazu bei gleichzeitigem deutlichen Abschwung der Handlung zu beobachten. F9 mit 2:25 Stunden? (Nicht gesehen, aber ich schätze der kommt fast ohne Handlung aus). Da war der erste mit 1:45 Stunden noch knackig. Und so geht's durch die Bank. Der erste X-Men, als früher Vertreter der Gattung "Comic" hatte 1:44 Stunden, Eternals (auch noch nicht gesehen) 2:36 Stunden.

    Seid ihr alle irre? Wenn es was zu erzählen gibt, macht doch gerne lange Filme. Aber wenn es da einfach nichts gibt oder ab Minute 7 der Showdown läuft ... das nervt einfach nur und zweieinhalb Stunden+ sind im Alltag schlicht schwieriger zu integrierten als zwei Stunden, oder gar anderthalb. Taken - kurz, knackig, Knaller. Unstoppable - kaum Handlung, ist aber dafür auch nur 1:38 lang. So könnte das hier eine lange Liste werden. Ich mag kurze Filme - die sind häufig überzeugender als ihre überlangen, bombastüberladenen Pendants die nichts zu sagen haben.

    Gestern abend, nach einem Nicht-Wochenende, musste es mal wieder etwas kurzes sein damit ich den Abspann noch erlebe. Das ist echt kein schlechtes Kriterium, kurze Filme schwafeln nicht, sondern erzählen das was nötig ist. Ich glaube, ich werde mal gezielt ein paar kurze Filme auf meine Videobuster Liste werfen ;)


    Identität

    Film: 8/10 - eine Handvoll Fremde suchen in einer Gewitternacht Zuflucht in einem Motel. Oder eher: weil die Straße überflutet ist, haben sie gar keine andere Möglichkeit. Nach einer kurzen Titelsequenz, die mit Arzt-Psychiater-Gespräch hitnerlegt ist, werden in extrem knackigen Rückblenden die jeweiligen Hintergrundgeschichten umrissen und schon findet man sich mitten in der Handlung wieder, von wahren Sturzbächen überflutet.



    Ein recht illustrer Cast peitscht diesen feinen Mysterie-Thriller von James Mangold nach vorne, in dem ein Mörder umgeht und reihum die Übernachtungsgäste auf verschiedenste Art und Weise ihres Lebens beraubt. Ed (John Cusack) und Rhodes (Ray Liotta) sind zwei Männer, die sich redlich bemühen die Nacht im Motel in ordentlichen Bahnen zu halten und die kleine Truppe zu schützen. Leidlich unterstützt werden sie vom Motel-Manager Larry (John Hawkes), dessen eintönige Nacht durch den Zustrom der vielen Gäste so gar nicht mehr langweilig sind. Schließlich suchen auch einige aufreizende Damen in durchnässten Klamotten (Cusacks zukünftige Exfrau aus 2012 Amanda Peet, Rebeca De Mornay, Clea DuVall) Unterschlupf, da wird dem guten Larry ordentlich warm. Eine kleine Familie und ein Sträfling runden die Besetzung ab und los geht's auf einen anderthalbstündigen, enorm kurzweiligen "wer war's?" Trip in einem Motel im Nirgendwo in Nevada.

    Dank sehr straffer Inszenierung und kurzer Laufzeit, munter aufspielendem Cast, dunkler Regennacht die vieles verbigt und mit ofmals typischer Horrorfilm-Kameraführung eingefangen wird kommt keine Sekunde Langeweile auf. Der Schluss hat für mich sehr gut funktioniert (wird aber auch durchaus in mancher Rezi als merkwürdig/unpassend bezeichnet) und passt gut ins Gesamtgefüge. Feiner Film, diese Identität.

    Bild: 5,5/10 - so durchwachsen wie das Wetter nachts in Nevada. Eher soft, Farben und Kontraste sind in Ordnung, Gesamteindruch ist aber eher der ordentlich einer hochskalierten DVD als einer BluRay. So richtig Freude kommt nicht auf, ist bei den Bildern aber auch nebensächlich und gut verschmerzbar.


    Ton: 6/10 - wie das Bild, so der englische Dolby Digital Ton. Okay. Der unauffällig-gefällige Score von Silvestri schafft es manchmal in den Raum hinein, ansonsten sind die einzig heraustechende Merkmale die Donnerschlägen die zwar plötzlich kommen, aber kaum Schub von unten haben. Ein typischer Anfang 2000 Dolby Digital Ton, der hier und da komprimiert klingt. Auch das passt aber an der Stelle.

    Hm, das fand ich gar nicht. Überbewertet ist für mich z.B: 'Beginners'. 08/15 Sets, außer dem erfrischenden Plummer eher langweilig runtergespielt, Beziehung nur so hingehuscht, Dialoge so mittel, Vater-Sohn hingehuscht. Kurzum: herrjeh, ein alter Mann hat sein coming out und das samt Umstände alleine rechtfertigt die hohe Bewertung? Das finde ich überbewertet.

    Gerade unter dem Deckmantel 'Märchen' lasse ich mir mehr gefallen; die schwarzweiß - Zeichnung der Charaktere passt für mich, und dass vieles nur angeteutet wird ist für mich das Gegenteil von Moralinsauer.

    Amelie ist aber zu lange her, den Vergleich kann ich gerade nicht ziehen.

    In der Tat, man hätte da noch so viel zu schreiben können. Es passiert einfach auf so vielen Ebenen so viel. Den muss ich definitiv auch nochmal schauen, dann dürfte er noch besser sein. Das war auch bei Hugo so - wenn man die Geschichte kennt, ist sie beim zweiten Mal viel anrührender.

    Nach einem eher durchwachsenen Ausflug ins Sci-Fi Fach mit Pacific Rim bringt Guillermo del Toro ein Märchen auf die Leinwand. Das plätschert weitgehend harmlos dahin, doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Manche Szene ist dazu ungewohnt - und erfrischend! - explizit, so dass dieses Märchen ganz klar für (junge) Erwachsene gedacht ist, die sich den Blick eines Kindes bewahrt haben oder haben wollen.

    Der Film beginnt beinahe schwerelos mit einer Unterwassersequenz. Unterlegt mit einem Voice Over von Richard Jenkins als "Giles" wird die bevorstehende Geschichte in wenigen Worten zusammengefasst. Fast malerisch zieht sich das Wasser aus der Szene zurück, das Voice Over endet und der ausgreifend lyrische Score von Desplat zerfällt in immer kleinere Motive, Instrumente setzen aus - die grün-blaue Unterwasser-Färbung weicht zurück und schließlich wacht der Zuschauer aus der traumartigen Sequenz im Alltag von Elisa (Sally Hawkins), ihrem Nachbarn Giles und ihrer Freundin Zelda (Octavia Spencer) auf.

    In den frühen 60er Jahren angesiedelt - Oscar für das seufzerschöne Production Design das diese Epoche förmlich atmet - wirken Elisa und auch ihr Nachbar Giles dennoch merkwürdig aus der Zeit gefallen. Beide schwärmen für alte Filme und strahlen eine kindlich-naive "alles wird gut werden" Haltung aus.

    Elisa und Zelda arbeiten als Reinigungskräfte in einem mysteriösen Forschungsunternehmen, in dem eines Tages ein "Asset", ein fremdartiges Meeres-Wesen, auftaucht. Was das Unternehmen macht, bleibt nebulös - ist aber auch gar nicht von Belang und aus der Sicht der Frauen absolut stimmig. Von Belang ist der comichaft böse gezeichnete Sicherheitschef Richard Strickland, herrlich fies portraitiert von Michael Shannon. Elisa freundet sich - unerlaubterweise - mit dem Amphibien-Menschen (mit wunderbar altmodischen Gummi-Creature-Design - toll!!) an und die Geschichte nimmt ihren Lauf.


    Sally Hawkins, die schon in Maudie einen liebenswürdig-wunderlichen Charakter spielte, macht die vermeitliche Schwäche ihres Charakters - sie ist stumm und kann sich nur über Gebärden verständigen - zu einer Stärke. So kommt die Gebärdenspräche häufig schon mit großer Mimik und Gestik daher, hier oftmals stark erhöht so dass es einfach wunderbar-bezaubernd wirkt. Oscarnominiert wurde sie dafür. Gleichsam geerdet wird sie von Richard Jenkins als ihrem Nachbarn, der wiederum von ihr geeerdet wird. Eine symbtiontische Beziehung zweier einsamer Seelen und die Momente zwischen den beiden werden von einer anrührenden Zärtlichkeit getragen. Komplettiert wird das Protagonisten-Trio von Octavia Spencer, die mit ihrer munteren Art häufig für einen comic relief sorgt und nahtlos an ihre gleich sympathische Figur in "Hidden Figures" anschließt.


    Das Märchen von del Toro reißt unglaublich viele gesellschaftskritische Themen an, ohne ein einziges Mal wirklich den Zeigefinger zu erheben, was sehr wohltuend ist. Die guten Figuren haben zu Anfang der 60er allesamt keine Stimme, werden im Gegenteil unterdrückt und ausgegrenzt - eine Frau, noch dazu stumm, ein schwuler Mann, eine Schwarze und der Amphibien-Mensch. Die bösen Figuren hingegen sind die "guten Weißen" hinter deren Fassaden sich jedoch Abgründe verschiedener Arten auftun. Es fällt schwer das in wenige Worte zu fassen, ist aber überaus elegant in Szene gesetzt (übrigens, Oscar für den besten Film und die beste Regie) dass man es selber gesehen haben muss. Der Film erzählt dabei seine Geschichte sehr behäbig und auch der Showdown entwickelt sich geradezu in Zeitlupe. Sehr ungewöhnlich inszeniert und dadurch umso fesselnder.

    Eine schöne Adaption der klassischen "die Schöne und das Biest" Geschichte, die auch dort bei ihren Figuren bleibt, wo Disney ausblenden würde. Eine einzige Hommage an "Der Schrecken vom Amazonas", viele zauberhafte Referenzen an Film und Musik. Beide haben mich nicht gestört, könnten aber für kritischere Zeitgenossen "drüber" oder "zum Fremdschämen" sein. Die Geschichte lässt sich Zeit und bietet manch unerwartetes Gewürz, was den Genuss des Films aber nur erhöht - so man sich auf dieses cineastische Mahl einlassen kann und möchte.


    Bild (UHD) - 8,5/10 - sehr schön

    Ton (UHD, englisch) - 7/10 - der Ton ist eher unspektakukär, der Soundtrack hingegen außergewöhnlich

    Einen Satz mehr zu Bild+Ton hier.

    Auf Anregung (Danke dafür!) und unverhofft schnell gab es gestern abend


    Shape of Water

    Film: 8/10 - Nach einem eher durchwachsenen Ausflug ins Sci-Fi Fach mit Pacific Rim bringt Guillermo del Toro ein Märchen auf die Leinwand. Das plätschert weitgehend harmlos dahin, doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig. Manche Szene ist dazu ungewohnt - und erfrischend! - explizit, so dass dieses Märchen ganz klar für (junge) Erwachsene gedacht ist, die sich den Blick eines Kindes bewahrt haben oder haben wollen.



    Der Film beginnt beinahe schwerelos mit einer Unterwassersequenz. Unterlegt mit einem Voice Over von Richard Jenkins als "Giles" wird die bevorstehende Geschichte in wenigen Worten zusammengefasst. Fast malerisch zieht sich das Wasser aus der Szene zurück, das Voice Over endet und der ausgreifend lyrische Score von Desplat zerfällt in immer kleinere Motive, Instrumente setzen aus - die grün-blaue Unterwasser-Färbung weicht zurück und schließlich wacht der Zuschauer aus der traumartigen Sequenz im Alltag von Elisa (Sally Hawkins), ihrem Nachbarn Giles und ihrer Freundin Zelda (Octavia Spencer) auf.

    In den frühen 60er Jahren angesiedelt - Oscar für das seufzerschöne Production Design das diese Epoche förmlich atmet - wirken Elisa und auch ihr Nachbar Giles dennoch merkwürdig aus der Zeit gefallen. Beide schwärmen für alte Filme und strahlen eine kindlich-naive "alles wird gut werden" Haltung aus.

    Elisa und Zelda arbeiten als Reinigungskräfte in einem mysteriösen Forschungsunternehmen, in dem eines Tages ein "Asset", ein fremdartiges Meeres-Wesen, auftaucht. Was das Unternehmen macht, bleibt nebulös - ist aber auch gar nicht von Belang und aus der Sicht der Frauen absolut stimmig. Von Belang ist der comichaft böse gezeichnete Sicherheitschef Richard Strickland, herrlich fies portraitiert von Michael Shannon. Elisa freundet sich - unerlaubterweise - mit dem Amphibien-Menschen (mit wunderbar altmodischen Gummi-Creature-Design - toll!!) an und die Geschichte nimmt ihren Lauf.


    Sally Hawkins, die schon in Maudie einen liebenswürdig-wunderlichen Charakter spielte, macht die vermeitliche Schwäche ihres Charakters - sie ist stumm und kann sich nur über Gebärden verständigen - zu einer Stärke. So kommt die Gebärdenspräche häufig schon mit großer Mimik und Gestik daher, hier oftmals stark erhöht so dass es einfach wunderbar-bezaubernd wirkt. Oscarnominiert wurde sie dafür. Gleichsam geerdet wird sie von Richard Jenkins als ihrem Nachbarn, der wiederum von ihr geeerdet wird. Eine symbtiontische Beziehung zweier einsamer Seelen und die Momente zwischen den beiden werden von einer anrührenden Zärtlichkeit getragen. Komplettiert wird das Protagonisten-Trio von Octavia Spencer, die mit ihrer munteren Art häufig für einen comic relief sorgt und nahtlos an ihre gleich sympathische Figur in "Hidden Figures" anschließt.


    Das Märchen von del Toro reißt unglaublich viele gesellschaftskritische Themen an, ohne ein einziges Mal wirklich den Zeigefinger zu erheben, was sehr wohltuend ist. Die guten Figuren haben zu Anfang der 60er allesamt keine Stimme, werden im Gegenteil unterdrückt und ausgegrenzt - eine Frau, noch dazu stumm, ein schwuler Mann, eine Schwarze und der Amphibien-Mensch. Die bösen Figuren hingegen sind die "guten Weißen" hinter deren Fassaden sich jedoch Abgründe verschiedener Arten auftun. Es fällt schwer das in wenige Worte zu fassen, ist aber überaus elegant in Szene gesetzt (übrigens, Oscar für den besten Film und die beste Regie) dass man es selber gesehen haben muss. Der Film erzählt dabei seine Geschichte sehr behäbig und auch der Showdown entwickelt sich geradezu in Zeitlupe. Sehr ungewöhnlich inszeniert und dadurch umso fesselnder.

    Eine schöne Adaption der klassischen "die Schöne und das Biest" Geschichte, die auch dort bei ihren Figuren bleibt, wo Disney ausblenden würde. Eine einzige Hommage an "Der Schrecken vom Amazonas", viele zauberhafte Referenzen an Film und Musik. Beide haben mich nicht gestört, könnten aber für kritischere Zeitgenossen "drüber" oder "zum Fremdschämen" sein. Die Geschichte lässt sich Zeit und bietet manch unerwartetes Gewürz, was den Genuss des Films aber nur erhöht - so man sich auf dieses cineastische Mahl einlassen kann und möchte.


    Bild: 8,5/10 - Nach der Introsequenz wechselt der blau-grüne Look einem ganz dezenten ebensolchen Grading, der stets die Verbindung zum Thema Wasser hält. Das 16:9 Bild hat durchgehend eine ganz wunderbare Schärfe (obwohl nicht nativ in 4K gedreht) und das Set Design mit den meist erdigen Farben wird wunderbar präsentiert und pendelt mitunter zwischen beinahe monochromatischen Bildern und farbenfrohem 60er-Jahre-Werbelook. Die subtilen Veränderungen in Hawkins' Kleindungsstil kommen in gleichsam gedeckten Farben daher - sehr, sehr schön.


    Ton: 7/10 (englisch DTS HD Master) - Der Filmton entwickelt nur manchesmal echte Räumlichkeit und bleibt meist eher verhalten, genauso wie der Subwoofer. Das passt aber gut zum Setting und stört nicht. Im Gegenteil, schafft es Raum für den oscar-prämierten Score von Alexandre Desplat. Den höre ich einfach wahnsinnig gerne, sind seine Melodien stets sehr eigen und etwas abseits der ausgetretenen Pfade vieler Filmsoundtracks angelegt. Auch diesesmal wirkt der Score eher wie gemalt, als wie komponiert und begleitet den Film mit leichtfüßigem Einsatz genau der richtigen Noten - wunderbar.

    :) Wohl wahr, Geschmäcker :)

    Aber come on, die Melodien sind häufig verwurstete Versatzstücke seiner guten Themen beispielsweise aus Gladiator oder The Rock, darunter die gebrochenen Akkorde in den Streichern, paar Crescendi, paar Tonartwechsel, fertig. Funktioniert musikalisch, ist gefällig, geht ins Ohr - aber (in meinen Augen) auch sehr uninspiriert und langweilig. In den letzten Jahren hat der gute Hans ein paar famose Soundtracks rausgehauen, ist mitunter auch sehr experimentierfreudig. Aber zwischendurch, und in dieser Phase liegt Sakrileg, war er einfach sterbenslangweilig und immer gleich. Jetzt Du :yoda::zwinker2:

    Cooler Tipp, Danke. Der Umschnitt hätte dem Film tatsächlich gut getan.

    WohnraumKino dem schließe ich mich an, sehr lohnenswert. Mein erster Gedanke war auch, dass das dem Film gut getan hätte. Mein zweiter Gedanke allerdings - das wäre dann nicht mehr "der" Film gewesen, sondern ein ganz anderer. Kombiniert man das mit



    kommt dabei heraus, dass das Risiko - bei dem Budget - vielleicht zu groß gewesen wäre und man lieber etwas massenkompatibleres haben wollte. Mir fällt kein guter Vergleich ein, außer vielleicht Ex Machina. Das lässt sich eindeutiger als das "von-allem-ein-bisschen Passengers" in ein Genre stecken, hat einen bedeutend bessere metascore, einen besseren Score bei imdb - und statt 300 Mio nur 36 Mio eingespielt.

    Vor Weihnachten gabs das "Robert Langdon" 3er Set ziemlich günstig und ich habe die Film zuletzt vor Ewigkeiten gesehen. Gestern gab es dann den ersten Teil ...


    The Da Vinci Code - Sakrileg

    Film: 6/10 - Als sie seinerzeit rauskamen, waren die Bücher von Dan Brown in aller Munde. Die Verquickung von Geheimnissen und Rätseln, ein wenig Geschichte und ein paar Verschwörungsgedanken neu und erfrischend. Aus Gründen entschied man sich, den zweiten Band zuerst zu verfilmen, aber so anzulegen dass man eine Serie daraus machen könnte.

    In meiner Erinnerung war der Film besser, die Vorlage hätte mehr hergegeben. Allerdings ist sie auch des Films größtes Problem. Nicht nur gibt es sehr viele Wendungen, Verstrickungen, Erklärungen. Auch wird durch die Erzählung kaum ein gutes Haar an der Kirche gelassen. Nach de massenkompatiblen Umwandlung in einen Film bleibt von allem nicht mehr viel übrig. An den falschen Stellen zu lang, zwischendurch ein regelrecht fahriges Durcheinander und ein selten uninspirierter Tom Hanks als Robert Langdon. Das Buch wartet mit derart vielen Verstrickungen und Twists auf, dass es zumindest Ron Howard nicht möglich war, daraus einen runden Film zu machen. Während bei den großen Agentenfranchises Hunt und Bond die Jagd durch die Schauplätze zwar in der Regel Blödsinn ist, ist sie dort doch hübsch und abwechslungsreich inszeniert. Im Sakrileg stimmt schlicht das Pacing nicht. Denn obwohl es sich mit exotischen Schauplätzen a) sehr in Grenzen hält und diese b) schlüssig in die Geschichte verwoben sind, hetzen Hanks und Audrey Tautou ständig von irgendwo nach irgendwo, was in seiner filmischen Umsetzung eher nervt. Hinergründe zu den Charakteren entfallen, das im Buch angedeutete Prickeln zwischen den beiden findet nicht statt (gottseidank bei der schlechten Chemie) und der Film versucht zu jedem Thema und jeder Figur doch irgendwie nett zu sein und scheitert daran grandios.

    In Summe - wer die Bücher kennt, wird dennoch ganz gut unterhalten werden (inklusive gehörigem "Buch-Verfilmungs-Abstrich"). Wer nicht, könnte das Ganze ziemlich wirr finden, sollte die Bücher mal nachholen - aber mit Illuminati anfangen.


    Bild: 5/10 - Ach Du Schreck, was ist das denn? Offenbar handelt es sich tatsächlich um eine neue Abtastung, da man beständiges feines Filmkorn zu sehen bekommen, dass durch schlichtes Hochrechnen so nicht aussehen würde. Aber da hat jemand wirklich den ganzen Film über mit Schutzfolie über den Linsen gefilmt, hier ist einfach mal keine einzige Einstellung scharf. Wirklich, keine. Ständig alles ein bisschen unscharf dass es in seiner Schlamperei einfach nervt.

    Dazu kommt mein Lieblingsgrading - alle Mitteltöne ins Schwarz gezogen. Schließlich konstant eine Blende unterbelichtet damit alles schön düster ist (ohne Details in den Schatten), dann noch einen leichten Blaufilter drüber - und fertig ist das schlechteste Bild, was ich bisher auf UHD gesehen habe. Dennoch, das geht auch schlechter. Zum Vergleich habe ich danach ein paar Szenen auf der beiliegenden BluRay angefahren. Das Gruselgrading ist identisch, weiß reißt aber zusätzlich aus und die Steigerung ins Negative erreicht einen neuen Höhepunkt. Bild auf Blu: 4/10 - das ist beinahe DVD Qualität.


    Ton: 6/10 (englisch TrueHD) - Dialoge gut verständlich, in den lebhaften Szenen eine ordentliche Räumlichkeit, die dank deutlich höherer Lautstärke aber eher erschreckt, denn harmonisch integriert ist. Zu Beginn habe ich mich über einen bedrohlich brodelnden Sub gefreut, doch über die Gesamtlaufzeit stellt sich ernüchternd heraus, dass das eher Zufall denn Absicht war und der Sub überwiegend schweigt - oder zu dominant and wenigen Stellen daherkommt.

    Oben drauf einer der schlechtesten und uninspiriertesten Zimmer-Scores, die ich lange gehört habe - fertig. Das bitte nicht falsch verstehen, Hans Zimmer ist an seinen schlechtesten Tagen immer noch besser als die meisten Kollegen unbekannten Namens. Aber das hier war nix. Nicht schlimm, hätte auch keinen besseren Film aus dem Durcheinander gemacht.

    Ich glaube, Gelassenheit beim Nicht-Verstehen ist ein sehr wichtiger Faktor. Nun verstehe ich englische Filme glücklicherweise beinahe immer sehr gut und habe kaum Verständnisprobleme, aber gleichzeitig auch eine große Gelassenheit beim nicht-Verstehen. Meine Frau mag leider gar nichts auf englisch schauen und wenn doch wird sie gleich aufgeregt, wenn sie einen Satz nicht versteht. Gleichzeitig aber, wenn wir etwas auf Deutsch schauen, ist es zu 95% egal, wenn man etwas nicht versteht.

    Es entsteht stets folgender Dialog _während_ des Films - "Hä? was hat der gesagt, hast Du das verstanden?" - "nö, hab ich auch nicht" - "na, okay". Und eben zu 95% belässt man es dabei, dass man einen Satz nicht verstanden hat - und 20 Sekunden weitere Dialoge mit diesem Gespräch überquatscht hat und damit auch nicht verstanden hat.


    Alleine der Glauben, dass man wichtige Dinge nicht verstanden hat, macht anscheinend schon so nervös, dass damit der ganze Flair zerstört wird. Daher kann ich ozon voll zustimmen. Gelassenheit hilft enorm dabei, durch einen Film zu kommen.

    Es ist auf jeden Fall eine gute Idee, hier ins Forum zu stolpern. Viele Verrückte, die einem Ideen nahelegen, wie beliebige Geldsummen ins Hobby Kino zu versenken sind. Hier werden Sie geholfen - herzlich Willkommen Baylock :)


    viele Grüße - Joe

    Wie gemein von Dir, den Schwarzwert mit anzuheben ;) Ich habe mich für 100 FL entschieden weil's das gab, würde mich aber eher, wegen eben dem Schwarzwert, bei 80 - 90 FL einsortieren. Hintergrund: mein Epson 9400 hat rund 1000 Stunden runter, projeziert auf eine 3m breite XY Screen Acoustic irgendjet. Ich hatte letztes Wochenende eine Stunde Ruhe und habe die Kalibrierungen für SDR und meine beiden HDR Modi (1x mehr Licht, 1x mit Filter für größeren Farbraum) nachgezogen. Gemessen habe ich in HDR etwa 55 FL - mit frischer Lampe, bisschen kleinerem Bild und hellerer Leinwand müssten da etwa 70 FL rauskommen.


    Sprich, bei mir ist es schon relativ hell auf der Leinwand und durch die vielen Reglerlein die der 9400 und der Panasonic 824 haben, kann man (habe kein MadVR im Einsatz) das Bild ganz gut so mappen, dass es passt. An anderer Stelle hatte ich schon gesagt dass ich Helligkeit klar über Farbraum stelle und ich schaue tatsächlich 98% aller UHD mit Maximum Warp. Bei denen, die ohne sichtbares HDR kommen schalte ich dann zwischendurch in den größeren Farbraum rüber - und lande dann häufig doch ein paar Minuten später wieder bei "gib ihm". Hell und hoher Kontrast ist einfach mehr Spektakel als bunteres Bunt. Und so ...

    Letzte Woche habe ich die letzte Star Wars Trilogie geschaut, die für Lichtspitzen prädestiniert ist und spitzenmäßig gemastert ist (gefreut wie'n Schnitzel hab ich mich, so schön ist das). Allerdings, der Weltraum war schon nicht so richtig schwarz, das war ein Wehmutstropfen. Zum Glück hat man nach dem Intro wenig Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen :) Jedenfalls hat mich überhaupt nur diese Erfahrung dazu gebracht, nicht noch höher in der Lichststärke zu gehen. Denn, im "normalen" Film Betrieb - also wenn es nicht Star Wars ist - gibt es völlig schwarz sehr, sehr selten. Blickt ihr nachts in den Himmel und wohnt nicht gerade auf'm Land, ist das auch mitnichten schwarz. Das es auch nachts nicht völlig finster ist, entspricht also m.E. ein wenig den natürlichen Sehgewohnheiten und es gibt kaum einen Film, wo mich das graue Schwarz wirklich stört, Star Wars außen vor.

    Zurück zum Tone Mapping - mit mehr Lichtreserven kann ich auch ganz anders mappen, kann mir also generell mehr Zeichnung in den "SDR-Anteil" des Bildes holen. Derzeit habe ich das Bild etwas dunkler gezogen um mehr Punch oben raus zu kriegen, bei mir würde das also bedeuten, _alles_ wird ein Stück heller.

    Ich weiß nicht, ob man sich mit den schwarzen Frames, egal wie kurz, einen Gefallen tut. Ich nehme immer so viel Licht, wie ich irgendwie bekommen kann und das dann derart zu reduzieren ... Ja, es gibt Filme die das generell nicht gut können und hin und wieder kommt ein Schwenk vor, den ein erfahrener Kameramann so nicht gemacht hätte. Aber das kann man doch eher an einer Hand abzählen, als dass sich ein generelles Abdunkeln durch black-frame-insertion lohnen würde.

    Und: immer Scheibe statt Stream nehmen hilft enorm.

    Danke, alle!! Ich finde, eine Rezension sollte im Zweifelsfall Lust auf einen Film machen. Scheint hier gelungen!


    Ich musste mich in der ersten Viertelstunde auch "geistig befreien", aber mit zwei Kindern und dem Mist den man da teilweise schaut, geht das gerade ziemlich gut :) Es ist wirklich am ehesten ein Märchen und dazu muss man auch in Stimmung sein.

    larrson.vom.fach , die meisten Figuren die nicht im Zentrum stehen, sind "stummfilmartig" angelegt. In dem Sinne, dass sie mit sehr deutlicher Gestik und Emotion spielen, ebenso wie man es aus frühen Filmen kennt. Hier fügt sich Cohen mit seiner Darstellung des Vorstehers nahtlos in die Darstellung der anderen Nebenfigürchen ein. Kannst Du glaube ich riskieren!

    suke , Scorsese ist bei mir 50/50. Shutter Island oder Aviator finde ich außergewöhnlich, manche finde ich okay - verstehe aber den Hype nicht (Wolf of Wall Street), zu anderen finde ich keinen Zugang. Hier hatte ich einfach das Gefühl, dass die Hingabe zu diesem Thema förmlich von der Leinwand perlt, hat für mich perfekt gepasst.

    Hugo Cabret

    Film: 9/10 - Als der Illusionist Georges Méliès in eine der ersten Vorstellungen der Brüder Lumière geriet, wusste er sofort dass der Cinématograph eine ganz große Erfindung ist. Scorseses Hugo Cabret, basierend auf dem Jugendroman von Brian Selznick, ist eine Hommage an Méliès, eine Liebeserklärung ans Kino.



    Der Waisenjunge Hugo Cabret (Asa Butterfield) lebt um 1930 in den "Wänden eines Pariser Bahnhofes" und führt inoffiziell das Amt seines zwischenzeitig verschwundenen Onkels fort - er sorgt dafür, dass alle Bahnhofsuhren laufen. Als Waisenjunge läuft er ständig Gefahr, ins Waisenheim geschickt zu werden. So achtet er tunlichst darauf, nicht vom Stationsvorseher (Sacha Baron Cohen) bei kleinen Diebstählen erwischt zu werden. In seiner freien Zeit versucht Hugo, einen Automaton - einen mechanischen Menschen - zu reparieren, der letzte Gegenstand der ihm von seinem verstorbenen Vater geblieben ist. Eines Tages erwischt ihn der Inhaber eines Spielwarenladens (Ben Kingsley) bei einem Diebstahlsversuch, und so nimmt die Geschichte ihren Lauf.

    Ich wusste nicht recht, was mich erwartet als ich gestern spontan meine zweistündige Reise nach Paris angetreten habe. Während sich die Geschichte nur langsam entfaltet, ziehen einen doch ab der ersten Sekunde das sehr liebevolle Set Design (dafür gab's einen Oscar), die Art und Weise wie die Kamera (Robert Richardson, dafür gab's auch einen Oscar) durch die Sets tanzt, die Darsteller (neben den Genannten u.a. auch Christopher Lee, Chloë Grace Moretz, Helen McCrory) und die vielen kleinen Begebenheiten im Bahnhof in ihren Bann. Einfach wunderschön ausgeleuchtet und mit Visual Effects (Oscar) garniert, die mal absolut famos integriert sind, mal so offensichtlich sind dass sie wiederum Hommagen bilden, etwa ans Matte Painting. Dazu gesellt sich ein sehr immersives Sound Design (Oscar), welches die Bilder in perfekter Harmonie ergänzt. Drumherum umschmeichelt ein leichtfüßiger, französisch angehauchter Score von Howard Shore (Oscar-nominiert) dass Ohr, der in die passende melancholische Stimmung zu versetzen weiß.

    Der Film entfaltet seine Magie auf mehreren Ebenen. Die Fotografie, Ausleuchtung und Art der Inszenierung - liebevolle Hommagen an die frühen Jahre des Films - dürften keinen Film-Liebhaber kalt lassen und entfalten die Wirkung ab der ersten Sekunde. Die unzähligen versteckten und offenen, kleinen und großen Referenzen sowie die eingewobenen Geschich(ch)en sorgen für einen beständigen Zufluss an leisem Lächeln und anerkennendem Schmunzeln. Die Geschichte selbst, schließlich, gibt sich behutsam preis, aber wenn dann im letzten Akt die Fäden zu einem Ganzen zusammengewoben sind, muss man einfach ein Tränchen im Auge haben. Hier passt alles zusammen und der klebrige Zuckerguss, den Hollywood mitunter serviert verwandelt sich in das Gefühl, als ihr auf dem Rummel in euren ersten kandierten Apfel gebissen habt.

    Rundherum ein wunderbares Märchen und wahrhaftige Liebeserklärung an die bewegten Bilder.


    Bild: 9/10 - Scorsese drehte den Film in nativem 3D (ich habe "nur" 2D geschaut) und schon in 2D ist die Sogwirkung durch eine beständig wunderbare Tiefenstaffelung der Szenen, kleinen Störern wie Schneeflocken und Staubteilchen in der Luft und häufige Kamerafahrten durch den Bahnhof einfach - magisch. Dies ist mal wieder einer der Filme, der in seinen Bildern schwelgt und mit der gleichen Hingabe und Sorgfalt eingefangen wurde, mit der offensichtlich alle Beteiligten zu Werke gegangen sind. Ein warmes, farbenprächtiges, ganz leicht körniges Bild, das mit einer durchgehend perfekten Schärfe zu begeistern weiß, Epoche und Thema des Films beinahe zum Trotz. Ein tolles Bild!


    Ton: 9/10 (englisch DTS HD Master) - ich habe es oben schon geschrieben, der Film ist nicht nur Augen- sondern auch Ohrenschmaus. Beinahe permanent wird mal von einer wohligen Wolke aus Klängen eingehüllt, das Ticken der Uhren wandert kreuz und quer durch den Raum, die hektischen Geräusche im Bahnhof fliegen am Zuschauer vorbei. In den großen Sequenzen öffnet sich auch der Ton zu einer passenden Untermalung der Geschehnisse auf der Leinand. Dazu der Score von Shore, der mitunter seufzerschön und fließend von orchestralem Filmsoundtrack zu französischer Caféhausmusik und wieder zurück wechselt, passend zu den Bildern auf der Leinwand. Ich überstrapaziere es arg, aber mir gehen die Adjektive aus - wunderbar, magisch, perfekt.