The Northman

  • Schon etwas her - hier noch meine Bewertung aus dem „welcher 4K-Film…“-Faden:


    …also nicht alle sagen hier Gurke…


    Ich denke man muss schauen, ob man generell sehr „künstlerische Filme“ mag oder nicht (und ggf. Filme einfach nicht schauen - bevor man sich nachher ärgert). Ich schaue zwar auch am liebsten mainstream und will meistens gar nicht viel nachdenken, aber auch „solche Filme“ gefallen mir - oft aber nicht per se - gut.

    Gruß
    olli


    The DARK-ROOM homecinema
    Lounge-Ledersessel, 3 Sitzreihen, Cinemascope-Projektion, 9.4.6 Multichannel, 24m² Sternenhimmel, Schallschutz + Akustikausbau, EIB-Steuerung

  • Habe ihn mir jetzt auch mal zu Gemüte geführt, ist schon ein paar Tage und wollte ihn erst mal sacken lassen.

    Wahrscheinlich bin ich etwas Vikings verwöhnt, die da die Latte schon sehr hoch gehängt hatten für solche Arten von Szenarien.

    Natürlich ist Northman nur ein Film und hat nicht den Spielraum von Vikings, ich fand den Film okay, mit manchem habe ich so meine Probleme gehabt, Walküre mit Zahnspange z.b.,

    sonst wie Joe geschrieben hat, etwas dünne Story, aber eine ziemlich düstere und drückende Atmosphäre, die der Film gut rüber gebracht hat.

    Obwohl ich Anya Taylor-Joy eigentlich mag, ging sie mir in dem Film als slawische Schlampe mit ihrem Akzent irgendwie total gegen den Strich.

    Der Film hat einige sehr schöne Bilder zu bieten und das Finale am Schluss fand ich auch sehr gut inszeniert, ob ich mir den Film nochmal anschauen würde oder weiter empfehlen, wahrscheinlich nicht.

    Tonmäßig kamen die Trommeln sehr gut rüber über die Atmos Lautsprecher und ich fand mich insgesamt gut umhüllt davon.

    Zum Schluss, der Film hat mich etwas an Walhalla Rising, wer solche Filme mag, dem sei dieser hier empfohlen.


    Film 6/10

    Bild 8/10

    Ton 8/10

  • The Northman (Heimkino, OV, Atmos)


    In Anbetracht der doch eher zurückhaltenden und gemischten Reaktionen war ich eher skeptisch. Eggers dritter Streich hat mich dann aber doch sehr abgeholt. An Shakespears Hamlet orientiert, wird eine recht gewöhnliche Rachestory erzählt. Das besondere macht aber die Kamera und Realitätsnähe aus. Die Kamera fängt die Protagonisten recht intim ein. Sie ist stets sehr nah am Geschehen. Abgesehen von den epischen Naturaufnahmen werden kaum Übersichtsaufnahmen gezeigt, Porträts werden bevorzugt.


    Eggers gelingt es wieder eine sehr dichte Atmosphäre zu zaubern. Bereits beim Leuchtturm und bei The VVitch legte er großen Wert auf historische Genauigkeit. Auch The Northman wirkt extrem authentisch. Dazu trägt auch der sehr stimmige Soundtrack bei. Die Atmosspur gefällt mit einer ausgezeichneten Immersivität, wobei aber auf die großen Effekte in den Höhen größtenteils verzichtet wird.


    Die 4K-Disc hätte es nicht gebraucht. Mir wäre nichts aufgefallen, was nicht auch auf normaler BluRay möglich gewesen wäre. Zum Glück war sie nur von Videobuster geliehen. In diversen Vergleichen wird aber erwähnt, dass die 4K-Scheibe deutlich dunkler und dadurch atmosphärischer gemastert sei. Müsste man sich mal im direkten Vergleich anschauen.


    Insgesamt wieder ein sehr gelungener Eggers, wenn auch nur sein Drittbester, wie ich finde. Letztendlich war ich froh, dass der Film mit seiner Machart genau zwischen Vikings bzw. Valhalla und Valhalla Rising angesiedelt wurde. Irgendwo stand Arthouse mit Budget.


    8,5


    P.S. Ich muss ihn auf jeden Fall nochmal schauen. Will sehen ob sie tatsächlich gelacht hat.

  • Fjölnir (Claes Bang) ermordet König Aurvandil (Ethan Hawke), den Vater vom Northman Amleth (Alexander Skarsgård). Der schwört Rache und kehrt Jahre später nach Island zurück, um seinen Schwur zu vollenden. Unterwegs macht er Bekanntschaft mit Olga (mit fürchterlichem Pseudo-Akzent: Anya Taylor-Joy), die gleichfalls ein paar Dinge bei Fjölnir zu regeln hat. So ungefähr geht der mehr oder minder typische Racheplot.

    Eggers erzählt seine Geschichte eher sperrig und hat mit größtmöglicher Authentizität ein raues Werk auf die Leinwand gebracht, das über weite Strecken ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube weckt. Die Geschichte an sich passt auf einen Bierdeckel und die Inszenierung überlässt es oft dem Zuschauer zu verstehen was da passiert (so wurden etwa erst auf Drängen des Studios Kapiteleinblendungen hinzugefügt, um dem geneigten Seher näherzubringen was und wann er gerade sieht).

    Unterm Strich ist diese Tour de Force haarscharf an "das halten wir nicht durch" vorbeigeschlittert, der Plot ist simpel aber sehr sperrig erzählt und es gibt einfach keine oder kaum Lichtblicke. Dafür wird man ob der Inszenierung nahezu mit Gewalt in seinem Sitz gehalten und folgt den Geschehen mit einer Mischung aus Faszination und Abneigung. Für mich gibt's keine Zweitsichtung, dafür ist mir das Ganze einfach zu trostlos und düster. Aber da wurde mit Hingabe inszeniert und gefilmt und ist man in der entsprechenden Stimmung sollte man sich das Werk durchaus einmal anschauen.


    Film: 7/10 (eher wegen Inszenierung denn Plot)

    Bild: 8/10 (nicht wegen technischer Qualität, die in 4K durchschnittlich ist, sondern wegen Inszenierung)

    Ton: 9/10 (is so :D )


    Mehr zu Bild+Ton.

  • Eggers erzählt seine Geschichte eher sperrig und hat mit größtmöglicher Authentizität ein raues Werk auf die Leinwand gebrach

    das Letzte, woran ich bei Sichtung dieses Werkes dachte, war 'Authenzität'. :big_smile:

    Imo war selbst der Sachsen-Karle mit seiner Schilderung der Lebensumstände und outfits von Winnetou und Co noch deutlich näher an der möglichen Realität, als es geölte, sixpackbewehrte Ureinwohner (nach Hipstermode frisiert und meist 'Oberkörper frei' :shock: ) nördlich des 60. Breitengrades sind.

    Über die gezeigte, zugehörige Damenwelt breite ich gleich mal eine Kaschmirdecke des Schweigens, sonz krieg ich Spliss :rofl:


    Der Unterhaltungsfilm! 'Northmann' hat jedoch sicher seine Meriten..

  • Im Allgemeinen schätze ich Deine Wortakrobatik, auch wenn ich nicht immer Deiner Meinung bin.

    Und das oben geschriebene wird nicht richtiger, nur weil Du es bei jeder Gelegenheit in diesem Faden wiederholst.

    Gut das Du zu der Zeit schon gelebt hast und genau beurteilen kannst, wie es sich richtig gehören muss. :ah:

    Auch auf die Gefahr hin, mich selbst zu wiederholen. Es gibt massig Berichte darüber, wie sorgfältig dieser Film recherchiert wurde:


    Klick mich

    Klick mich auch

    usw.


    Natürlich ist es trotzdem ein Unterhaltungsfilm, weil es keine Dokumentation ist. Wenn er Dir nicht gefallen hat, dann ist das in Ordnung.

    Dem Streifen aber ständig eine gewisse Authentizität abzusprechen, ist meiner Meinung nach aber vollkommen falsch und respektlos gegenüber dem Regisseur!

  • Die seinerzeit geäusserte Meinung basierte ja (afair) lediglich auf Trailerausschnitten und ähnlichem, mein aktueller Kommentar erfolgte nach Sichtung des Films..

    Was mich in meiner wohlrecherchierten :big_smile: 'Hochglanzschmonzes für bodybuildende Hipster und deren Trullas'-Theorie allerdings eher bestätigte.


    Keine seriöse archäologische Arbeit über die damaligen Bewohner der Küsten nördlich des 60.Breitengrades stellt diese als 1.95 grosse, halbnackte ud sixpacktragende Hünen dar, die von Frauen umgeben sind, die visuell und stilistisch zwischen 'Vogue' und 'Schöner Wohnen' hängengeblieben sind.


    und ich denke schon, dass ich diese Meinung mit dem gleichen Recht hier vertreten darf, wie andere ihre Kronzeugen-Verweise bezüglich Authenzität.. :opi:

  • Das heißt Du kritisierst eigentlich, dass keine hässliche Männer mit Met-Bauch besetzt wurden, sondern Männer mit Muskeln?

    (und Dir sind die Frauen zu hübsch :waaaht: )

    Wenn Dir Cast missfällt, dann ist das natürlich eine Meinung die ich akzeptiere.

    Mir ging es aber eigentlich um die Authentizität, die Du dem Film aberkennen möchtest...

    Die hat mit dem Aussehen der Schauspieler nur so viel zu tun, als dass die Kostüme (oder nicht vorhandenen Kostüme) der damaligen Zeit entsprechen sollten.

  • Das heißt Du kritisierst eigentlich, dass keine hässliche Männer mit Met-Bauch besetzt wurden, sondern Männer mit Muskeln?

    (und Dir sind die Frauen zu hübsch :waaaht: )

    könnte man so sagen..

    Die visuelle Erscheinung der Charaktere entspricht den medial getriggerten Vorstellungen des frühe 21.Jh von 'sieht geil aus!' u sicher nicht dem, was seinerzeit zwischen Grünland u der Ostsee idR so anzutreffen war.


    ..von Weberzeugissen über Behausungen, Boote und Pferde ganz zu schweigen - Fachleute für diese Themen würden vermutlich bei 'authentisch' der Schnappatmung verfallen.. :shock:


    (im '13.Krieger' zB war das Ganze auch kaum besser :big_smile: , aber zumindest wurde nicht behauptet, dass damals die Araber tatsächlich so aussahen wie Antonio Banderas)


    Wie gesagt, mich stört lediglich dieses Segeln unter falscher Flagge- der Film selbst ist sicher für Genrefans ein Muss.

  • Wir (Tochter, Frau & ich) haben den vor ein paar Tagen auch gesehen.

    Die Urteile waren unterschiedlich. Meine Frau fand ihn eher "unzugänglich" und meinte immer wieder "was soll da noch Überraschendes kommen?".

    Meine Tochter mochte ihn generell, fand ihn aber eher als "ein Stück Arbeit".

    Ich hatte ihn zuvor schon einmal gesehen und fand ihn jetzt beim zweiten Mal deutlich besser. Ich glaube, wenn man den mit dem üblichen "Was passiert und was macht wer warum?"-Ansatz schaut, ist man enttäuscht. Wenn man ihn dagegen wie ein Theaterstück, eine Oper, eine Symphonie, ... schaut, gewinnt er deutlich.

    Bei Hamlet, Don Giovanni, Le Sacre Du Printemps, ... weiß man auch, "was passiert" (und Shakespeares/Mozarts Figuren handeln auch nicht immer nach heutigen Maßstäben nachvollziehbar).

    Stattdessen achtet man nur auf die Interpretation des Stoffes und das kann auch sehr begeistern.

    Auf diese Art hat mich Northman beim zweiten Schauen sehr gepackt.

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