Messungen bei der Entwicklung von Lautsprechern

  • Eigentlich paßt das Thema nicht zum Mittelton aber gut zu dem Zusammenhang. Daher mal eine Frage von mir.


    Wenn ich Lautsprecher entwickele messe ich immer Freifeld weil ich eben den Lautsprecher erst mal linear ohne Raumeinflüsse entwickeln möchte.
    Nun muß ich manchmal auch Filter setzen um ihn zu linearisieren. Das sind keine großen aber 2-3db manchmal schon v.a. wenn ein Waveguide/Horn vor den Treiber geschraubt ist.


    Ich schlepp den Lautsprecher ja dann in den Raum und entzerre ihn nochmal.

    Daher hab ich mich gefragt ob es nicht sinnvoller ist den Lautsprecher (zumindest MT/HT Sektion) gefenstert im Raum zu entwickeln.

    TT macht m.E. keinen Sinn.


    Sorry, eigentlich ist das eine Anfängerfrage aber ich hab da gedanklich einen Knoten im Kopf.

  • Ja, ist es auch aber nur relativ Moe.
    Ich rede tatsächlich dann von Filtern mit bis zu 2db die ich im Raum setzen muß (zusätzlich), die dann ironischerweise die anderen Freifeld Fliter u.u. auch mal überflüssig werden lassen.
    Daher habe ich mich gefragt ob es nicht mehr sinn macht im Raum zu entwickeln oder übersehe ich da was?

  • Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Messung nah am Lautsprecher, dazu noch gefenstert quasi auch im Raum machbar ist und keinen unterschied zum Freifeld macht.

    Zumindest bezogen auf den Hoch- / Mittelton.


    Ich mache es immer so:

    Nachfeldmessung Hochtöner (so 5cm oder näher)

    Nahfeld Mittelton

    Dann Summer in so 30-50cm...


    Am Hörplatz packe ich den Bereich über 500HZ dann nicht mehr an, den Bass umgekehrt im Nahfeld eigentlich gar nicht. Den entzerre ich um Raum.


    Was halt im Raum kaum geht sind Winkelmessungen.

  • Hallo.

    Sofern Linearität angestrebt wird, oder neutrale Wiedergabe, dann sollte man die Messung nehmen die best möglich den direktschall zeigt.


    I.d.r. also eine echte Freifeldmessung.


    Im Raum sollte wiederum nur bis zu einer gewissen Frequenz entzerrt werden. Ich sag Mal der Bereich bis 200Hz ist problemlos. Über 1kHz sehr fraglich.

    Dazwischen ein Kompromiss.


    mfg

  • Daher hab ich mich gefragt ob es nicht sinnvoller ist den Lautsprecher (zumindest MT/HT Sektion) gefenstert im Raum zu entwickeln.

    Wenn es genau werden soll, nein.


    Das Problem ist, dass die Länge des Fensters von dem Abstand zu den Begrenzungsflächen abhängt. Selbst in der Mitte eines großen Raums ist man meist durch die Deckenhöhe limitiert. Das heißt, selbst auf einem Stativ kommt die erste Reflexion von Boden und Decke. Im Garten kann man den Lautsprecher höher aufstellen, so dass das Fenster länger ausfallen kann.


    Die Länge des Fensters bestimmt die Frequenzauflösung. Die verringert sich vor allem im unteren Frequenzbereich und entspricht somit einer Glättung. Ist das Fenster zu kurz, erkennt man keine Welligkeiten und damit auch keine Resonanzen mehr. Daher ist es wichtig, dass es möglichst lang ist. Zumindest so, dass man bis in den Grundton noch eine halbwegs gute Frequenzauflösung bekommt. Darunter wird ja sowieso im Raum entzerrt.


    Eine echte Nahfeldmessung (Abstand im Bereich der Membrangröße) muss immer mit Vorsicht genossen werden. Die unterscheiden sich teilweise stark von einer Messung mit größerem Abstand. Das liegt zum einen daran, dass der Abstand zu allen Teilen der Membran ein anderer ist und zum anderen daran, dass Gehäuseeffekte (Kantendiffraktion usw.) ausgeblendet werden. Von daher sollte auch im Raum je nach Größe des Gehäuses möglichst in 1 m Abstand oder mehr gemessen werden. Im Freifeld würde ich auf 2 - 3 m gehen. Dann auf einem hohen Stativ und möglichst hartem Boden, damit man die 1. Reflexion gut in der Impulsantwort sehen und herausfiltern kann.

  • Ich finde die Frage gar nicht blöd. ich habe mir da auch Gedanken zu gemacht und auch ausprobiert. Hifi-Selbstbau hat z.B. eine recht detaillierte Anleitung, wie sie Weichen entwickeln und abstimmen. Das ist in Abständen von 20cm, 100cm und dann am Hörplatz, mit Einzelchassismessungen, unter Winkel etc.. Das geht auch (eingeschränkt, wie von den Kollegen beschrieben) im Raum, ich mache das trotzdem lieber im Freifeld.


    Ich habe da auch überlegt, macht es Sinn, etwas zu kompensieren und zu linearisieren im Freifeld, was im Raum ggf. gar nicht mehr relevant ist durch Raumeinflüsse? Nach diversen Experimenten bin ich bei einem "Ja" mit kleinem "Aber" gelandet.


    Gedanklich trenne ich beim EQ mittlerweile LS bzw. Chassis sowie Raum vollkommen. Die einzige Ausnahme ist der Bass - ich halte wenig davon, einen LS dort im Freifeld zu entzerren, um dann im Raum noch einen EQ draufzupacken. D.h. die Bassabstimmung eines LS mache ich immer im Raum, wo der LS auch spielen soll.


    Wohlgemerkt, das gilt alles für Aktivkonzepte. Für Passivweichen funktioniert der letzte Teil so nicht.

  • Für eine sonst fertige Box die nicht mehr geändert wird (also Schallwand, Chassis, tfs,..)


    Ich bin wieder Mal der Auffassung dass man den best möglichen weg anstreben sollte.

    Also echtes Freifeld oder auch RAR.

    Da möglichst genau den direktschall erfassen.


    Wenn das nicht geht dann eben den nächsten Schritt darunter, unsw...


    So kommt der für sich beste Kompromiss raus.

    Besser als gleich mit einem Kompromiss anfangen obwohl dieser vielleicht gar nicht nötig ist.


    mfg

  • Ich mache das ähnlich. Im nah Feld prüfe ich "nur" ob das Chassis als solches wie erwartet funktioniert oder es stoereinflusse schon direkt aus dem Gehäuse gibt.


    Dann Messe ich in 1m und je nach Abstand zum Boden auch so weit weg es noch sinnvoll ist.


    Ich linearisiere alle Bereiche die für eine saubere Übernahme wichtig sind und stelle die tonalitaet ein. Beim tmt geht es mir eher darum den Pegel als solches festzulegen. Am Ende entstehen dabei meist 2-3 Abstimmungen vor allem im Bereich unter 1khz. Daran kurble ich im Raum auch nicht mehr herum, da ich die Filter ausgangsseitig im dsp lege und es wie einen kompletten passiven Lautsprecher betrachte. Im Raum korrigiere ich dann nur noch dsp eingangsseitig, so dass ich den speaker einfach auch in jedem anderen Raum neu anpassen kann ohne die Grundeinstellung aus dem freifeld zu verändern.

  • Daran kurble ich im Raum auch nicht mehr herum, da ich die Filter ausgangsseitig im dsp lege und es wie einen kompletten passiven Lautsprecher betrachte. Im Raum korrigiere ich dann nur noch dsp eingangsseitig, so dass ich den speaker einfach auch in jedem anderen Raum neu anpassen kann ohne die Grundeinstellung aus dem freifeld zu verändern.

    Genau so trenne ich das in den DSPs auch auf:


    - EQ Ausgangsseite = Chassis & LS

    - EQ Eingangsseite = Raum

  • Moe

    Bis zu welcher Frequenz machst du das im Raum?

    Auch bis 1khz oder auch darüber?


    mfg

    Das ist unterschiedlich und hängt etwas vom abstrahlverhalten, energiefrequenzgang, Aufstellung und raumakustik ab. Meine breitbaender fand ich immer leblos, sobald ich die über 400hz noch korrigiert habe. Bei mehrwegern korrigiere ich auch gern mal 1-2 stellen bis 4khz, wenn diese sonst stressig klingen aufgrund irgendwelcher Reflexionen oder ähnlichem die sich nicht anderweitig einfach beseitigen lassen.

  • Wobei das aber teilweise auch eher akademischer Natur ist - bzw. ich finde das wirklich nicht so einfach...


    Klar ist: eine Freifeldmessung ist meist das Beste was man machen kann, aber:


    Im Kino sind die Lautsprecher sehr oft in einer "Wand" verbaut. Im Freifeld müsste ich dann quasi den Lautsprecher einbuddeln. Klar, ist der Königsweg, aber kaum machbar.

    Nachbarn, Nebengeräusche spielen da auch noch eine Rolle.


    Die Frage für mich ist dann, in wie weit sich der Aufwand lohnt und wie groß die Unterschiede am Ende wirklich sind. Nach meinen Erfahrungen sind die verschwindend gering.


    Nehmen wir als Beispiel die FollHank. Die ist zwar in einer großen "Mensa" eingemessen worden, wird aber im Kino eigentlich fast immer in die Wand gebaut. Tja - was ist nun besser? Eine Einmessung ala Hifi Selbstbau im Raum oder die Freifeldmessung, die aber eigentlich im Boden erfolgt sein müsste... Finde ich schwierig.


    Bei den Boxen die ich im Freifeld gemessen habe (das waren nur 3 Stück und alle kamen in die Wand) wäre das Ergebnis im Raum ziemlich gleich gewesen.
    Generell sprechen wir hier wirklich von Nuancen. Bei den 3 Lautsprechern wo ich es gemacht habe, fand ich die "In-Raum-Messung" am Ende besser, aber das ist sehr individuell. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch Fälle gibt, wo es ganz anders ist.

  • Wenn ich einen LS für Wandeinbau entwickle, würde ich den auch unter diesen Bedingungen messen und abstimmen. Bei allen anderen "normalen" LS finde ich das Freifeld besser.


    Moe: Das unterschreibe ich so zu 100%. Ich korrigiere auch durchaus mal im Mittelton, im Hochton in der Regel nicht, allerhöchstens mal sehr breitbandig oder mit einem Shelvingfilter bei einem sehr unlinearen HT. Ich habe auch mal akribisch bei einer Kalotte "klein-klein" alles glattgezogen und subjektiv nicht wirklich einen Unterschied gehört.

  • Aus diesem Grund habe ich meine auch nicht draußen gemessen.

    Aber wie du richtig sagst es gibt den Königsweg.

    Und auch wenn man ihn nicht gehen kann oder will, dann ist gut (mMn. wichtig) ihn zu kennen.


    Und um den Kreis zum Thread zu schließen, das gilt auch für den MT bzw. das beste Chassis dafür.

    Da halte ich es auch für gut/wichtig zu wissen worauf es ankommt und welches Chassis das dann erfüllt.

    Ob man es dann auch nutzt ist meist von mehr abhängig - nicht selten das Budget.


    mfg

  • Wenn ich einen LS für Wandeinbau entwickle, würde ich den auch unter diesen Bedingungen messen und abstimmen. Bei allen anderen "normalen" LS finde ich das Freifeld besser.

    Hallo Bolle


    würde ich relativieren indem ich sage: Wenn ich einen LS für den Wandeinbau entwickle, würde ich den auch unter diesen Bedingungen messen und abstimmen, es sein denn ich umgehe den Baffle Step mittels Horn/Waveguide.


    Kann man das so sagen?

    VG Jochen

    P.S.: Ich red nur von MT/HT

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