Messen mit REW, deutsche Bedienungsanleitung

  • Wedelmessungen


    Auf der ersten Seite gab es bereits eine Erklärung zum RTA.

    Da sich REW inzwischen jedoch weiterentwickelt / verändert hat, ist diese nicht mehr ganz aktuell. Deswegen würde ich das Thema gerne nochmal aufgreifen.


    Genauer geht es um die Wedelmessung, die mit dem RTA sehr gut gemacht werden kann.


    Wofür braucht man eine Wedelmessung? Um den Frequenzgang am Hörplatz zu messen bzw besser bewerten zu können.

    Sie eignet sich nicht für die Messung der NHZ, Phase, Impuls,....


    Macht man eine Einzelmessung, d.h. einen einzelnen Sweep vom Hörplatz aus, ist das Ergebnis zum einen sehr Ortsabhängig und zum anderen eher unübersichtlich, da es i.d.R. zu sehr vielen Überhöhungen und Auslöschungen kommt. Die stimmen auch nicht unbedingt mit der Realität überein, da sie wirklich nur für genau diesen einen Punkt gelten. Zudem erzeugt das Mikro selbst auch Auslöschungen, die an den Ohren nicht vorkommen, da dort der Kopf dazwischen ist :zwinker2:


    Bei der Wedelmessung werden sehr viele Messungen automatisch nacheinander ausgeführt und davon ein Durchschnitt gebildet. Damit lässt sich die Situation am Hörplatz wesentlich besser beurteilen.

    Man könnte zwar auch mehrere Einzelmessungen durchführen und darüber den Durchschnitt berechnen lassen. Das dauert jedoch länger und ist aufwändiger. Das Ergebnis jedoch sehr ähnlich.


    Wie führe ich eine Wedelmessung durch?

    Nachdem REW gestartet ist, öffnet man die beiden Fenster "Generator" und "RTA" (beides als Button im oberen Bereich zu finden).

    Der Generator erzeugt dabei einen Ton, der vom RTA aufgezeichnet werden kann.


    Als Einstellung sollte man folgendes verwenden.


    Generator

    - Noise / Pink Periodic

    - Full Range (für Subs + LS), Sub Cal (für Subs) oder Speaker Call (nur LS)

    - Sequence Length 64k (muss identisch zu "FFT Length" in RTA sein)

    - -12dBFS


    RTA Settings

    - Mode: 1/24 octave

    - FFT Length: 64k (muss identisch zu "sequence length" im Generator sein)

    - Averages: Exponential 0.75 (je höher der Wert, desto schneller konvergiert die Kurve und desto mehr geht die Anfangsposition in das Ergebnis mit ein)

    - Window: rectangular

    - Max Overlap: 93.75%




    Danach noch auf "Appearance" drücken und einen Haken machen bei:

    - Adjust RTA levels

    - Use 64-bit FFT



    Ist alles bereit, kann es mit der Messung losgehen.

    Dafür zuerst den Ton über den Generator starten.

    Dann das Mikro am Hörplatz bereithalten, die Spitze nach oben oder zur Seite zeigen lassen (sichergehen, dass das 90° Kalib-File aktiv ist) und im RTA den "Start" Button oben, rechts drücken.

    (seit Beta 46 lässt sie die RTA Messung auch mit der Leertaste starten/stoppen, nachdem man das RTA Fenster geöffnet hat)

    Sobald die Messung beginnt, bewegt man das Mikro sinus-/eier-/kreisförmig um den Hörplatz herum. Dabei würde ich erst mit kleinen Bewegungen/Kreisen anfangen, die dann langsam etwas grösser werden, bis ein Kugelförmiger Bereich von ca. 0,5m Durchmesser abgedeckt ist.

    Wie eine Messung aussehen kann, ist bspw hier zu sehen: MMM (Moving Mic Method)


    Ist man mit der Messung durch, kann das Ergebnis mit "Current" abgespeichert werden.

    Damit hat man eine gute Basis um bspw. anschliessend Filter für den Hörplatz zu definieren.

    Dabei sollte jeder LS einzeln gemessen werden, um Interferenzen zwischen mehreren LS zu vermeiden. Filter im DSP werden später normalerweise auch pro LS eingestellt.


    Will man eine weitere Wedelmessung durchführen, muss vorher auf "Reset Averaging" gedrückt werden, um die vorherigen Werte zurück zusetzen.


    Sollen mehrere Sitzplätze vermessen werden, sollte eine Wedelmessung pro Sitzplatz durchgeführt werden. Aus diesen Messungen kann man anschliessend über die "Average"-Funktion in REW eine einzelne gemittelte Messung erzeugen, um den Klang bestmöglich für diese Sitzplätze einzustellen.


    Damit hat man ein gutes Werkzeug an der Hand, mit dem man recht schnell den Frequenzgang am Hörplatz beurteilen kann :)

    "A computer lets you make more mistakes faster than any other invention in human history, with the possible exceptions of handguns and tequila." - Mitch Ratcliffe

    Einmal editiert, zuletzt von icebaer ()

  • Eine zeitlich gefensterte Messung durchführen



    Aus aktuellem Anlass erläutere ich euch kurz, wie man in REW ein nur sehr begrenztes Zeitfenster der Messung betrachtet.



    Wozu gibt es diese Funktion überhaupt?


    Ein Lautsprecher gibt bei der Messung ein Messsignal wieder. Am Mikrofon kommen aber je nach Messentfernung, Abstand zu den Begrenzungsflächen und Zeitraum nicht nur das direkte Signal sondern auch viele zeitlich verzögerte Reflexionen an, welche das direkte Signal überlagern. Das Ohr kann diese bei ausreichend großer Differenz von einander trennen. Somit misst man oft andere Dinge, als man hört. Weiterhin fällt es jedoch schwer, eigentliche Themen wie z.B. eine Trennfrequenz zu bewerten, wenn der Bereich von Reflexionen überlagert wird.



    Vor- und Nachteile


    Bei der zeitlichen Begrenzung haben wir nun die Möglichkeit den direkten Schall ohne oder mit bewusst zeitlich begrenzten Reflexionen zu bewerten. Dadurch fallen zum Teil Ereignisse weg, die am Gehör zwar ankommen, aber es fällt wiederum leichter zu bewerten, was der Speaker wirklich ausgibt. Nun glaubt man," spitze ich filter alles weg und habe schlicht was der Lautsprecher wiedergibt". Der Nachteil liegt jedoch darin, dass die auswertbare Frequenz nach oben rutscht, je weiter ich das Signal zeitlich limitiere, da jede Frequenz einen gewissen Zeitraum braucht um eine Schwingung auszuführen.


    Ich erläutere es daher am heutigen Beispiel. Dabei ging es darum, den Übergang von HT zu TMT zu bewerten. Dabei beginne ich mit dem TMT um sicherzugehen, dass die Passiv-Weiche korrekt angeschlossen ist (ein HT könnte den Fehler unter Umständen nicht verzeihen).



    Durchführung


    Vorbereitend positioniert man den Lautsprecher möglichst weit von allen Begrenzungsflächen weg, um die zeitliche Differenz zwischen Direktschall und Reflexion möglichst groß wählen zu können. In meinem Fall handelt es sich um einen Speaker mit einem HT und jeweils darüber und darunter ein 16er TMT. Bei 2,50m Raumhöhe sollte der HT daher möglichst auf 1,25m Raumhöhe positioniert sein. So sind Decke und Boden maximal weg. Seiten und Rückwände natürlich dann ebenso mind. 1,25m. Je näher das Mikro dann am Speaker steht, umso größer ist die Differenz. Wenn das Mikro also 5cm vor dem HT positioniert ist, ist der Direktschall nach 5cm am Mikrofon, die früheste Reflexion kann dann nach 1,25m an Boden und Decke entstehen. Zu dem Mikro wiederum benötigt der reflektierte Schall noch einmal ~1,25m, also ~2,5m Weg, während der Direktschall bereits erfasst wurde. Daraus resultieren theoretisch ~7,3ms Differenz, was einer Wellenlänge von 137Hz entspräche, da kann man indoor schon was anfangen.


    Hier seht ihr eine ungefensterte Messung der TMT. Um die Funktion der Weiche sicherzustellen und aufgrund der hohen Treiberzentrenentfernung von 32cm habe ich einen Messabstand von 75cm gewählt, obwohl ein geringerer Abstand prinzipiell ein größeres Fenster ermöglichen würde. Dabei sieht man gut wie wellig das Ganze indoor mit Reflexionen schon verläuft.



    Nun kann man über den Reiter "Overlays" schauen wann die erste Refelxion am Mikro eintrifft. Dazu wählt ihr "Impulse" aus und stellt die Darstellung von "dBfs" auf "%"



    Dann könnt ihr am unteren Reiter die Zeit ablesen und zoomt die Messung entsprechend auf



    Nun seht ihr dabei wie der erste Direktschall nach ~3,25ms am Mikrofon eintrifft. Danach schwingt der Impuls aus und flacht ab, bis wiederum die Energie des reflektierten Schalls eintrifft, wie hier bei ~7,6ms zu sehen. Daraus ergibt sich eine Differenz von gut 4,3ms. Ich runde das immer etwas ab, für eine höhere Präzision.



    Daraufhin gehen wir wieder in das Hauptfenster und begrenzen über den Reiter "IR Windows" die Zeit der Messung. Das geht mit jeder Messung nachträglich komfortabel zu betrachten und auch wieder rückgängig zu machen. Ihr tragt dazu in das Feld "Right Window" die zuvor ermittelte Zeit ein und drückt auf "Apply Windows" für eine Messung oder "Apply Windows to all" für alle eure Messungen. Nun seht ihr eine deutlich glattere Wiedergabekurve ohne entsprechende Überlagerungen und Interferenzen / Kammfilter.



    Zum Vergleich sieht man hier, wie selbst 5ms mit einem Teil der Reflexion das Ergebnis schon beeinträchtigen, aber den zu bewertenden Frequenzbereich von 250 auf 200Hz erweitert.



    Selbst bei 8ms sieht das Ergebnis dann schon extrem viel schlechter aus und der Direktschall ist so nicht mehr sauber zu bewerten.



    In dem Fall hat es auf den Bereich der Trennfrequenz noch nicht sooo viel Einfluss. Das sähe mit einer tieferen Trennfrequenz aber schon anders aus.


    Bei Fragen und Ergänzungen bitte melden.

  • Diese beiden Messmethoden, gefensterte und gewedelte, lassen sich mMn sehr gut kombinieren. Zumindest bei aktiven LS.


    Für die Abstimmung über 400-500Hz nimmt man die gefensterte Messung.

    Für alles darunter die gewedelte Messung, da dort eh der Raum "die Musik macht".

    "A computer lets you make more mistakes faster than any other invention in human history, with the possible exceptions of handguns and tequila." - Mitch Ratcliffe

  • Beitrag von finehifi ()

    Dieser Beitrag wurde von Latenight aus folgendem Grund gelöscht: Verschoben in einen neuen Vorstellungsthread ().

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!